Wie umkämpft sind, wenn man dem so sagen darf, die Throne der Gemeindeammänner und -präsidenten in der Region Aarau? Eigentlich, ist man versucht zu sagen, überhaupt nicht – sieht man einmal vom Ringen ums Aarauer Stadtpräsidium ab.

Dabei müssen acht von elf Gemeindeoberhäuptern ersetzt werden. Die günstige Gelegenheit wird offenbar kaum als solche wahrgenommen. Oder es erweist sich als gar nicht so einfach, Interessenten zu finden, die bereit sind, die eher mässig honorierte Bürde auf sich zu nehmen. Und Kandidaten, die das Risiko nicht scheuen, zu scheitern. Denn es ist nicht so, dass es schwierig wäre, die Ämter zu besetzen.

Vielmehr gibt es fast überall Kronprinzen, deren Wahl nach menschlichem Ermessen so gut wie sicher ist. Das braucht überhaupt nicht schlecht zu sein, aber wer im Prinzip eine echte Auswahl vorzöge, muss feststellen, dass übermächtige Konkurrenz abschreckt. Es ist wie beim Pferderennen: Figuriert unter den genannten Pferden ein Überflieger, bleiben am Ende die Felder klein.

Natürlich: Die Anmeldefrist läuft erst am 11. August ab. Doch am Befund dürfte sich auch dann kaum etwas ändern. Welche Bisherigen am Ammannamt interessiert sind und welche nicht, ist jetzt schon bekannt. Sprich: Kommen noch weitere Kandidaten dazu, handelt es sich dabei ausnahmslos um neu für den Gemeinderat Kandidierende, die überall gegen Bisherige antreten müssen – im Normalfall mit kleinen Wahlchancen.

Konkret: Die drei wieder zur Wahl antretenden Ammänner Urs Affolter (Buchs, FDP), Heinz Lüscher (Unterentfelden, SP) und Roger Meyer (Densbüren, parteilos) sind kaum in Bedrängnis zu bringen, aber auch die sechs «Kronprinzen» weisen kaum ins Gewicht fallende Angriffsflächen auf: Marco Genoni (Suhr, Zukunft Suhr), Peter Stirnemann (Gränichen, parteilos), Tobias Leuthard (Küttigen, SP), Monika Schenker (Erlinsbach AG, CVP), Willy Wenger (Biberstein, Bürgerliche Vereinigung Biberstein BVB) und Markus Bircher (Oberentfelden, FDP) müssten im Normalfall durchmarschieren. Sie alle sind bislang unangefochten.

Speziell ist der Fall Auenstein: Hier findet schon am 21. Mai die Gesamterneuerungswahl des Gemeinderates statt. Fünf Parteilose, darunter vier Bisherige, stellen sich der Wahl. Überzählige Kandidierende gibt es nicht. Aus welchem Personenkreis das künftige Gemeindeoberhaupt stammen wird, ist damit jetzt schon klar.

Interessant ist: In einer einzigen Gemeinde, die einen neuen Gemeindeammann oder -präsidenten wählen muss (Aarau ausgeklammert), bleibt das Amt, wenn der Kronprinz respektive die Kronprinzessin nachrückt, in der Hand der politischen Kraft, die bisher das Gemeindeoberhaupt stellte. Und es ist erst noch keine Partei: In Gränichen folgt ein Unabhängiger auf einen Unabhängigen.

Sonst wird durchweg rochiert: In Suhr geht das Präsidium von der FDP zum Mitte-Links-Bündnis Zukunft Suhr, in Erlinsbach AG von der SVP zur CVP. In Oberentfelden wechselt das Ammannamt von der SVP zur FDP, in Küttigen von der SVP zur SP (wobei Gemeindeammann Dieter Hauser 2014 der SVP-Ortspartei den Rücken gekehrt hat). In Biberstein folgt ein BVB-Mann auf einen Parteilosen und in Auenstein ein parteiunabhängiges Gemeinderatsmitglied auf einen Freisinnigen.

Der Fatalismus, mit dem die «Verliererparteien» die sich anbahnenden Rochaden hinnehmen, erstaunt schon ein wenig, auch wenn es überall nachvollziehbare Gründe geben mag. Wenn nicht alles täuscht, hat in Suhr die FDP die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Sie hat aber grundsätzlich Mühe, Personal für politische Ämter zu rekrutieren. Und da ist sie nicht allein. Das defensive Verhalten der aktuellen «Ammännerparteien» kann, nüchtern betrachtet, auch schlicht Ausdruck der Erkenntnis sein, dass auf kommunaler Ebene zumeist Sach- und nicht so sehr Parteipolitik gefragt ist. Ein Pragmatismus, an dem nichts auszusetzen ist.

Hier liegt denn auch der Unterschied zu Aarau, wo nicht selten Parteipolitik auf Kosten der Sachpolitik betrieben wird. Bei einer Organisationsform mit Parlament, wie sie Aarau (aber auch Buchs) kennt, ist diese Tendenz naturgemäss stärker. In Aarau geht es im Herbst klar um Ideologie und Macht.

Die Linke, die mithilfe ihrer «Mitte»-Verbündeten im Einwohnerrat derzeit die Mehrheit hat, strebt nebst Stadtpräsidium und Vizepräsidium vehement die Vorherrschaft auch im Stadtrat an. Die Aktien von Rot-Grün und damit jene des Tandems Daniel Siegenthaler/Hanspeter Thür stehen gut. Wollen die Bürgerlichen das Heft nicht vollends aus der Hand geben, werden sie sich in den nächsten Monaten etwas einfallen lassen müssen. Die Prognose sei daher gewagt: Ruhe in den Dörfern, Sturm in der Stadt.