Aarau

Roman Signer feiert ein Kajak-Jubiläum

Er ist einer der wichtigsten lebenden Schweizer Künstler. In Aarau fand die 20. Wasserung seines Kajaks statt.

Diesen Sonntag wird er 81-jährig: Roman Signer gilt als einer der bedeutendsten europäischen Künstler der Gegenwart. In Aarau präsent ist der Ostschweizer nicht nur im Aargauer Kunsthaus, das in den letzten Jahren einige seiner Werke gesammelt hat, sondern auch an zwei Orten im öffentlichen Raum.

Seit 2016 baumeln unter der Affiche «Durchzug» seine Ventilatoren im Bahnhof und werden von den durchbrausenden Zügen in Schwingung versetzt. Schon seit 1998 hängt sein knallrotes Plastik-Kajak in der Holzrinne des dort in die Tiefe stürzenden Stadtbachs im Hof des «Roschtigen Hunds» – des Landjägerwachthauses. Jedenfalls im Sommer, im Winter wird es auf dem Estrich verstaut, weil die ersten Winter dem Boot zusetzten und dieses schon 2000 ersetzt werden musste. Jedes Jahr wird es im Rahmen eines geselligen Anlasses neu gewassert. Am Donnerstag war dies zum 20. Mal der Fall.

Dank einem Nein des Stadtrats

Alt Stadtrat Carlo Mettauer, der letzte Präsident der aufgelösten Landjägerwachtkommission, kümmert sich um den Anlass. Die Wasserung, sagte er am Donnerstag, sei zu einem Ritual geworden, das aus dem Kalender nicht mehr wegzudenken sei. Er erinnerte daran, dass das Landjägerwachthaus 1994/95 umfassend umgebaut wurde. Der Wettbewerb Kunst und Bau endete damit, dass der Stadtrat verfügte, das Siegerprojekt mit der roten Decke im Obergeschoss dürfe nicht ausgeführt werden. In der vom heutigen Regierungsrat Urs Hofmann präsidierten Baukommission sei man ein wenig ratlos gewesen, erzählte Mettauer. Ein Jahr lang passierte nichts, aber die 25 000 Franken waren noch da. Beat Wismer, 1985–2007 Direktor des Aargauer Kunsthauses, schlug dann vor, Roman Signer zu fragen, ob er eine Idee hätte. Ein paar Monate später präsentierte Signer Skizzen. Carlo Mettauer: «Wir dachten, damit kämen wir beim Stadtrat ganz schräg rein, doch der Antrag ging kommentarlos durch.» Seither ist das Kajak da, «eine Kunstintervention», so Mettauer, «die wir in Aarau aus dem öffentlichen Raum nicht mehr wegdenken möchten». Es sei ein Werk «voller Humor, skurril, banal, aber nicht zufällig».   

Drittes Signer-Objekt geplant

Geplant ist in Aarau inzwischen ein drittes Signer-Werk im öffentlichen Raum. Es seien Begehungen erfolgt, sagte Mettauer. Die Projektskizze des Künstlers soll bis zum September vorliegen. Die Standortsuche konzentriert sich auf den Raum Behmen.

Zum 20. Mal war der Künstler bei der Wasserung zugegen. Als er das Wort erhielt, entnahm er einer Kiste das Mittelstück eines Kajaks, legte es auf den Boden, stieg wortlos hinein, stand wieder auf. Noch immer schweigend. Applaus.

Zehn Mini-Kajaks geschaffen

Zum Jubiläum hat Roman Signer eine Edition von 10 kleinen Kajaks geschaffen (kleines Bild). Die rund 30 Zentimeter langen Einzelstücke, sind von Hand angefertigt, rot bemalt, signiert und nummeriert. Mettauer nannte einen Subskriptionspreis von 3500 Franken. Der Reinerlös soll in eine Publikation zur Geschichte der Wasserung fliessen. Mit dieser soll noch 2019 begonnen werden. 5000 Franken haben dafür die Ortsbürger lockergemacht.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1