Oberentfelden
Sackgebühr statt Gratisgüsel: In Oberentfelden bricht Kehrichttourismus ein

Seit das Entsorgen kostet, ist die gesammelte Abfallmenge in Oberentfelden . stark geschrumpft. Eine Überraschung sei das nicht, sagt der Gemeindeschreiber. Es zeige bloss, wie erheblich der Kehrichttourismus bislang gewesen sei.

Katja Schlegel
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2012 war das Entsorgen noch gebührenfrei: Männer sammeln den Abfall im grossen Stil ein.

2012 war das Entsorgen noch gebührenfrei: Männer sammeln den Abfall im grossen Stil ein.

EMANUEL FREUDIGER FOTOGRAFIE

Bis zu 2000 Tonnen Hauskehricht stellten die Oberentfelder jeweils innert eines Jahres an den Strassenrand, ohne für die Entsorgung einen Rappen an Gebühren zu bezahlen. Mit der Einführung der Sackgebühr per Januar 2013 scheint das Entrümpelungsfieber abgeklungen zu sein: Nur noch knapp 1300 Tonnen Güsel wurden entsorgt, rund zwei Drittel der bisherigen Menge.

Mitsamt allen Spezialsammlungen wie Altpapier, Grünabfälle, Blechdosen und Aluminium, Altöl und Batterien, waren es 2013 laut Abfallstatistik rund 3420 Tonnen Abfall, 2012 waren es noch 4390 Tonnen. «Das ist keine Überraschung, wir haben einen deutlichen Rückgang der Abfallmenge erwartet», sagt Gemeindeschreiber Max Haudenschild. Das habe allein schon der Vergleich mit anderen Gemeinden mit Abfallgebühr gezeigt, die deutlich weniger Abfall pro Kopf und Jahr entsorgen.

Immenser Abfalltourismus

Auch wenn 2013 die Menge beispielsweise bei Altpapier (455 Tonnen statt 448 Tonnen im Vorjahr) und Altglas (283 Tonnen statt 255 Tonnen) leicht zugenommen habe, zeigten die Zahlen doch deutlich, wie erheblich der Kehrichttourismus bislang gewesen war. «Wer in Oberentfelden gearbeitet oder Verwandte besucht hat, hat den Abfallsack einfach im Kofferraum mitgebracht und hier in einen Container geschmissen», sagt Haudenschild.

Ausserdem zählten die Oberentfelder Keller und Estriche wohl zu den aufgeräumtesten im ganzen Kanton: Im Jahr vor Einführung der Abfallgebühren entsorgten die Bewohner noch einmal 100 Tonnen mehr Güsel als im Jahresschnitt. Allein im Dezember 2012 fielen 35 Tonnen mehr an als im Vorjahresmonat.

Die Sackgebühr ist nicht nur für die Umwelt ein Gewinn, sondern auch für die Gemeinde: Gemäss Rechnung weist die Abfallwirtschaft einen Ertragsüberschuss von rund 1800 Franken aus. Diese Punktlandung sei aber zu relativieren, weil Vorräte an Kehrichtsäcken bei den Verkaufsstellen und in den Haushalten nicht berücksichtigt seien, so die Ausführungen zur Statistik. Bisher berappte die Gemeinde pro Tonne entsorgten Abfall 150 Franken.

Kein Pardon für Rappenspalter

Rappenspalter gibt es aber auch heute noch, immer wieder entsorgen solche Schlaumeier ihren Abfall illegal. Hier kennt die Gemeinde aber kein Pardon: Die Säcke werden konfisziert und durchsucht. Findet sich ein Hinweis auf den Verursacher, schaltet der Gemeinderat die Stadtpolizei ein und erstattet Anzeige.

Dann wird es teuer und unangenehm für den Güselsünder: Es folgen Vorladung und Verhör, danach flattern die Rechnungen für eine Busse von 200 Franken und eine Gebühr von 50 Franken ins Haus.

Schlussendlich kostet das illegale Entsorgen also mehr als hundert Mal so viel, wie ein Gebührensack für 2.20 Franken. «Wir packen die illegalen Entsorger ganz bewusst so hart an. Wir tolerieren das einfach nicht», sagt Haudenschild. 2013 sind der Gemeinde elf Güselsünder ins Netz gegangen.

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