Aarau
Rüebli, die einen vom Hocker hauen – So schön war der Rüeblimärt

Zum 34. Mal lud Aarau am Mittwoch zum Rüeblimärt. Besucher aus der ganzen Schweiz erfreuten sich an den verschiedenen Ständen und den kunstvoll drapierten Rüebli. Neu findet man sogar Rüebli-Schnaps. «Das haut einem vom Hocker.»

Marina Bertoldi
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Aarauer Rüeblimärt 2015: Die besten Bilder

Chris Iseli

Bereits morgens um 3.30 Uhr beginnen die ersten Verkäufer ihren Stand zu schmücken. «Der Rüeblimärt ist eine grosse Sache. Wir haben rund zwanzig Helfer organisiert», sagt Andrea Muntwyler-Morgenthaler vom Morgenthaler Gemüse in Hirschthal.

Tatsächlich: Drei Stunden später gibt es im Bus vom Bahnhof in die Altstadt nur ein Thema: der Rüeblimärt. In der hintersten Reihe werweisst man darüber, wann wohl die beste Zeit für einen Bummel ist.

Weiter vorne erzählt ein Mann, es gäbe jetzt sogar «Rüebli-Hotdogs». Nach 34 Jahren ist der Aarauer Rüeblimärt längst Kult geworden. Präsentiert werden Möhren in Hülle und Fülle. Zu entdecken gibt es aber am «schönschte Märt vom Johr» noch einiges mehr.

Wer den Rüeblimärt zum ersten Mal besucht, wird überwältigt von handgemachten Keramikschalen, Engeln aus Wolle, mit Hirse gefüllten Stillkissen, Blumengestecken, Guezli-Formen und «Gluschtigem» wie Bio-Forellen, Lebkuchen, Trockenfrüchten, Kürbissuppe und Käse.

«Wir sind extra von Deutschland an den Rüeblimärt gereist», sagt Barbara Disch. Am besten gefalle ihr die Dekoration. «Doch die muss man suchen. Es ist eine ‹Mordsdruckete›.»

Das sei letztes Jahr wegen des schlechten Wetters anders gewesen, erinnert Martin Moser. Er reist seit drei Jahren als Chauffeur eines Reiseunternehmens nach Aarau.

Dieses Jahr hätten sich vergleichsweise wenige Deutsche für die Reise nach Aarau angemeldet. «Normalerweise fahren wir mit zwei Cars. Heute sind nur 23 Leute mitgekommen», sagt Moser. «Wahrscheinlich wegen des starken Frankens», sagt Barbara Disch und beisst genüsslich in eine Rüebli-Bratwurst.

Die Wurst ist eine der zahlreichen Rüebli-Kreationen. Jedes Jahr lassen sich die Anbieter etwas Neues einfallen. Vom Steak über den Essig bis zur traditionellen Rüeblitorte ist alles dabei.

Neu findet man sogar Rüebli-Schnaps. «Es war ein Experiment», verrät Andrea Muntwyler. Den stärkeren Schnaps hat sie in kleine Zerstäuber gefüllt. «Man sprüht es über die noch warmen Rüebli. Das haut einen vom Hocker», verspricht Muntwyler.

Seit über 30 Jahren kommt ihre Familie an den Märt. Die Rüebli würden sie jeweils am Tag vorher austun und putzen. Dabei packe die ganze Familie mit an.

Rüebli dieses Jahr klein

Wieviel Zeit und Mühe hinter dem Rüeblimärt steckt, kann man als Besucher nur erahnen. Von Stress ist jedenfalls trotz Menschenmenge nichts zu spüren. «Mir gefällt vor allem die schöne, vorweihnachtliche Atmosphäre», sagt Brigitte Urech aus Unterentfelden. Sie komme wenn möglich jedes Jahr an den Rüeblimärt. «Schliesslich sind wir der Rüebli-Kanton», sagt Tochter Ramona.

Natürlich sind die Rüebli die Hauptattraktion. «Jedes hat seinen eigenen Geschmack», sagt Ernst Lässer. Idealerweise wiege ein Rüebli 80 bis 100 Gramm. Dieses Jahr sind die Karotten eher klein ausgefallen. «Wegen des trockenen Sommers», erklärt der Gemüsegärtner.

Am wenigsten hätte das Klima den Küttiger Rüebli anhaben können. «Sie sind noch näher am Wildrüebli und wurzeln tiefer als eine hochgezüchtete Karotte», sagt er.

Sein Liebling ist das Küttiger deshalb nicht. Zu entscheiden, welches das beste Rüebli ist, überlässt er seinen Kunden «Das muss man selber probieren», sagt Lässerr und streckt ein dunkles Rüebli entgegen.