Wo viele Menschen leben, wird auch viel Abfall produziert. Ein Teil des Abfalls landet leider immer wieder auf öffentlichen Plätzen statt in den vorgesehenen Mülleimern. So auch in der Grossüberbauung Telli in Aarau: In den vier Wohnblöcken leben rund 2500 Menschen. Gaetano Scottino ist einer von vier Hauswarten im Telliquartier, die zwischen den Wohnblöcken täglich den Abfall zusammenlesen. «Die Sauberkeit steht immer an oberster Stelle. Sonst haben wir bald eine Riesensauerei im Quartier», sagt Scottino. Er ist zuständig für die Ordnung in und um die Hausnummern 21 bis 30 der Delfterstrasse.

Der Hauswart findet es mühsam, dass einige «Schlitzohren» den Abfall einfach liegen lassen. In seinem vierten Jahr in der Telli kennt er die Situation gut und weiss, wieso immer wieder Abfall liegen bleibt: «Einige Bewohner sind der Meinung, das sei die Aufgabe des Hauswarts, er werde schliesslich dafür bezahlt.» Wenn er einen Abfallsünder erwischt, könne er schon mal laut werden. «Ich bin direkt, aber fair», sagt er.

Zur täglichen Abfalltour gehört auch die Kontrolle der Grünabfuhr in der Garage. Längst nicht alle Bewohner halten sich an die klaren Regeln, was in die grünen Container kommt und was nicht. Scottino steht dann vor der unangenehmen Aufgabe, unerlaubte Kompostabfälle wie Plastiksäcke oder Essensreste auszusortieren. «Kürzlich trennte ich den Abfall im Container, da beobachteten mich zwei Bewohner und fragten mich, was ich denn da mache», erzählt Scottino. «Was Sie als Mieter machen sollten, erledige ich gerade für Sie», habe er ihnen geantwortet. Scottino glaubt nicht, dass die Täter Ausländer sind, welche die Regeln wegen der deutschen Sprache nicht verstehen. «Es sind Mieter, die gar nicht wissen wollen, was in den Container kommt, weil sie zu faul sind.»

Er habe viele Methoden ausprobiert, um die Abfalltrennung zu verbessern. Scottino verschickte Briefe an alle Haushalte, hängte in jedem Lift ein Infoblatt auf und befestigte über den Containern eine Tafel mit erlaubten und nicht erlaubten Abfallprodukten. Genützt haben die Methoden wenig.

Doch die Ideen gehen Scottino nicht aus. Er plant einen Infotag für die Mieter. Dabei könnte er zeigen, was für Arbeiten er an einem Tag verrichtet. So werde das Verständnis der Nachbarn und der Hausverwaltung gefördert. «Reden, sich treffen und vernetzen ist immer eine gute Sache.» Scottino schätzt seinen Beruf, obwohl die Aufträge nicht immer angenehm sind. Es gefällt ihm, dass seine Arbeit vielseitig ist. Er sei Elektriker, Sanitäter, Maler, Reiniger, Schlosser und Gärtner zugleich. Wichtig ist ihm auch der Kontakt zu den Menschen.

Er möchte sich keineswegs vor den Tellibewohnern verschliessen: «Mieter und Hauswart sitzen im gleichen Boot, wir müssen miteinander arbeiten.» Die Bewohner hätten gemerkt, dass er kein grimmer Hauswart sei, der ständig etwas auszusetzen hat. «Der Kontakt mit den Mietern darf auch gerne mal lustig und auflockernd sein», sagt Scottino. Die meisten fänden es schön, in der Telli zu wohnen. Das motiviere ihn Tag für Tag.