Lostorf

Roger Bernet: «Wir können auch zehn Jahre warten»

Roger Bernet, CEO der Aqua-Spa-Resorts AG. Bruno Kissling

Roger Bernet, CEO der Aqua-Spa-Resorts AG. Bruno Kissling

Am Dienstag hat die Aqua-Spa-Resorts AG bekanntgegeben, das Projekt eines Waldbades in Lostorf vorläufig nicht weiterzuführen. CEO Roger Bernet gibt nicht auf.

Für die Realisierung des Projekts Thermalbad & Spa Lostorf sind in den vergangenen Jahren viele Altlasten abgearbeitet und ein völlig neues Projekt erarbeitet worden. Eine erste Baueingabe im Frühjahr 2011 wurde auf Grund von verschiedenen Einsprachen zurückgezogen. In den vergangenen Monaten wurden die Dienstbarkeiten mit den Stockwerkeigentümern des angrenzenden Kur- und Wohnhauses inhaltlich und juristisch überarbeitet. Weil bis Ende Jahr ein Drittel der Wohneigentümer die Unterschrift verweigert, können diese nicht umgesetzt werden (az Aargauer Zeitung von gestern). CEO Roger Bernet legt deshalb seine Pläne in Lostorf vorläufig auf Eis.

Herr Bernet, was heisst «vorläufig»? Was muss geschehen, dass Sie in Lostorf wieder aktiv werden?

Roger Bernet: Die Antwort ist ganz einfach und auch banal: Es ist an den Stockwerkeigentümern des Kur- und Wohnhauses, die Dienstbarkeitsverträge zu unterschreiben. Vorher geschieht nichts.

Gemeindepräsidentin Ursula Rudolf würdigt in der gestigen az Ausgabe Ihren Durchhaltewillen. Wie lange können und wollen Sie denn noch durchhalten?

Wir können fünf oder auch zehn Jahre warten.

Und inzwischen verrotten die Gebäude und verlieren an Wert.

Das Bad, das nunmehr seit zehn Jahren nicht mehr betrieben wird, hat keinen Wert mehr, den es zu erhalten gäbe. Das Gebäude ist ausgeräumt – keine Leitung, kein Filter, keine Lüftung, die wir unterhalten müssten. Und die Betonhülle ist in zehn Jahren noch immer eine Betonhülle.

Können Sie es sich wirklich leisten, dass das Bad im schlimmsten Fall viele weitere Jahre brach liegt?

Wir können es uns leisten, haben aber auch gar keine andere Wahl.

Sie könnten das Bad abstossen.

Das Bad Lostorf ist nicht verkäuflich, und zwar aus dem einfachen Grund, weil Sie keinen Investor dafür finden. Es ist unverkäuflich, solange die Dienstbarkeiten zwischen den Wohneigentümern und dem Eigentümer des Bads nicht klar geregelt sind. Solange sind die Unsicherheiten für einen Investor zu gross. Lassen Sie mich klarstellen: Wir würden das Bad gern realisieren, aber wir können nicht.

Auch frühere Eigentümer sind in Lostorf gescheitert, einer um den andern ging Konkurs.

Die früheren Investoren versuchten ihr Glück nur mit diesem einen Bad, das schon damals veraltet war. Sie investierten in teure Technik, von welcher der Gast nichts hatte, und beschränkten sich im Übrigen notgedrungen auf Pinselsanierungen. Es war wohl in den meisten Fällen der hilflose Versuch, etwas zu retten, was so nicht zu retten war.

Und in ein solches Bad würden Sie 30 Mio. investieren?

30 Millionen, weil es diese braucht, um ein neues Bad mit neuem Konzept, neuen Angeboten und neuen Gästen zu realisieren. Was das Bad früher anbieten konnte, war gesundes Wasser, das zu warm war zum Schwimmen und zu kalt zum Entspannen. Das genügt nicht.

Die Aqua-Spa-Resorts AG betreibt bereits vier Bäder, zwei weitere stehen vor der Realisierung. Sie wollen ihre Kräfte nun auf diese konzentrieren.

Unbedingt. Wir betreiben Bäder in Bern, Schönbühl, Samedan und Zürich. Am 2. Juli dieses Jahres eröffnen wir das Mineralbad & Spa Rigi Kaltbad von Mario Botta. Demnächst beginnen wir mit dem Bau für die zweite Etappe des Lido & Spa Locarno.

Mit dem nötigen wirtschaftlichen Erfolg?

Wenn wir nicht Erfolg hätten, könnten wir nicht weitermachen. Wir sind sehr zufrieden.

Es gibt so viele Bäder, die nicht rentieren, wie andere.

Konzept und Angebot müssen stimmen, dann ist ein erfolgreicher Badbetrieb möglich. Aber, es ist so, der Schweizer Markt hat seine Grenzen, das Marktpotenzial ist nicht unbegrenzt. Es verträgt vielleicht noch eine bis zwei solcher Anlagen.

Und ausgerechnet in Lostorf sind die Marktchancen intakt?

Natürlich fehlt die grössere Agglomeration in der Nähe. Der Schweizer denkt kleinräumig, er ist nicht bereit, für Wellness längere Fahrten auf sich zu nehmen. Doch zwischen Aarau und Bern gibt es kein Bad dieser Art. Wir glauben an die Idee des Waldbads in Lostorf und würden es sehr gerne realisieren.

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