Bezirksgericht Aarau

«Saudummer Entscheid»: Ladendieb schlägt Security-Mann mit Baileys-Flasche

Hier wurde der Mann vor Auffahrt beim Stehlen erwischt. (Archiv)

Hier wurde der Mann vor Auffahrt beim Stehlen erwischt. (Archiv)

Ein drogenabhängiger Ladendieb drosch vor dem Coop in der Aarauer Bahnhofunterführung auf den Security-Mann ein. Jetzt wurde er unter anderem wegen Raubs verurteilt.

Am Abend vor Auffahrt dieses Jahres deckte sich Erich (Name geändert) im Coop in der Aarauer Bahnhofunterführung mit Alkoholika ein. Mit einer Flasche Baileys und vier Dosen Smirnoff Ice verliess er den Laden. Einziges Problem: Im Gegensatz zum Baileys hatte Erich die vier Smirnoff-Dosen nicht bezahlt.

Der Security-Mitarbeiter schöpfte Verdacht und verlangte Einblick in Erichs Umhängetasche. Das folgende Gerangel endete damit, dass Erich dem Kontrolleur die Baileys-Flasche über den Kopf zog. Der Security-Mann ging zu Boden, die Flasche auch, und Erich flüchtete mit den gestohlenen Dosen.

Kürzlich hatte sich der Enddreissiger am Bezirksgericht Aarau vor Andreas Schöb als Einzelrichter zu verantworten. Zur Last legte ihm die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift primär den Dosen-Diebstahl, den sie wegen der Gewaltanwendung als Raub qualifizierte. Ausserdem beschuldigte sie ihn des Hausfriedensbruchs in zwei Fällen, denn Erich war mit einem Hausverbot der Coop-Genossenschaft belegt. Der andere Fall hatte sich zwei Monate früher in Küttigen zugetragen. Hier handelte es sich gemäss Anklageschrift um einen Fall geringfügigen Diebstahls. Erich hatte drei Flaschen Malibu Coconut mitlaufen lassen. Im Weiteren war er zweimal in der Wynental- und Suhrentalbahn beim Schwarzfahren erwischt worden.

Vollauf geständig

Erich blickt auf ein stattliches Vorstrafenregister und eine lange Drogenmissbrauchskarriere zurück. Vor Gericht erschien er ohne Verteidiger, aber in Polizeibegleitung. Derzeit verbüsst er wegen eines andern Deliktes eine Freiheitsstrafe im Zentralgefängnis Lenzburg. Er zeigte sich vollauf geständig. Die Gewaltanwendung gegenüber dem Sicherheitsmann bezeichnete er als «saudumme Entscheidung». Er verwies auf seine Alkoholabhängigkeit. Und er habe Angst gehabt, in Untersuchungshaft zu kommen. Dabei habe er in der Woche danach eine Reise mit seiner Mutter in Aussicht gehabt. Er schäme sich und bereue, was er getan habe, denn eigentlich sei er Gewalt abgeneigt. Er habe eine Strafe verdient, sagte Erich, als ihn der Gerichtspräsident fragte, was er zu der von der Staatsanwaltschaft verlangten Freiheitsstrafe von zehn Monaten meine. «Und für Raub sind zehn Monate noch gnädig.»

Andreas Schöb hielt es für angemessen, den Anträgen der Staatsanwaltschaft zu folgen. Zu der unbedingten zehnmonatigen Freiheitsstrafe kommen eine Busse von 400 Franken und die Verfahrenskosten hinzu. Eigentlich sei alles klar, alle Delikte seien anerkannt, sagte der Gerichtspräsident. Und: «Es bleibt mir nur, Ihnen auf den Weg mitzugeben, was Sie wahrscheinlich schon mehrmals gehört haben: Irgendwann müssen Sie sich entscheiden, wie es weitergehen soll in Ihrem Leben.» Und wo: «Im Gefängnis oder in Freiheit.»

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Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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