Erlinsbach AG
Rote Köpfe in Erlinsbach: Rente mit 63 Jahren für alle Gemeindemitarbeiter?

Die Änderung des Personalreglements wirft in Erlinsbach AG hohe Wellen. Der Gemeinderat will den Mitarbeitenden der Gemeinde mit einer Übergansgsrente eine Pensionierung mit 63 Jahren ermöglichen. Abgestimmt wird am 22. September.

Hubert Keller
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Mit 63 Jahren bereits pensioniert: Eine Übergangsrente soll dies den Gemeindearbeitern in Erlinsbach AG ermöglichen.

Mit 63 Jahren bereits pensioniert: Eine Übergangsrente soll dies den Gemeindearbeitern in Erlinsbach AG ermöglichen.

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Bereits an der Gemeindeversammlung vom 14. Juni war die Debatte im aargauischen Erlinsbach kontrovers geführt worden. Damals wurde der Teiländerung des Personalreglements ziemlich knapp mit 65 zu 51 Stimmen zugestimmt.

Man war einverstanden damit, dass die Mitarbeitenden der Gemeinde die Möglichkeit erhalten, sich zwei Jahre früher – also bereits mit 63 – pensionieren zu lassen und in den verbleibenden zwei Jahren bis zum ordentlichen Pensionsalter eine Übergangsrente zu beziehen.

Bedingung wäre, dass der betreffende Mitarbeiter mindestens 15 Jahre bei der Gemeinde gearbeitet hat. Die Übergangsrente entspricht der maximalen AHV-Rente.

«Zu grosszügig», wurde bereits an der Gemeindeversammlung kritisiert. «In der Privatwirtschaft wäre eine solche Rente nicht denkbar.» Mit Erfolg ergriffen die Gegner denn auch das Referendum.

In den letzten Tagen sind im Dorf Flugblätter gestreut worden, deren anonyme Verfasser «jährlich wiederkehrende Mehrkosten von 1 404 000 bis 1 684 800 Franken» vorrechnen. Das Vertrauen eines grossen Teils der Bevölkerung in die Arbeit des Gemeinderates sei erschüttert, heisst es.

Marcel Notter, langjähriger Leiter der Abteilung Finanzen der Gemeinde, wehrt sich. Nicht in offizieller Funktion, sondern als Einwohner.

Die anonymen Absender des Flugblattes multiplizierten in unzulässiger Weise die Anzahl aller Angestellten mit den Bruttokosten der Übergangsrente. In Wirklichkeit würden jeweils nur einzelne Personen pensioniert.

«Mehrkosten lassen sich schwer beziffern», weiss auch der ehemalige Finanzchef.

Da eine jüngere Person, die für einen frühpensionierten Mitarbeiter eingestellt wird, in der Regel einen tieferen Lohn erhalte, sei es gut möglich, dass unter dem Strich keine Mehrkosten entstünden.

Gemäss dem noch immer geltenden Personalreglement treten die Angestellten der Gemeinde nach Vollendung des 63. Altersjahres in den Ruhestand.

Der Gemeinderat kann die Pensionierung auf Gesuch hin bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Alters aufschieben. Die BVG-Einrichtung der Gemeinde ist auf eine Pensionierung nach vollendetem 65. Altersjahr ausgerichtet.

Die Krux dabei ist: Bei einem vorzeitigen Ausscheiden reduzieren sich die Leistungen. Für die Zeit vom 63. bis zum 65. Altersjahr wird nämlich gemäss geltendem Reglement keine Leistung der Gemeinde als Arbeitgeberin (in Form einer Übergangsrente) ausgerichtet. Dies will der Gemeinderat mit der Revision des Personalregements ändern.

«Das Pensionsalter soll im Reglement auf das AHV-Alter gelegt werden, mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung», argumentiert der Gemeinderat und ist überzeugt: «Diese Regelung ist zeitgemäss, auch im Vergleich mit anderen Gemeinden.»

Es könne ja auch von Vorteil sein, wenn Stellen mit jüngeren Leuten besetzt werden könnten, vor allem bei Jobs, die körperlich anstrengend sind.

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