Die Idee war – zumindest aus Sicht der Infrastrukturbetreiber und der Gewerbler – bestechend. Ein Gratis-WLAN in der Innenstadt, das unter den Namen «Aarau Freenet» als Marketinginstrument genutzt wird. Es hätten Werbebotschaften auf die Handys und Tablets der Nutzer gespielt werden sollen. Doch es bestand, so der Verein Aarau Standortmarketing (VAS) in seinem Jahresbericht, «seitens der Besucher praktisch kein Interesse an der Nutzung». Nicht einmal an Grossanlässen wie der AMA oder dem Kantonalschwingfest.

Der VAS ist aus «Aarau Freenet» ausgestiegen. Die Eniwa liess ihn sogar vorzeitig gehen, weil ein Partner ohne Interesse keinen Sinn gemacht hätte. Eigentlich wären die beiden Organisationen bis Ende 2019 vertraglich aneinander gebunden gewesen. Die Eniwa will das Gratis-WLAN weiterbetreiben und dies zumindest vorderhand unter dem Namen «Aarau Freenet». Laut VAS sind «täglich über 1000 Benutzer im kostenlosen WLAN eingeloggt, welche weiterhin eine interessante Zielgruppe sind». Mit ihren Daten lassen sich etwa Bewegungsprofile erstellen, womit der Grad der Attraktivität gewisser Standorte in der Stadt festgestellt werden kann.

Eniwa investierte halbe Million

Bevor die beiden Organisationen Ende 2016 zusammenspannten, hatte die Eniwa (damals IBA) bereits fast eine halbe Million Franken in die Infrastruktur (damals WLAN Aarau) investiert. Das Recht der Vermarktung liess sie sich in den Jahren 2017 und 18 vom VAS mit Grössenordnung total 30'000 Franken abgelten. Aktuell wird das gratis-WLAN wohl vor allem von Randgruppen (etwa Asylbewerbern) genutzt.

Für VAS-Präsident Daniel Lüscher ist klar: «Die Eniwa hat mit der Initiative, auf eigene Kosten ein Gratis-WLAN in der Stadt aufzubauen und zu betreiben, einen aktiven Beitrag zur Attraktivität von Aarau geleistet.» In den letzten beiden Jahren habe sich immerhin herausgestellt, «dass das WLAN, nebst dem weiterhin bestehenden Internetzugang, eine Übermittlungsinfrastruktur ist, welche in Smart-City-Projekten sinnvoll genutzt werden kann».