Als Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz macht Daniel Lüscher zurzeit strube Zeiten durch. Als CEO von Raiffeisen Aarau-Lenzburg steht ihm ein Höhepunkt bevor. Am kommenden Wochenende gibts ein Treffen mit seinen Genossenschaftern. Nicht an einer Mitgliederversammlung – diese hat die Raiffeisenbank Aarau-Lenzburg aufgrund ihrer Grösse längst zugunsten des Delegiertensystems abgeschafft. Stattdessen setzt sie alle drei Jahre auf Mitgliederevents. Dieses Jahr im Rahmen des 112. Kantonalschwingfests in Aarau Rohr.

Anfang Jahr haben alle 21'000 Mitglieder eine Einladung dazu erhalten. «Es sind rund 2500 Anmeldungen eingegangen», sagt Daniel Lüscher. «Davon 300 für die öffentliche Stubete am Samstagabend und 2200 für den Kantonalschwinget am Sonntag.» Dort gibt es für die Raiffeisen-Genossenschafter verschiedene Mitgliederangebote, mal mit Schwingerzmorge, mal mit Bankett.

Einen Rahmen von bis zu 3000 Raiffeisen-Anmeldungen hatte Lüscher gesetzt, dass es jetzt ein paar weniger sind, stört ihn nicht: «Der Zuspruch unter den Mitgliedern war dem hochattraktiven Anlass entsprechend gross. Wir werden am Sonntag etwa die Hälfte der Zuschauer stellen können, und darauf sind wir extrem stolz.»

Alte Schulfreunde

Wie kam es überhaupt zu dieser Kooperation? Durch das gute alte «Vitamin B». Peter Meyer, Vater von Jungschwingern und im Schwingfest-OK, sitzt auch im Raiffeisen-Verwaltungsrat. Und mit OK-Präsident Beat Bolzhauser hat Daniel Lüscher einst in Aarau die Schulbank gedrückt. «Wir kamen ins Gespräch über das geplante Schwingfest und ich dachte mir: Doch, das könnte eine glatte Sache geben.»

Raiffeisen unterstütze lieber einen Anlass, als ihn selber zu organisieren, so Lüscher weiter. Es sei eine Win-win-Situation: «Wir bringen dem Schwingfest Zuschauer und beteiligen uns finanziell – und das Schwingfest ist ein schöner Rahmen für unser Mitgliederfestival.»

Daniel Lüscher ist selber übrigens kein Schwinger, auch wenn er, auf dem Bauernhof aufgewachsen, mit der Szene «nicht ganz unvertraut» ist. Nur grosse Tiere wie den Siegermuni «Urner» möge er nicht besonders, weshalb er froh ist, dass Regierungsrat Alex Hürzeler diesen dem Sieger übergeben werde. Viel lieber ist Lüscher da ein anderer Muni: ein handgeschnitzter vom Safenwiler Holzkünstler Lukas Senn. Die 240 Kilo schwere Skulptur aus Lindenholz wird am Schwingfest zugunsten der Nachwuchsabteilung des Schwingclubs Aarau versteigert.

Aufbau in vollem Gang

Seit Samstag arbeiten bis zu 80 Personen täglich am Aufbau der Schwingfest-Infrastruktur auf der Wiese bei der Rohrer Schulanlage. Am Freitagmittag muss alles fertig sein. Alleine die Schwingerarena hat Platz für 5500 Zuschauer, das Festzelt für 2000. Der selbstständige Unternehmer Andi Schumacher, ein ehemaliger Kranzschwinger, hat als Schwingfest-Bauchef die Fäden in der Hand.

Es gibt vier gedeckte Haupttribünen. OK-Präsident Beat Bolzhauser konnte vermelden, dass nur noch wenige gedeckte Sitzplätze frei sind. Man ist zuversichtlich, dass die erwartete Zahl von 5000 Zuschauern erreicht wird – am Wetter dürfte es nicht scheitern, es wird am Wochenende um die 25 Grad warm und nur leicht bewölkt sein.

Während des dreitägigen Schwingfests (Budget: über eine halbe Million Franken) sind 350 Helfer im Einsatz. Das Festgelände erstreckt sich auf einem Areal von über zwei Hektaren, dazu kommen drei Hektaren für Parkplätze. «Alleine für die Tribünen wird über 300 Tonnen Material angeliefert und aufgebaut», erklärt Andi Schumacher. Schwingfeststimmung kommt ab heute Donnerstag auf, wenn 100 Kubikmeter Sägemehl für die vier Schwingplätze ausgeleert werden.

Auf die 150 angemeldeten Schwinger – 7 Nordwestschweizer «Eidgenossen», 47 weitere Kranzschwinger – wartet als Lohn für ihre Arbeit im Sägemehl ein Gabentempel im Wert von 100 000 Franken. Siegerpreis ist der original Braunviehstier «Urner», weitere Lebendpreise sind das Holstein-Rind «Calida», das Freiberger-Fohlen «Don Felipe» und Braunviehkalb «Stefi».

Siegen wollen unter anderem die fünf Aargauer «Eidgenossen»: Nick Alpiger, Christoph Bieri, Patrick Räbmatter, David Schmid und Mario Thürig. Vorjahressieger Bruno Gisler und starke Innerschweizer Gäste vom Schwingerverband am Rigi stellen sich den Gastgebern beim Kampf im Sägemehl entgegen.