Aarau

Ringier-Bildarchiv: Sieben Millionen Bilder, die uns prägten

Besucher erhalten Einblick in die umfangreichen Archivbestände. (fmü)

Ringier-Bildersammlung

Besucher erhalten Einblick in die umfangreichen Archivbestände. (fmü)

Vor etwas mehr als einem Jahr erhielt das Staatsarchiv Aargau einen grossen Bilderschatz: das ehemalige Ringier-Bildarchiv. Dieses war zum ersten Mal öffentlich zugänglich.

An der Laurenzenvorstadt 87 sind noch nicht alle Schachteln des grössten Schweizer fotografischen Bildarchivs ausgepackt - trotzdem erhielt die Bevölkerung am Mittwochabend zum ersten Mal Zugang zu den Beständen. Fotohistorikerin und Projektleiterin Nora Mathys führte interessierte Besucher durch die Archivräumlichkeiten. Unter anderem zeigte sie dabei spannende Auszüge über die italienischen Gastarbeiter.

«Ringier verpasste der Schweizer Geschichte ein Gesicht», kommentierte Mathys den Bestand, der zwischen 1930 bis 1995 angelegt wurde. Dieses «Gesicht» stand kürzlich vor einer unsicheren Zukunft: Ringier wollte das Archiv nicht weiter unterhalten, mit der «digitalen Wende» der 90er-Jahre hatte die Digitalfotografie die analoge abgelöst.

Kanton Aargau rettete die Bilder

Der Kanton Aargau sprang ein, indem er die Bestände übernahm. Bestände, die in einem fünfjährigen Projekt evaluiert, für die Nachwelt erhalten und der Forschung zur Verfügung gestellt werden sollen. Momentan werden dafür etwa 300 Stellenprozente aufgewendet. Dazu
Mathys: «Die systematische Erschliessung aller Fotos wäre ein Generationenprojekt und damit nicht finanzierbar». Der Bestand ist von nationaler Bedeutung - deckt er doch unzählige Themen ab, von Politik über Sport und Showbusiness, bis hin zu Kultur und Alltagsthemen. Entstanden sind Aufnahmen für den «Blick» sowie 20 weitere Magazine.

Tag des audiovisuellen Kulturgutes

Passenderweise fand die erstmalige Öffnung des Archivs am Unesco-Welttag des audiovisuellen Kulturgutes statt. Dem Archivrundgang folgte eine Podiumsdiskussion: Am Beispiel von Archivfotos von italienischen Gastarbeitern in den 60er- und 70er-Jahren wurde diskutiert, wie Fotos auf uns wirken und nachwirken. Welche Bilder von den Italienern sahen wir in den Medien und was ist heute davon in unseren Köpfen geblieben?

Der Unesco-Tag soll das Bewusstsein für unser audiovisuelles Erbe erweitern. Historische Bilder tragen ihren Teil zur Bildung von nationalen Identitäten bei. Im digitalen Zeitalter müssen Aufnahmen wie zum Beispiel die Ringier-Bestände gesichert werden.

Diese Sicherung ist zwar vorerst geglückt. Die Lagerung an der Laurenzenvorstadt 87 ist aber nur eine Zwischenlösung. Was nach dem fünfjährigen Projekt mit den Bildern passiert, ist momentan noch offen. Entscheiden wird die Politik, wie Mathys erklärt: «Unsere Horrorvariante ist, dass nach fünf Jahren alles weggeworfen wird. Im besten Fall aber erhalten wir ein eigenes Gebäude, wo die Fotos unter Idealbedingungen gelagert werden können. Die Suche nach weiteren Trägerschaften läuft.»

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