Aarau
Runtergemacht wird am Volksmusik-Wettbewerb niemand

Bei der teils ausgelassenen Stimmung in den Festbeizen hat es die Musik nicht immer einfach, sich Gehör zu verschaffen. Bei den Konzertvorträgen herrschte zeitweilig ein riesiger Publikumsandrang.

Ueli Wild
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Spontanes Musizieren nach dem Wettspielvortrag im Kultur- und Kongresshaus: «Pflanzplätz»-Örgeler Simon Dettwyler mit einem Kollegen auf dem Schlossplatz.

Spontanes Musizieren nach dem Wettspielvortrag im Kultur- und Kongresshaus: «Pflanzplätz»-Örgeler Simon Dettwyler mit einem Kollegen auf dem Schlossplatz.

Ueli Wild

Die «Bärner Tanzmusig» zum Beispiel schafft dies am Samstagabend auf dem Kirchplatz, wie sie resolut mit zwei Klarinetten zu swingen beginnt. Wer genauer hinhören will, hat aber die Möglichkeit, den Konzertvorträgen in den Wettspiellokalen zu folgen.

Leichter gesagt als getan: Das «Laseyer Quartett» in der Tuchlaube zu hören, erweist sich, trotz frühzeitigem Erscheinen, als Ding der Unmöglichkeit. Vor dem Theatereingang wartet eine gut zwanzigköpfige Menschentraube. In der Tür steht breitbeinig ein Securitas-Mann und lässt nur dann einen rein, wenn einer rauskommt. «Die Sicherheit halt», sagt eine wartende Frau. Und eine andere meint: «Es ist eben im Moment eine bekannte Gruppe oben, Mutschellen SöMM, Schwyzerörgelimusik.»

Im Kultur- und Kongresshaus, wo vier Säle bespielt werden, herrscht ebenfalls Grossandrang, aber einen Platz, notfalls einen Stehplatz, kann man hier zumeist noch ergattern. Im Saal 4 ist eben das Trio «Pflanzplätz» am Werk: innovative und trotzdem auch traditionelle Örgelimusik, brillant gespielt. Alles schaut nach vorn, die beiden Experten nach unten. Sie machen eifrig Notizen. Dann setzt Kontrabassist Jürg Nietlispach zum finalen Feuerwerk an. Tosender Applaus, nach zwei Stücken ist alles vorbei. Die nächste Gruppe wartet. Im Zwölfminutentakt geht das hier ab, ausser wenn mal eine Gruppe nicht erscheint.

Und jetzt? Die Bewertung wird schriftlich zugestellt? - «Genau», sagt der Langenthaler «Pflanzplätz»-Örgeler Thomas Aeschbacher, «was die Experten gefunden haben, erfahren wir erst später.» Aeschbacher und der andere «Pflanzplätz»-Örgeler, Simon Dettwyler, gehören selber dem rund 35-köpfigen Expertenteam an. Sie füllen jeweils ein Formular aus, das eine Bewertung nach sieben Kriterien verlangt. Diese sind: Rhythmus und Metrum, Dynamik und Tonkultur, Technik, Phrasierung und Artikulation, Klangausgleich, musikalische Ausdruck, Interpretation und Stilempfinden, Stückwahl. «Wir geben eher Ratschläge ab», sagt Thomas Aeschbacher, «runtergemacht wird niemand.» Eine Rangierung gibt es nicht.

Aeschbacher ist ein offener Geist. Er spielt auch mal Örgeli mit der Berner Balkan-Brassband Traktorkestar. Und am Samstagabend hat er in Olten einen Auftritt mit seinem Alpin Projekt. Beim offenen Musizieren hört man «Pflanzplätz» drum als Gruppe in Aarau nicht. «Das wäre zu viel.» Simon Dettwyler hingegen bleibt noch lange. Nach dem Wettspielvortrag spielt er zusammen mit einem andern Örgeler auf den Stufen beim Schlossplatz. Nur kurz, dann packen die beiden ihre Instrumente ins Köfferchen. Auch spontanes Musizieren war am Eidgenössischen immer möglich.