Buchs
Säcke voll mit Abfall – dieser Mann räumt freiwillig auf

Der 35-jährige Daniel Klocker sammelt in seiner Freizeit freiwillig Abfall ein – ohne Scheu oder böse Miene.

Anja Suter
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«Wenns mich stört, dann kann ich es auch gleich wegmachen», sagt Abfallsammler Daniel Klocker.

«Wenns mich stört, dann kann ich es auch gleich wegmachen», sagt Abfallsammler Daniel Klocker.

Anja Suter

Mitten in Buchs auf einem Bauernhof ist der heutige Einsatzort von Daniel Klocker. Der 35-jährige sammelt in seiner Freizeit den Abfall ein, welchen die Allgemeinheit verursacht hat. Für die heutige Runde «güseln» hat er sich eine Weide ausgesucht, auf der normalerweise Milchkühe zu Gast sind.

Klocker, sammelt seit ein paar Wochen regelmässig Müll. Ihm sei der Abfall an verschiedenen Orten aufgefallen, irgendwann habe er sich dann gedacht: «Wenns mich stört, dann kann ich es auch gleich wegmachen.»

Bei der Reinigung von Privatgrundstücken spricht er sich immer zuerst mit den Landbesitzern ab. Diese reagieren oft skeptisch auf das Angebot, dass er ihr Gelände kostenlos reinigen möchte.

An seinem heutigen «Arbeitsplatz» der Weide angekommen, zückt Klocker Greifarm, welchen er von der Gemeinde zur Verfügung gestellt bekommen hat und einen Abfallsack.

«Ich arbeite wie ein Rasenmäher»

Beim «Güseln» geht er mit Strategie vor: «Ich arbeite wie ein Rasenmäher, von aussen nach innen.» Nicht nur Strategie wird benötigt, bei der Suche nach Abfall, sondern auch ein gutes Auge. Zielsicher greift der Buchser nach Hinterlassenschaften, die auf den ersten Blick nicht im Gras zu sehen sind.

Seit er vor ein paar Wochen mit dem Abfallsammeln angefangen hat, war Klocker etwa 18 Stunden unterwegs, dabei füllte er neun 35-Liter Säcke mit Müll.

Man könnte meinen, dass der Buchser sich bei seinen Einsätzen über die Verursacher des Unrates ärgert, er sieht die Thematik jedoch nüchtern: «Ich urteile nicht über Andere, ich räum einfach auf.»

Nach einer Stunde ist der Sack schon gut gefüllt, darin befinden sich Überbleibsel von Feuerwerk, Feuerzeuge, Aludosen, Kartonverpackungen, Plastik und diverse andere Dinge die definitiv nichts auf einer Kuhweide verloren haben.

Der 35-jährige hat alles mit seinem Greifarm eingesammelt – ohne das Gesicht zu verziehen. Ekel lösen bei ihm höchstens Dinge aus, die schon in der Zersetzung sind. Auch kuriose und unerwartete Gegenstände hat der freiwillige Abfallsammler schon gefunden, dazu gehörten auch verschiedene Kleintierkadaver.

Gefährliche Alu-Büchsen

Während seiner Streifzüge trifft Klocker regelmässig auf Passanten. Auch heute sind mehrere Spaziergänger den Weg neben der Weide unterwegs. Die Reaktionen seien meist zurückhaltend, sagt Klocker: Ein kurzer Blick und freundliches Grüssen, viel mehr passiert nicht.

Klocker trägt während seiner Arbeit eine gelbe Weste, um gut erkannt zu werden. Angesprochen werde er eher selten. Die Leute seien eigentlich immer positiv und respektvoll, so Klocker. Nach knapp zwei Stunden ist die Weide gereinigt.

Auf der Fläche von fast zwei Fussballfeldern lag so viel Abfall, dass der 35 Liter Sack gut gefüllt ist. «War weniger, als ich es am Anfang erwartet hab», so Klocker. Unter anderem befinden sich auch Alu-Büchsen im Abfallsack – diese sind für Kühe und andere Wiederkäuer gefährlich.

Fressen die Tiere die Dosen beim Weiden, kann dadurch der Bauchraum so verletzt werden, dass sie schliesslich quallvoll verenden. Der Bauer, dessen Wiese Klocker gerade gereinigt hat, muss sich zur Zeit in dieser Hinsicht keine Sorgen machen. Seine Wiese ist dank Klocker frei von jeglichem Abfall.