Aarau
Rüeblibutter, Rüeblisirup und sogar Rüeblibratwurst! – Hier gibt es alles, was das Aargauer Herz begehrt

Bei idealem Wetter kamen gegen 45 000 Personen an den Rüeblimärt in Aarau. Die heimlichen Stars sind die Rüebli-Kunstwerke, über die sich die Besucher besonders freuen.

Deborah Onnis
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Impressionen vom Rüeblimärt 2016
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Impressionen vom Rüeblimärt 2016
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Impressionen vom Rüeblimärt 2016
Impressionen vom Rüeblimärt 2016

Impressionen vom Rüeblimärt 2016

Deborah Onnis

Rüeblibutter, Rüeblisirup und sogar Rüeblibratwurst! – Am Aarauer Rüeblimärt gibt es fast nichts, was es mit Rüebli nicht gibt. Und genau deshalb ist der Märt wohl so beliebt. Gegen 45'000 Besucher dürften ihn besucht haben. Um 9 Uhr haben die ersten ihre Runden am «Graben» bereits gedreht und schleppen schon volle Säcke mit. Wie zum Beispiel die 39-jährige Sibylle Hochstrasser aus Erlinsbach AG. Zusammen mit ihrer Mutter Susi Hediger schlendert die Dekorationsgestalterin durch die Stände, beide haben ein Riesen-Strahlen im Gesicht. «Dieser Mittwoch ist für uns heilig», sagt die Tochter. Dieses Jahr habe sie aus Zufall frei, «sonst nehme ich an diesem Tag extra frei.» Denn diese Marktatmosphäre sei einzigartig. Und dazu treffe man auch wieder auf Leute, die man sonst nicht oft sieht.

Für ihre Grosskinder hat die 66-jährige Susi Hediger runde orangene Rüebli der Sorte «der kleine Prinz» gekauft, «für zum echli knabbere». Diese Sorte habe sie jetzt zum ersten Mal gesehen. «Die haben mich gleich angemacht.»

Tatsächlich ist fast jeder Rüeblistand mit zusammengebastelten, lächelnden Gemüsefiguren verziert – Eyecatcher, die jeden Besucher in eine Rüebli-Gute-Laune-Stimmung bringen. «Wir haben bereits vor zwei Wochen mit den Vorbereitungen begonnen», erzählt Doris Stadelmann hinter dem Stand von «Natürlich Furrer». Und ja, sagt sie stolz, den lächelnden Kohlkopf habe sie selber gemacht.

Alte Sorten weckten Erinnerung

Die Rüebli-Kunstwerke sind die heimlichen Stars am Rüeblimärt. «Megaschön», schwärmt Susanna Gräpi (49) aus dem Zibelimäret-Dorf Oensingen SO. Sie ist zum ersten Mal am Rüeblimärt. In ihrer Einkaufstasche ist gefühlt jede farbige Rüeblisorte vertreten. «Jetzt probiere ich die mal aus und koche sie.» Fast noch mehr Freude hat sie an alten Obstsorten, die sie am Märt angetroffen hat. Wie die roten Äpfel «Berner Rose». Sie nimmt gleich einen aus der Tasche und strahlt «das sind meine Lieblingsäpfel und eine schöne Erinnerung aus der Kindheit.» Nächstes Jahr wolle sie wieder kommen. Die 44-jährige Renate Borner aus Oensingen kommt bereits seit Jahren an den Rüeblimärt. Jedes Jahr kauft sie die «sehr feine» Rüebliroulade. «Die findet man nur hier», sagt sie und freut sich über ihren Kauf. Dieses Jahr hat sie aber auch etwas ganz Spezielles gefunden: frischen Ingwer, an dem noch das grüne Kraut hängt. «Ich bin gespannt darauf.»

Aber nicht nur für die Besucher gehört der Rüeblimärt zu den Highlights im Jahr, sondern auch für einige Standbetreiber, wie die zwei Brüder Kuhn vom Sonnhaldenhof Wohlen. Lukas (28) und Florian (26) Kuhn waren schon als Buben hinter dem Stand am Rüeblimärt. Langweilig ist es ihnen nie geworden.

40 Liter Suppe vor 11 Uhr weg

«Wette Si noch chli Rahm drzue?», Florian Kuhn, der gelernter Koch ist, geht mit einem glücklichen Lächeln auf jeden Kunden ein. Und der gelernte Landwirt Lukas Kuhn packt den Kunden liebevoll das Brot in die Serviette. «Ich mag den Kundenkontakt», sagt er. Und an seinem Stand mag er die Rüeblisuppe am liebsten. «Si isch würkli mega fein und mega z’empfehle.»

Gestartet ist der Verkauf der Suppe auch gut: Um zirka 10 Uhr waren schon 40 der insgesamt 120 Liter Rüeblisuppe verkauft. Auch beim Stand der Metzgerei Berchtold aus Muhen verkauften sich die Rüeblibratwürste wie warme Weggli. Vor Mittag waren bereits hunderte Würste weg. Auch wenn sie mehr nach Bratwurst schmeckten als nach Rüebli.

Rüebli-Wissen: Fast wäre Ernte bachab gegangen

Wird 2016 eigentlich ein gutes Rüeblijahr? «Anfangs sah es nicht danach aus», sagt Suzanne Schnieper vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Der Frühsommer war zu nass. Besonders der Juni schien den Bauern einen Strich durch die Rechnung zu machen. «Die Rüebli, die jetzt geerntet werden, sind Lagerrüebli», sagt Schnieper.

«Sie werden normalerweise Ende Juni gesät. Oft auf Feldern, auf denen vorher Getreide stand, das man dieses Jahr wegen des Wetters eher später ernten konnte.» Wegen dieser Verspätung und wegen des schlechten Wetters war es nicht klar, wie gross die Rüebli bis im Herbst werden würden. Aber dank dem warmen September, so Schnieper, hätten die Rüebli wieder aufgeholt. «Es wird insgesamt wohl normale Mengen geben.»

Rüebli werden in zwei Kategorien eingeteilt: unter 200g pro Stück und darüber. Die grossen lassen sich als Industrierüebli für Rüeblisalat verkaufen. Einige Aargauer Betriebe bauen speziell diese grossen Rüebli an. Die Kultur ist praktisch gleich wie bei den normalen, allerdings sät man sie in grösserem Abstand aus und lässt sie allenfalls ein bisschen länger in der Erde, damit sie schön gross werden. (NRO)