Aarau
Rüeblimärt: Aarauer Altstadtläden fühlen sich übergangen

50'000 Personen besuchten am Mittwoch den traditionellen Aarauer Rüeblimärt. Dreimal fand der Rüeblimärt auch in der Altstadt statt, dieses Jahr erstmals nicht mehr. Die Detaillisten in der Altstadt sind bitter enttäuscht.

Nadja Rohner
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Am Rüeblimärt waren dieses Jahr rund 50000 Besucher.
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Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt.
Impressionen vom Aarauer Rüeblimärt.
Aarauer Rüeblimärt 2015: Die besten Bilder

Am Rüeblimärt waren dieses Jahr rund 50000 Besucher.

Chris Iseli

Der Rüeblimärt war auch dieses Jahr wieder ein Erfolg. Rund 50 000 Besucher lockte er nach Aarau. Dort mussten sie erstaunt feststellen, dass der Markt zwar wieder am Schlossplatz präsent war, dafür kaum mehr in der Altstadt wie in den letzten drei Jahren. Der Markt konzentrierte sich auf die Standorte Schlossplatz, Graben, Zwischen den Toren und Holzmarkt. Wie kommt das?

Rückblick: Als der Schlossplatz umgebaut wurde, wichen die Rüeblimarkt-Veranstalter in die Altstadt aus – in die Pelzgasse beispielsweise. Das sei nicht immer einfach gewesen, sagt Stefan Jost, Präsident des Detaillistenverbandes Zentrum Aarau.

«Im ersten Jahr durften die ansässigen Detaillisten keine eigenen Stände betreiben. Im zweiten Jahr änderte das, aber dafür gab es Chaos, weil auswärtige Aussteller ihre Transportfahrzeuge in der Altstadt parkierten. 2014, im dritten Jahr, hat eigentlich alles gut geklappt.»

Absagen verschickt

Dieses Jahr aber erhielten die Aarauer Detaillisten, die gerne einen Stand in der Altstadt betrieben hätten, eine Absage vom Verein Aargauer Rüeblimärt Aarau.

Anfang September schrieb dieser: «Aus organisatorischen Gründen musste der Rüeblimärt-Vorstand entscheiden, die Teilnehmerzahl für den kommenden Markt einzuschränken», heisst es in dem Brief, der der az vorliegt.

Und weiter: «Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Standeinteilung bereits vollzogen ist und keine Änderungen mehr möglich sind.» Aus dem Schreiben sei aber nicht ersichtlich gewesen, dass der Rüeblimärt gar nicht mehr in der Altstadt stattfindet, so Stefan Jost. «Das haben wir erst eine Woche vor dem Märt erfahren.»

Rüeblimärt-Vereinspräsident Walter Käser betont, der Rüeblimärt sei nur versuchsweise in der Altstadt gewesen und nun an seinen ursprünglichen Standort zurückverlegt worden.

Die Gründe lägen erstens beim «riesengrossen Aufwand», wenn man den Markt in die engen Altstadtgassen bringen wolle. So müsse beispielsweise in der Pelzgasse jeweils der Bach abgedeckt werden. Auch, dass der Verein für die Umleitung des Busses aufkommen musste – das kostet 3000 Franken –, habe wegen des knappen Budgets eine Rolle gespielt.

Ausserdem seien die Gewerbetreibenden in der Altstadt teilweise unkooperativ gewesen. Oder, wie Käser sich ausdrückt: «Sie haben nur marginal mitgemacht.» Wirte hätten reklamiert, weil Rüeblimärt-Stände direkt vor ihrem Lokal gestanden seien.

Dann habe es Personen gegeben, die bei Regenwetter ihren Stand nicht hätten bezahlen wollen. Oder solche, die den Stand nicht «rüeblimärtgerecht» dekoriert hätten.

Er erklärt: «Der Rüeblimärt zeichnet sich aus durch schöne Stände mit ansprechend präsentierter Ware. Es reicht nicht, ein Metallgestell aufzustellen und ein paar Blachen darüberzuwerfen.» Unter dem Strich sei es «einfach nur mühsam» gewesen, den Märt auf die Altstadtgassen auszudehnen.

Man wolle auch nicht einfach jeden Bewerber für einen Stand berücksichtigen, Qualität gehe vor Quantität: «Priorität haben Händler, die Rüebli oder ähnliche, hochwertige Produkte verkaufen. Wir wollen keinen 08/15-Markt.»

Strenges Sicherheitskonzept

Dieses Jahr herrschte rund um das Marktzentrum am Graben zeitweise dichtes Gedränge. In einem Leserbrief macht sich Josef Stocker aus Gränichen Gedanken zur Sicherheit: «Wenn die Marktstände derart eng platziert sind, und dahinter Autos ohne jeglichen Abstand stehen, kann es ohne die nötigen Fluchtmöglichkeiten zu Panik kommen», schreibt er. «Jeder Laden, jedes Shoppingcenter muss Vorschriften für die Fluchtwege in Bezug zur Menge der Kunden befolgen. Warum gilt dies nicht für den Markt?» Dazu sagt Verena Sägesser vom Rüeblimärt-Verein: «Selbstverständlich haben auch wir ein strenges Sicherheitskonzept, an das wir uns halten.» Der Markt werde am Morgen vor dem Start von der Polizei begutachtet. «Die Marktfahrer erhalten die Auflage, Fahrzeuge nach dem Ausladen im Schachen abzustellen. Ein Teil von ihnen darf aber hinter dem Stand – quasi als Lager – ihre Fahrzeuge parkieren. Was toleriert wird, entscheidet die Stadtpolizei und regelt dies mit dem betreffenden Marktfahrer.» (NRO)

Zurück in die Altstadt?

Beim Detaillistenverband Zentrum Aarau zeigt man sich erstaunt, dass der Rüeblimärt-Verein in diesem Jahr gar nicht erst das Gespräch mit den ansässigen Lädelibesitzern gesucht habe.

«Da ist es natürlich einfach, zu sagen, wir seien unkooperativ», sagt Präsident Stefan Jost. Als die Lädelibesitzer erfuhren, dass der Rüeblimärt gar nicht in die Altstadt kommt, bauten sie spontan von sich aus Stände vor ihren Geschäften auf – unabhängig vom Markt.

So zog es schliesslich doch noch viele Marktbesucher für einen Bummel in die Altstadt. Ob der offizielle Rüeblimärt allerdings wieder in die Altstadt zurückkehrt, ist ungewiss.

Zentrum-Aarau-Präsident Stefan Jost hält das jedenfalls für wünschenswert. «Der Markt wäre ein wichtiger Frequenzbringer für die Altstadtläden. Und auch die Besucher sollen sehen, dass Aarau nicht nur aus dem Graben und dem Schlossplatz besteht.»

Rüeblimärt-Vereinspräsident Walter Käser will eine Rückkehr in die Altstadt nicht ausschliessen. In einer ersten Phase werde der Markt 2016 auf die Laurenzentorgasse ausgeweitet. «Grundsätzlich können wir den Rüeblimärt auch wieder in der Altstadt machen», sagt Vereinspräsident Käser. «Aber dann muss es auch nach Rüeblimärt aussehen.»

Käser fordert deshalb mehr Kooperationswillen von den Aarauern: «Wenn wir 50 000 Leute ans Konzert bringen, müssen die Aarauer halt auch Musik machen auf der Bühne.»