Aarau
Sanierung der Kunsteisbahn beim Brügglifeld kostet 3,2 Millionen mehr

Die Sanierung und Erneuerung der Kunsteisbahn Region Aarau Keba war zu wenig gut vorbereitet, das Stimmvolk wird im September über einen Zusatzkredit abstimmen.

Hubert Keller
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Auch die Dachkonstruktion wird zusätzliche Kosten verursachen. Bereits heute ist die Sicherheit bei starkem Schneefall nicht gewährleistet.

Auch die Dachkonstruktion wird zusätzliche Kosten verursachen. Bereits heute ist die Sicherheit bei starkem Schneefall nicht gewährleistet.

Mathias Marx

Am 15. Mai 2011, präzis vor drei Jahren also, hat das Aarauer Stimmvolk den Bruttokredit von 17 Mio. Franken für die Sanierung und Erneuerung der Kunsteisbahn Region Aarau Keba bewilligt. Vier Fünftel der Aarauerinnen und Aarauern stimmten zu. Sie zeigten damit, wie wichtig ihnen diese Sportanlage ist.

Mittlerweile ist viel Zeit ins Land gegangen. Einwendungen und Beschwerden gegen den Betrieb der Sportanlage zogen das Baubewilligungsverfahren in die Länge. Das war für die Baubehörden zwar lästig, begründet aber nur zu einem kleinen Teil die Mehrkosten von 3,2 Mio. Franken, die der Stadtrat am 16. Juni dem Einwohnerrat unterbreitet und Ende September dem Stimmvolk unterbreitet. In der Zwischenzeit sind nämlich die dem Projekt unterlegten Vorgaben im Detail geprüft worden – mit dem Befund, dass die bewilligten Kredite bei weitem nicht ausreichen.

Maximalkredit für Hallendach

Zusätzlich kommen im schlechtesten Fall noch 800 000 Franken für die Verstärkung der Dachkonstruktion dazu (siehe Box). Dafür werden genauere Untersuchungen nötig sein. Der Stadtrat verlangt vom Einwohnerrat den Maximalkredit, damit Sanierungsmassnahmen, in welchem Umfang auch immer, unverzüglich in Angriff genommen werden können, sobald die Zustandsanalyse dies als angezeigt erscheinen lässt.

Mehrkosten: Für Kanalisation, Minergie und Eismiete

Rund 300 000 Franken zusätzlich kostet die Sanierung der Kanalisation. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass wesentlich mehr Leitungsabschnitte und Schächte sanierungsbedürftig sind. Das Dachwasser soll zudem in einem Regenrückhaltebecken unter dem Garderobbengebäude gesammelt werden.

Das Wasser wird für die Bewässerung der Trainingsfelder eingesetzt mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Betriebskosten reduziert werden. Rund 300 000 Franken mehr kosten die Massnahmen, die der AGV (Aargauische Gebäudeversicherung) für den Rauchabzug im Ernstfall verlangt. Die Zusatzkosten für Minergie belaufen sich auf 600 000 Franken. Es wurde unter anderem festgestellt, dass die vorhandene Wärmepumpe nicht wieder in Betrieb genommen werden kann.

Eine Minergie-Auflage ist zudem, dass die Gebäudehülle luftdicht ist. Diverse Mehrkosten im Umfang von einer halben Million betreffen unter anderem die schlittschuhgängigen Bodenbeläge oder den Schallschutz der Banden. 224 000 Franken mehr kostet die externe Eismiete während der Bauzeit. (Kel)

Von den im Mai 2011 bewilligten 17 Mio. Franken sollte die Stadt ursprünglich netto 8,2 Mio. Franken übernehmen. Die Gemeinde Suhr hatte einen Beitrag von 1,5 Millionen, Buchs einen von 1 Mio. Franken bewilligt. Die übrigen PRA-Gemeinden sagten (statt der erhofften 3,4 Mio.) rund 1,5 Mio. Franken zu. Dafür zeigte sich der Kanton mit 3 Millionen Franken bedeutend grosszügiger als erwartet.

Es blieb somit eine Finanzierungslücke von 1,8 Mio. Franken, auf der Stadt ebenfalls sitzen bleibt. Summa summarum wird die Erneuerung der Keba die Stadt insgesamt rund 12 Mio. Franken kosten; die 800 000 Franken für die Sanierung der Dachkonstruktion eingerechnet.

Last but not least ist ein Zusatzkredit für das Garderobengebäude und die Fussball-Trainingsfelder von 671 000 Franken nötig. Darüber wird der Einwohnerrat ebenfalls im Juni beschliessen.

Projekt soll bleiben, wie es ist

Der Stadtrat hat auch geprüft, wie das Keba-Projekt allenfalls angepasst und wie Kosten eingespart werden könnten. Er rät jedoch davon ab, etwa auf die Überdachung des Ausseneisfeldes oder den Anbau im Eingangsbereich der Eishalle zu verzichten.

Hallendach wird untersucht

Das statische Beurteilung des Tragwerks des Hallendachs erweist sich fünf Jahre nach der ersten Untersuchung als unzulänglich. Bei den Holzbindern wurden zu hohe Feuchtigkeit festgestellt. Die zulässigen Grenzwerte (Eigengewicht, Schnee und Wind) werden bereits heute überschritten. Sofortmassnahmen, um die Sicherheit zu gewährleisten, sind getroffen worden. Eine abschliessende Prüfung der Tragkonstruktion war noch nicht möglich. Der Sanierungsbedarf wird auf 100 000 bis 800 000 Franken geschätzt. (Kel)

Würde das Keba-Projekt nämlich wesentlich verändert, müsste obligatorisch das Stimmvolk dazu Stellung nehmen. Mit dem Bau könnte nicht begonnen werden, die erteilte Baubewilligung würde ablaufen und eine neue Baueingabe fällig. Dieses Risiko will der Stadtrat nicht eingehen. Zudem seien die finanziellen Zusagen der Partnergemeinden und der Zustupf aus dem Swisslos-Sportfonds an das bewilligte Projekt gebunden.

Am 31. Januar 2015 läuft die Baubewilligung ab. Noch vor diesem Termin müssen die Bauarbeiten beginnen. Es pressiert also. Stadtrat Hanspeter Hilfiker ist zuversichtlich, dass die Bauarbeiten für das Garderobengebäude Anfang November beginnen können.

Bereits angefangen worden sind die Arbeiten für die Spielfelder, die ab Frühling 2015 bespielbar sind. Das neue Aussenfeld wäre auf die Saison 2016/2017 hin bereit, zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Und die neue Eishalle ginge ebenfalls zwei Jahre später in Betrieb, nämlich zu Saisonbeginn 2017/2018.

Der überarbeitete und optimierte Bauablauf hat gemäss Stadtrat auch Vorteile. Unter anderen folgende: Ein Eisfeld ist immer in Betrieb; die Eishockeyaner können auf die Kunsteisbahn Olten ausweichen, deren Sanierung rechtzeitig abgeschlossen ist; die Tragfähigkeit des Hallendachs kann sauber und termingerecht abgeklärt werden.

Zusatzkredit kommt vors Volk

Soll über den Zusatzkredit der Einwohnerrat abschliessend befinden oder soll auch das Volk die Möglichkeit erhalten, darüber zu entscheiden? Nach den Erfahrungen mit der Stimmrechtsbeschwerde im Torfeld Süd ist der Stadtrat in solchen Fragen vorsichtig geworden. Er hat Juristen um Rat gefragt. Doch diese hatten auch keine eindeutige Antwort bereit.

Der Stadtrat sei sich bewusst, dass eine Kostenüberschreitung von 18 Prozent vor Baubeginn «eine relevante Veränderung» darstelle, schreibt er in den Botschaft zuhanden des Einwohnerrats. Er empfiehlt deshalb dem Einwohnerrat, auf Projektänderungen zu verzichten, den Zusatzkredit zu bewilligen und diesen Entscheid dem obligatorischen Referendum, also einer Volksabstimmung, zu unterstellen.

Interview mit Hanspeter Hilfiker

Der Projektierungskredit war zu knapp und die Kostenrisiken entsprechend gross, sagt Stadtrat Hilfiker im Interview:

Warum sind nicht bereits im Hinblick auf die Volksabstimmung im Mai 2011 detaillierte Abklärungen vorgenommen worden? Wie sich ja nun zeigt, sind darin die hohen Zusatzkosten begründet.

Hanspeter Hilfiker: Die Vorbereitungen für dieses Projekt sind nicht optimal verlaufen. Heute wissen wir, dass die Zustandsanalysen im Vorfeld der Ausschreibung zu oberflächlich durchgeführt wurden. Hintergrund dafür war ein bewusst knapper Projektierungskredit und damit verbunden der Versuch, eine kostengünstige Variante zu fahren.

Für die Vorbereitung eines Konkurrenzverfahrens und die Ausarbeitung eines vollständigen Bauprojektes mit Kostenvoranschlag haben die gut 780 000 Franken Projektierungskredit nicht ausgereicht. Die Kostenrisiken waren entsprechend hoch.

Über alles gesehen (Keba, Trainingsfelder, Finanzierungslücke) muss die Stadt rund 4 Mio. Franken mehr aufbringen als ursprünglich angenommen. Ein Fiasko?

Mehr als 15 Prozent Mehrkosten für ein Projekt, bevor mit den Bauarbeiten wirklich begonnen wird, sind natürlich viel zu viel. Neben diversen Auflagen von Bewilligungsbehörden oder den Verzögerungen durch Einsprachen hat sich vor allem das angesprochene «Light»-Verfahren in der Projektierung nicht bewährt. Der Stadtrat will deshalb künftig insbesondere bei Sanierungsprojekten wieder mehr Wert auf umfassende Zustands- und Risikoanalysen legen und ausreichende Projektierungskredite beantragen.

Der Stadtrat bringt den Zusatzkredit vors Volk. Warum ist das richtig und nötig?

Erstens sind hohe Mehrkosten klar geworden, bevor wir mit der Keba-Sanierung tatsächlich begonnen haben. Zweitens liegt eine Baubewilligung für das seinerzeit gutgeheissene Projekt vor, die wir einhalten wollen; Drittens kann dieses vollständige Projekt nur mit diesen Mehrkosten realisiert werden. Wir denken, dass es die beste Variante ist, die Bevölkerung über diese Kosten offen zu informieren, und die entsprechenden Kredite eben jenem Gremium vorzulegen, das dem Projekt schon einmal deutlich grünes Licht gegeben hat.

Ist der Stadtrat aus gemachter Erfahrung mit den Stimmrechtsbeschwerden im Fall der Verbindungsspange Buchs Nord besonders vorsichtig geworden?

Die Stimmrechtsbeschwerden im Torfeld haben den Stadtrat sicherlich auf die Thematik weiter sensibilisiert.

Wie zuversichtlich sind Sie im Hinblick auf die Abstimmung?
Die Keba ist in der Bevölkerung stark verankert. Das vorliegende Projekt ist 2011 mit knapp 80 Prozent Ja-Stimmen angenommen worden. Wir wollen weiterhin an eben diesem Projekt festhalten und es für unsere Region realisieren. Ich bin deshalb für die Vorlage im Einwohnerrat und vor dem Volk zuversichtlich.

Falls über Erwarten doch noch der Worst Case eintreten und die Kreditvorlage im September abgelehnt würde, was dann?
Wir gehen Schritt für Schritt vor. Zuerst setzen wir uns jetzt dafür ein, dass die stadträtliche Vorlage im Einwohnerrat positiv aufgenommen wird.