Suhr
Sakristan wagt etwas Neues: Bald mixt er Smoothies im Bistro

15 Jahre lang war Alberto Chresta Kirchendiener in der Pfarrei Suhr – jetzt zieht er nach Liestal und eröffnet mit seinem Partner ein Bistro.

Marina Bertoldi
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Als Sakristan der katholischen Kirche Suhr übernahm Alberto Chresta unter anderem die Hauswartsarbeiten.

Als Sakristan der katholischen Kirche Suhr übernahm Alberto Chresta unter anderem die Hauswartsarbeiten.

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«Die Voraussetzung war einhandwerklicher Beruf. Ich bin gelernter Kleinkindererzieher», sagt Alberto Chresta lachend. Trotzdem hat er sich vor fünfzehn Jahren für die Stelle als Sakristan in der katholischen Kirche Suhr beworben. Seitdem übernahm er zahlreiche Aufgaben rund um die Kirche. Er bereitete den Gottesdienst vor, dekorierte die Kirche und war für den grossen Pfarrgarten sowie für Hauswartsarbeiten zuständig. Nun beginnt er einen neuen Lebensabschnitt.

«Nach so vielen Jahren ist die Zeit gekommen, etwas Neues zu machen», sagt Alberto Chresta. Ende November verabschiedete er sich deshalb von seinen Kolleginnen und Kollegen in der Pfarrei und zog mit seinem Partner Giacomo Radicci in ein Haus in Liestal. Hier wollen sie bald ein kleines Bistro eröffnen.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 45-Jährige etwas komplett Neues wagt. Vor fünfzehn Jahren entschied er sich, nicht mehr länger als Kinderbetreuer zu arbeiten. «Ich bewarb mich als Hilfspfleger.» Doch dann sei er auf ein Inserat der Pfarrei Suhr-Gränichen gestossen: Für eine Stelle als Kirchendiener. Seine Mutter arbeitete damals bereits als Sakristanin. «Ich wusste, dass mir dieser Beruf gefallen würde.» Er sei in Domat-Ems im Bündnerland aufgewachsen, wo kirchliche Traditionen eine wichtige Rolle spielten. «An Hochfesten sangen und singen wir immer noch die Vesper (Abendgebet des Christentums), bei der man Psalmen in lateinischer Sprache singt. Ich war auch Ministrant, was mir grossen Spass bereitete.»

Kurze Zeit später trat Alberto Chresta seine Stelle als Sakristan an. Seinen früheren Beruf gab er aber nicht vollkommen auf, zumindest zu Beginn nicht. «Ich arbeitete einige Jahre als Religionslehrer für Schülerinnen und Schüler der ersten Primarklassen.» Am besten jedoch gefiel dem Bündner an seinem neuen Beruf die Liturgie. Während des Gottesdienstes trug er manchmal die Lesung und die Fürbitten vor. An Sonn- und Festtagen übernahm der passionierte Sänger sogar den Messgesang. «Das war meine Spezialität», sagt der 45-Jährige.

Letzte Woche liessen Alberto Chresta und Giacomo Radicci ihre Partnerschaft nach sechs Jahren Beziehung eintragen. «Es gab ein kleines Fest», erzählt Chresta. Vorher lebten die beiden zusammen in Suhr. Probleme wegen seiner Homosexualität habe er während der Arbeit in der Kirche nie gehabt. «Wir haben es nicht an die grosse Glocke gehängt. Mit der Zeit wusste es aber fast jeder.» Anfeindungen habe er nie erlebt, zumindest keine direkten. «Es ist einfach so gewesen und normal geworden. Mein Partner sang auch im Kirchenchor.» Alberto Chresta hatte kein Problem damit, für die katholische Kirche, die Homosexualität offiziell verurteilt, zu arbeiten. Es sei eine so grosse Institution, in der es halt Menschen mit unterschiedlichen Ansichten gebe. «Der jetzige Papst urteilt nicht über Homosexuelle. Und der Papst vorher war schliesslich weit weg», sagt der 45-Jährige lachend.

«Würde ich mich heute wieder für einen kirchlichen Beruf bewerben und meine eingetragene Partnerschaft erwähnen, wäre das wahrscheinlich ein Problem», sagt Chresta. Doch das hat der 45-Jährige im Moment nicht vor. Anfang nächsten Jahres wollen er und sein Partner ihr Bistro eröffnen. «Wir verkaufen Salate, grüne Smoothies, Suppen und Rohkostspezialitäten.» Sein Partner hat dazu das Wirtepatent gemacht. Chresta wird vor allem für die Küche zuständig sein. «Vis-à-vis unserem Bistro studieren rund 950 angehende Lehrer. Wir sind zuversichtlich, dass es klappt.»

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