Aarau
Sandwich-Kinder können besser ihren eigenen Weg gehen

Geschwisterpositionen haben einen Einfluss auf die Entwicklung – um Erstgeborene, Sandwich-Kinder und Nesthäkchen ging es am 5. Elternbildungstag.

Heidi Hess
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Sind die Geschwister mehr als vier Jahre auseinander, wachsen sie eher wie Einzelkinder auf.

Sind die Geschwister mehr als vier Jahre auseinander, wachsen sie eher wie Einzelkinder auf.

Jandrie Lombard

Für das Verhalten eines Kindes kann es entscheidend sein, ob es das erste, zweite oder dritte Kind in der Familie ist. Warum das so ist, erklärte die Eltern- und Erwachsenenbildnerin Claudia Wernli am 5. Elternbildungstag in Aarau.

Eltern sind beim ersten Kind in der Regel ausserordentlich stolz: alles ist neu, spannend, alles wird dokumentiert. Das Kind erhält die ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern – bis zur Geburt eines jüngeren Geschwister. Nun ist Teilen angesagt. Vor allem die Aufmerksamkeit der Eltern Das kann beim älteren Kind durchaus Eifersucht auslösen.

Sollte auf das zweite Kind schon bald ein drittes folgen, so wird das zweite zum sogenannten «Sandwichkind». Auch es kann in dieser Position plötzlich weniger Beachtung und Zuwendung erhalten. Das Kind dazwischen kann dafür oft besser als das älteste oder das jüngste Kind, seinen eigenen Weg gehen. Für das jüngste Kind wiederum haben die Eltern zwar weniger Zeit, sind aber auch nachsichtiger und verwöhnen es eher.

Kein bewusstes Verhalten

«Vieles geschieht unbewusst», sagt Claudia Wernli. Vom ältesten Kind erwarten die Eltern, dass es auf die Jüngeren aufpasst, sie lehren es auf diese Weise schon früh, Verantwortung zu tragen. Im Berufsleben finde man Erstgeborene deshalb häufiger in Führungspositionen als Nesthäkchen. Wernli fragt nach Erstgeborenen im Saal. Einige stehen auf. Ob sie eine Führungsposition inne hätten oder Lehrerinnen oder Lehrer seien? Viele bleiben stehen.

Man mag dies als Bestätigung für die Auswirkungen von Geschwisterpositionen sehen. Ganz so eindeutig aber, sagt Claudia Wernli, sei es nicht. Auch ein jüngeres Kind kann in die Rolle eines Ältesten schlüpfen. Dann zum Beispiel, wenn das ältere chronisch krank oder behindert ist.

Ein Altersunterschied von mehr als fünf Jahren lässt ausserdem mehrere Geschwister eher wie Einzelkinder aufwachsen. Diese wiederum geniessen gleichermassen die Vor- und Nachteile der Erstgeborenen und der Nesthäkchen. Letztlich beeinflusse die Position zwar das Verhalten in der Familie, dennoch würden Geschwister sehr voneinander profitieren, schloss Wernli das Einstiegsreferat zum Elternbildungstag.