Aarau
SBB bringen Gepäck ins Skigebiet – aber nicht mit dem Zug

Die SBB transportieren seit Jahren Gepäck ins Skigebiet und zurück - und zwar mit Lastwagen. Das sei weniger personalintensiv. Ausserdem könne so die rechtzeitige Ankunft des Reisegepäcks garantiert werden.

Von Henrik Furrer
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Hier wird das Reisegepäck am Bahnhof Aarau zwischengelagert, bevor es die SBB ins Skigebiet transportieren.Henrik Furrer

Hier wird das Reisegepäck am Bahnhof Aarau zwischengelagert, bevor es die SBB ins Skigebiet transportieren.Henrik Furrer

Henrik Furrer

Gähnende Leere herrscht im Gepäckraum der SBB am Bahnhof Aarau. Hier werden sonst die Ski und Koffer zwischengelagert, welche die Zugreisenden bei den SBB aufgeben, um bequemer reisen zu können. Aber es stehen nur ein paar vereinzelte Ski in der Ecke, verpackt und beschriftet für den Transport ins Skigebiet. Mitten im Raum steht einsam ein Tandem.

Es ist Freitagnachmittag und es sind Sportferien. Wo ist nur das ganze Feriengepäck der Wintersportlerinnen und Wintersportler? Gibt niemand mehr seine Ski auf oder fahren alle mit dem Auto in die Sportferien? «Das Gepäck ist bereits unterwegs ins Skigebiet», erklärt Stefan Gebhardt, Leiter Marktgebiet Aarau bei den SBB. «Die meisten Kunden geben ihre Ski bereits am Donnerstag auf, das ist unser Spitzentag.» Zwischen 15 und 30 Paletten mit Reisegepäck werden an einem solchen Tag am Bahnhof Aarau abgefertigt.

Die Ski reisen nicht so schnell wie ihre Besitzer. Von der Gepäckabgabe am Schalter bis zur Ankunft am Bestimmungsort vergehen in der Regel 48 Stunden. Und was viele nicht wissen: Das Gepäck gelangt nicht etwa per Bahn an sein Ziel, sondern auf der Strasse. «Der Lastwagentransport ist im Vergleich zum Transport auf den Schienen weniger personalintensiv», erklärt Stefan Gebhardt. Ausserdem könne man so die rechtzeitige Ankunft des Reisegepäcks garantieren.

Nach dem Vorfinden eines leeren Gepäckraums am Donnerstag zeigt sich am Montag ein ganz anderes Bild. Es herrscht Hochbetrieb am Schalter und der Gepäckraum ist deutlich besser bestückt. «Montag ist der Hauptrücklauftag für Reisegepäck», sagt Stefan Gebhardt, «denn die meisten Leute geben ihr Gepäck am Samstag auf, bevor sie am Sonntag heimreisen.»

Ein älteres Pärchen holt gerade seine Ski und Koffer aus dem Gepäckraum. Am Tag zuvor sind die beiden aus den Skiferien in Melchsee-Frutt zurückgekehrt. «Wir schätzen das Angebot der SBB sehr», sagt die Frau. «So können wir viel unbeschwerter mit dem Zug reisen.» Schmunzelnd fügt ihr Mann an: «Es ist eine grosse Genugtuung so zu reisen, wenn man die elend langen Schlangen auf der Autobahn und bei der Skivermietung sieht.»

Der Gepäckservice am Bahnhof Aarau wird von den SBB-Kunden nach wie vor gut genutzt. Die Transportzahlen der letzten Jahre sind laut Stefan Gebhardt konstant. Die Kundenzufriedenheit sei gross und die Ski kämen stets rechtzeitig ans Ziel.

Natürlich gebe es auch Ausnahmefälle. Gebhardt kann sich an einen kuriosen Vorfall vor einigen Jahren erinnern. «Ich bekam einen Anruf von einem Kunden, der ein Jahr zuvor seine Ski bei uns aufgegeben hatte.» Dem Mann sei dann plötzlich aufgefallen, dass seine Ski gar nicht bei ihm im Keller stehen würden. «Da hat er doch tatsächlich seine Ski rund ein Jahr lang bei uns vergessen.» Dies würde gemäss Tarif Lagerkosten von 1800 Franken entsprechen. Stefan Gebhardt hatte jedoch Erbarmen mit dem vergesslichen Herren. «Wir haben einen Kompromiss gemacht und uns auf 200 Franken geeinigt.»