Aarau
Sanfte Revolution auf dem Teller kam beim Testessen an

Die richtige Mischung zwischen Tradition und Innovation beim Maienzugbankett scheint dieses Jahr gefunden zu sein. Das Testessen jedenfalls endete in Minne.

Ueli Wild
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Drei Coleslaw-Varianten zum Testen: Caterer Erich Rüetschli bedient Sandra Rupp.

Drei Coleslaw-Varianten zum Testen: Caterer Erich Rüetschli bedient Sandra Rupp.

Ueli Wild

Tradition beim Hauptgang, Revolution bei Vorspeise und Dessert, lautet das Fazit vom Mittwochabend. Besonders beim Salat fällt die Revolution jedoch einigermassen sanft aus: Zwar ist der Rüeblisalat vom Tisch, aber ganz ohne Rüebli gehts dann doch wieder nicht, denn im Cole-
slaw, diesem aus dem angelsächsischen Raum zugewanderten Kabissalat, hats auch Rüeblischnipsel drin. Ein French Dressing sei das nicht, widersprach Erich Rüetschli, Chef der Catering-Firma Gourmelino, die das Bankett zum fünften Mal ausrichtet. «Eine Rahmsauce mit Essig, Honig, Wasser – Öl hats da keines drin.» Drei Varianten hatte Rüetschli vorbereitet: «klassisch», mit Weinbeeren oder mit Ananasstückli drin. – Die erweiterte Maienzugkommission entschied sich oppositionslos für die Lösung ohne Zutaten.

Wasabi kein Thema

Wer für 4000 Personen kocht, muss mögliche Angriffsflächen vermeiden. Nach dem Hauptgang (Schweinsgeschnetzeltes mit Champignons, Stocki, Rüebli) meinte Rüetschli: «Für mich dürfte alles ein bisschen mehr gewürzt sein – aber das ist gefährlich.» Der Vorschlag, den Stocki mit Wasabi zu versetzen, wurde denn auch nicht ernsthaft diskutiert. Auch beim Stichwort «Knoblauch» winkte Rüetschli ab: «Keine Zwiebeln und kein Knoblauch – das gibt Blähungen!»

Punkto Dessert gab sich die «vorbereitende Kommission» – bestehend aus Stadträtin Regina Jäggi, Verpflegungs-
chefin Sandra Rupp und Caterer Erich Rüetschli – zunächst bedeckt. Was der Glacé-Fraktion um Yves Baumgärtner und Toni von Däniken zwei Stunden des unüberhörbaren Hoffens bescherte. Mit dem Kompromiss – Panna Cotta mit Himbeeren, leicht angefroren – gab sich schliesslich auch die Glacé-Fraktion zufrieden. Der Angriff auf die Rüeblitorten-Bastion gelang nun ohne jede Gegenwehr, nachdem letztes Jahr noch die vorgeschlagenen Erdbeertörtli an der Gefahr splitternder Plastikgabeln gescheitert waren. Einziger Diskussionspunkt war die Frage der Rezyklierbarkeit der durchsichtigen Plastikkübelchen, in denen die Panna Cotta serviert wird. «Etwas zum Basteln für die Lehrer», meinten die einen – mit Blick auf den Bachfischet. Andere fürchteten «Anfragen gewisser Einwohnerrätinnen» nach dem Strickmuster: «Ist sich der Stadtrat bewusst ...?»