Das Leben einer Stadt ist immer im Wandel und das Nachtleben sowieso. In Aarau ist es nicht anders. Seit Jahren spricht man vom unaufhörlichen Aufschwung der Stadt, sie hat sich entwickelt, es ist richtig schön, hier zu sein. In den Neunzigern war die Stadt eher tot, wir gingen nach Baden, Zürich oder Basel, wenn wir etwas erleben wollten. Ausser es lief hin und wieder etwas im KiFF, dem Flössi, oder es war eine Privatparty irgendwo. Bloss wenn man gerade kein Geld oder kein Auto hatte, dann blieb man halt hier.

Kurz vor der Jahrtausendwende gings stetig aufwärts, neue Lokale brachten neue Impulse und immer öfter blieb man am Wochenende gerne in Aarau. Es war mehr möglich, die Polizeistunde wurde aufgehoben, es konnte legal bis vier Uhr gefeiert werden und irgendwie wurde alles etwas kreativer. Die autofreie Altstadt und die Belebung von Brachen veränderten nicht nur das Nachtleben in Aarau. Bars, Clubs und Festivals schossen aus dem Boden.

Im Kopf sind wir etwa auf diesem Stand geblieben, wir denken, die grosse Entwicklung der Stadt gehe noch voran. In der Realität gehts seit fünf Jahren eher abwärts. Vor allem Clubs haben geschlossen, neue gehen nicht auf – dafür gibts immer mehr Foodfestivals. Die Gründe sind vielfältig, der Raum ist knapp, doch er wäre vorhanden, wenn Vermieter/innen nicht befürchten müssten, dass ihre Gebäude wegen Einsprachen lange leer bleiben und deshalb Mietzinse ausbleiben könnten.

Beispiele gibt es genug. Wenn sogar eine neue Aussenbestuhlung am Graben trotz anderen langjährigen Aussenbestuhlungen mit Einschränkungen und viel Geduld «erkämpft» werden muss oder eine kleine Bar an der Pelzgasse mehrere Jahre auf eine Bewilligung wartet und weitere Projekte unter der Einspracheflut schon gar nicht entstehen, vergeht einem die Lust, Neues anzugehen.

Und was läuft mittlerweile denn so an den Wochenenden in Aarau? Was ist vom Wandel und der Entwicklung geblieben? Wir sitzen in den immer gleichen Bars in der Altstadt rum, beklagen den kulinarischen und musikalischen Einheitsbrei (ausgenommen die wenigen Ausnahmen) und reden davon, dass hier nichts mehr läuft. Lethargie macht sich breit und Kreativität wird im Keim erstickt. Und jetzt noch das: Dem Club «Schlaflos» in der Telli droht die definitive Schliessung. Eine Wärmedämmung muss in das mehrheitlich am Wochenende genutzte Gebäude, das in drei Jahren voraussichtlich abgerissen wird, eingebaut werden. Wird die teure Gebäudesanierung nicht umgesetzt, verweigert der Stadtrat dem «Schlaflos» die Betriebsbewilligung. Ja, das passiert jetzt gerade in Aarau: Das «Schlaflos» hat seit dem Wochenende geschlossen – angeblich findet diesen Freitag dennoch eine letzte Veranstaltung statt.

Ich stehe voll und ganz hinter dem Ziel der Stadt Aarau, den Energieverbrauch zu reduzieren und deshalb Gebäude energieeffizient zu sanieren. Ich glaube aber nicht, dass der Club an der Tellistrasse das letzte Gebäude in der ganzen Stadt Aarau ist, das noch keine Wärmedämmung hat und deshalb geschlossen werden muss. Ausgerechnet ein Club, der etwas anderes in die Stadt bringt, Bookings, die man bisher nur in der weiteren Umgebung erleben konnte und Nachtschwärmer nach Aarau gelockt hat, statt Aarauerinnen und Aarauer in die Grossstädte zu treiben. Angeblich verhandeln nun der Stadtrat und die «Schlaflos»-Betreiber in den nächsten Wochen über eine Sommer(!)bewilligung. Was bleibt: Ein weiterer Club schliesst vorzeitig seine Tore. Und die rechtschaffenen Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt können wieder in aller Ruhe ausschlafen.