Aarau
Saubere Technologien sind nur eine Frage der Zeit

An der Podiumsdiskussion im Naturama war man sich einig – Aargauer KMU sollen auf Cleantech setzen. Mit «Hightech Aargau», fördert der Kanton den Wissens- und Technologietransfer von den Forschungsinstitutionen zu den Klein- und Mittelbetrieben.

Ralph Stamm
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Mit «Hightech Aargau», fördere der Kanton den Wissens- und Technologietransfer von den Forschungsinstitutionen zu den Klein- und Mittelbetrieben.

Mit «Hightech Aargau», fördere der Kanton den Wissens- und Technologietransfer von den Forschungsinstitutionen zu den Klein- und Mittelbetrieben.

Emanuel Freudiger

Im Zentrum der Diskussion am Mittwochabend stand ein Zielkonflikt: Zum einen müssen die Aargauer Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen. Gleichzeitig sind saubere Technologien wichtiger denn je. Man denke an den Klimawandel und an die Endlichkeit der Ressourcen. Die Leitfrage des Abends war also: «Ist Cleantech bloss ein Schlagwort oder der Königsweg in die Zukunft?»

Zur Podiumsdiskussion hatte das Naturama Aargau eingeladen. Unter der Leitung von az-Autor Hans Fahrländer diskutierten Regierungsrat Urs Hofmann, Professor Edwin Constable vom Swiss Nanoscience Institute, Bernhard Eschermann, Leiter ABB Semiconductors, und Christian Zeyer, Leiter Klima und Politik von Swisscleantech.

Zunächst aber erklärte der Direktor des BAK Basel Economics, Boris Zürcher, in seinem Input-Referat, was unter «Cleantech» zu verstehen ist: «Es geht darum, mehr mit weniger zu machen.» Da aber die Ressourcen oftmals zu günstig seien, fehle nicht selten der Anreiz, Ressourcen zu sparen. Trotzdem sei der Cleantech-Bereich klar ein Wachstumsmarkt: Von 2004 bis 2010 haben sich die globalen Investitionen verfünffacht. So attestierte Zürcher auch dem Kanton Aargau «hervorragende Wachstumsaussichten».

Regierungsrat Urs Hofmann nahm diese Worte im zweiten Referat dankbar auf: Mit «Hightech Aargau», fördere der Kanton den Wissens- und Technologietransfer von den Forschungsinstitutionen zu den Klein- und Mittelbetrieben. Um die Bevorzugung einzelner Branchen zu vermeiden, spreche man aber bewusst von «Hightech» statt von «Cleantech». Gleichzeitig sei man aber der Überzeugung, «dass sich die saubere Technologie dank diesen Anstrengungen ohnehin durchsetzen wird.»

Abwärme intelligent nutzen

«Ist das Cleantech-Zeitalter also angesichts des beschlossenen Atomausstiegs eingeläutet?» So lautete die sich nahtlos eingliedernde Einstiegsfrage von Hans Fahrländer in die Podiumsdiskussion. «Grundsätzlich ja», war sich das Podium einig. Dafür müsse ein breites «Energie-Portfolio» genutzt werden, sagte Professor Edwin Constable. Genannt wurden insbesondere Wind- und Sonnenenergie als auch die Geothermie. Letztere stecke zwar erst in den Kinderschuhen, ansonsten aber sei die nötige Technologie vorhanden, war Christian Zeyer von Swisscleantech überzeugt. Cleantech sei aber nicht nur Hightech, sondern manchmal auch ziemlich simpel. Als Beispiel nannte Zeyer einen Bäckereibetrieb, der die Abwärme des Backofens für eine Wärmedusche für seine Garkammern nutzt.

Nebst dem Aspekt der Technologie wurden im Verlauf des Abends noch weitere Themen gestreift: Bernhard Eschermann von der ABB legte den Fokus auf die Nachfrageseite. «Will der Käufer eines Autos das schnellste oder das sparsamste Modell?», Professor Edwin Constable monierte, den technischen Hochschulen fehle der Nachwuchs: «Bereits 16-Jährige haben entschieden, dass Technologie für sie zu kompliziert ist.» Schliesslich wies Christian Zeyer auf den klaffenden Graben zwischen Forschung und Industrie hin: «Bis sich in der Baubranche ein neues Dämmmaterial durchsetzt, müssen 25 000 Anwendungen gezeigt haben, dass es funktioniert.»