Aarau
Schäferin Bastienne und ihr Geliebter treffen sich im Himmel wieder

Das Vokalensemble, das Orchester und die Theatergruppe der Alten Kantonsschule Aarau zeigen im Kultur- und Kongresshaus ein wunderbares Sing- und Schauspiel mit Witz und Kopftuch.

Markus Christen
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Vereint und wieder getrennt, der Zauberer mischt mit. mch

Vereint und wieder getrennt, der Zauberer mischt mit. mch

Markus Christen

Mit zwölf Jahren hat das musikalische Wunderkind Wolfgang Amadeus Mozart das Singspiel «Bastien und Bastienne» komponiert. Innerhalb eines Aufzugs entzweien und vereinen sich darin die Schäferin Bastienne und ihr Geliebter Bastien unter Zutun des Zauberers Colas.

Und obwohl sich das Libretto des Singspiels an einer Parodie auf die naive Oper «Der Dorfwahrsager» von Jean-Jacques Rousseau orientiert, entbehrt es selbst (bis auf eine süffisante Replik von Bastienne) einer ironischen oder parodistischen Note, bleibt es schlicht und auf die Herzensregungen der zwei Entliebten und wieder Verliebten konzentriert.

Den Witz zurück ins Singspiel bringen nun das Vokalensemble, das Orchester und die Theatergruppe der Alten Kantonsschule Aarau. Aus der Zusammenarbeit ist eine wunderbare Inszenierung entstanden, welche den Ausgangsstoff auf eine zweite Ebene hievt und ein Spiel im Spiel etabliert.

Es glänzen auf der Bühne die Mitglieder des Vokalensembles nicht nur in ihren historischen Kostümen, sondern auch und insbesondere mit ihrem Gesang.

Daneben machen die Spieler der Theatergruppe aus Bastienne und Bastien zwei Schüler, die sich aus Liebesschmerz in den Tod stürzen und sich im Himmel wieder treffen.

Auch der Zauberer wird in ein modernes Gewand gekleidet und aus Colas wird das Medium Madame Shiva, markantes Kopftuch inbegriffen.

Heinz Schmid, Leiter der Theatergruppe der Alten Kantonsschule und Regisseur des Sing- und Schauspiels, das vorgestern im Kultur- und Kongresshaus ein erstes Mal aufgeführt wurde, lässt die historische und die moderne Handlungsebene geschickt ineinander übergreifen, wobei in dieses Wechselspiel auch die hervorragend vorgetragene Mozartmusik des Orchesters, das von Stefan Läderach dirigiert wird, involviert ist.

Aus diesen Übergängen und der Tatsache, dass die Hauptrollen auf der Bühne gleich von mehreren Sängerinnen und Sängern interpretiert werden, resultieren verschiedene Distanzierungseffekte, die bewirken, dass mit der Einfachheit der Vorlage gebrochen wird und viele Zwischentöne eingestreut werden.

Für Stefan Läderach ist eine solche Distanzierung nötig, um die originale Handlung einem zeitgenössischen Publikum vermitteln zu können.

«Zum einen beinhaltet der Ausgangsstoff eine Botschaft, die immer noch aktuell ist. Zum anderen aber kommt diese in einem ziemlich zopfigen Gewand daher. Eine Aktualisierung der Inszenierung kann aufzeigen, inwiefern uns der Ausgangsstoff noch etwas angeht.»

Wesentlich neben der einfallsreichen Dramaturgie bleibt die grosse Leistung der Schülerinnen und Schüler, deren intensives Engagement jederzeit hör- und spürbar ist. Mit einer Länge von rund 50 Minuten bietet das Singspiel im Kultur- und Kongresshaus zudem eine schöne Möglichkeit, um sich mit der leichtfüssigen Musik von Mozart bekannt zu machen.

Aufführung: Das Singspiel Bastienne und Bastien wird im Rahmen der Kantibühne von heute Abend um 19.30 Uhr erneut im Saal 1 des Kultur- und Kongresshauses aufgeführt. Der Eintritt ist frei.