Jetzt ist denifinitiv, was Rockwell (ehemals Sprecher + Schuh) im Herbst 2017 vorangekündigt hat. Wie die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz und die «NZZ» berichten, wird der US-Industriekonzern Rockwell die Produktion von Systemen für die Motorensteuerungen bis Ende 2021 schliessen. Es werden 250 Stellen von Aarau vor allem nach Polen (Katowice), aber auch nach China und in die USA verlagert.

Die gute Nachricht für den Arbeitsplatz Aarau: Etwa 200 der aktuell 470 Stellen bleiben erhalten. «Nicht betroffen von der Einstellung der Fertigung sind die Entwicklungslabors von Rockwell sowie Tätigkeiten in der Verwaltung, im Verkauf und im Kundenservice», schreibt die «NZZ».

Laut Werksleiter Martin Buchmann stand, so die «NZZ», das Unternehmen vor der Frage, wo es seine neu entwickelte Palette an Motorensteuerungen in der gewünschten Qualität sowie zu attraktiven Kosten fertigen könne. «Der Schweizer Standort war bei den Berechnungen offenbar nicht imstande, mit dem Niveau von Polen mithalten, obwohl in den vergangenen Jahren stark in die Automatisierung in Aarau investiert worden war», schreibt die «NZZ».

Scharfe Kritik

Dem widerspricht die Arbeitgeberorganisation Angestellte Schweiz: Der Verband kann «das Motiv der Kostenwettbewerbsfähigkeit nicht nachvollziehen». «Der Schweizer Standort ist nämlich produktiv und gewinnbringend.», so der Arbeitnehmerorganisation. «Ausserdem hat das Unternehmen seinen globalen Gewinn deutlich gesteigert.» Der Verband werde den Verdacht nicht los, dass auf dem Buckel der Angestellten lediglich die Rendite maximiert werden solle. «Das Schicksal der dabei auf der Strecke bleibenden Arbeitskräfte ist ungewiss.»

Ein weiterer Grund für den Stellenabbau liege in veralteten Produkten. Dieser Missstand habe schon 2017 bestanden. «Leider kam der Schweizer Standort bezüglich der Modernisierung des Produkteportfolios nicht zum Zug – obwohl wir ein führendes High-Tech-Land sind», sagt Korab Macula, Rechtskonsulent der Angestellten Schweiz.

Aktuell läuft ein knapp einmonatiges Konsultationsverfahren mit den Sozialpartner. Die Arbeitnehmerorganisation fordert das Management von Rockwell auf, «alle Möglichkeiten zu prüfen, um den Produktionsstandort und damit so viele Stellen wie möglich in der Schweiz zu sichern». Werksleiter Buchmann erklärte der «NZZ», die Firma werde sich an einen bestehenden Sozialplan halten, der besondere Regelungen für Mitarbeiterinnen ab 59 und männliche Angestellte ab 60 vorsehe.

Fabrik steht neben Stadion

Rockwell hat in den Neunzigerjahren schrittweise Teile der damaligen Traditionsfirma Sprecher + Schuh übernommen. Das Aarauer Unternehmen war damals nicht mehr in Topform. Mit der Schliessung der Produktion gehe eine knapp 120-jährige Tradition zu Ende.

Die Rockwell-Fabrik befindet sich an guter Lage zwischen dem eben eröffneten Aeschbach-Areal und dem geplanten Stadion Torfeld Süd. Die Immobilien gehören der börsenkotierten Mobimo AG. Diese hatte angekündigt, man werde die Weiterentwicklung des Areals angehen, sobald die Rockwell ihre künftigen Raumbedürfnisse definiert habe. Eines der jetzt leer werdenden Gebäude steht unter teilweisem Schutz. (uhg)