Junior-Kunstpreis
«Riesenburger» gewinnt in Aarau den Junior-Kunstpreis

An der Verleihung des Junior-Kunstpreises in Aarau konnten die Kinder mit Künstlern über deren Werke sprechen. Der erste Platz ging dabei an den «Riesenburger» von Marc Hartmann und Philipp Hänger.

Fabio Baranzini (Text und Fotos)
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Junior-Kunstpreis-Sieger Marc Hartmann aus Aarau erklärt den Kindern sein preisgekröntes Werk «Nature’s Finest».

Junior-Kunstpreis-Sieger Marc Hartmann aus Aarau erklärt den Kindern sein preisgekröntes Werk «Nature’s Finest».

Die Stimmung ist düster, der Raum nur spärlich beleuchtet. Schemenhaft sind auf der rechten Seite einige Stühle und ein Tisch zu erkennen. Diese ein wenig verschwommene Szenerie ist auf dem Gemälde des Suhrers Oliver Krähenbühl zu erkennen, das im Parterre des Aargauer Kunsthauses ausgestellt ist.

Krähenbühl, ein Mann mittleren Alters, steht neben seinem Werk. Vor ihm haben sich fünf Mädchen, keine älter als zwölf Jahre eingefunden. Aufmerksam lauschen die Mitglieder des Junior-Kunstvereins den ausführlichen Erklärungen und Beschreibungen von Krähenbühl. Die fünf Mädchen stellen Fragen und erzählen, was ihnen beim Betrachten des Bildes durch den Kopf geht.

Preis zum dritten Mal vergeben

Oliver Krähenbühl ist einer von 69 Aargauer Künstlern, die im Rahmen der Ausstellung «Auswahl 11» ihre Werke im Aargauer Kunsthaus präsentieren. Auserwählt wurden die rund 300 Werke von einer Jury, aus Vertretern des Aargauer Kuratoriums und des Aargauer Kunsthauses.

Am vergangenen Samstag, dem zweitletzten Ausstellungstag, fand zum dritten Mal die Verleihung des Junior-Kunstpreises statt. Dabei machten sich die Mitglieder des Aargauer Junior-Kunstvereins auf die Suche nach ihrem Lieblingswerk aus der «Auswahl 11» und kürten den Sieger des Junior-Kunstpreises.

Gegenseitiges Interesse

Bei der Wahl müssen sich die jungen Ausstellungsbesucher nicht nur auf ihren Geschmack verlassen, sondern können auch auf die Hilfe der ausstellenden Künstler zählen. Siebzehn von ihnen sind anwesend und stehen den Kindern und Jugendlichen Rede und Antwort.

Der Aarauer Künstler Lorenz Schmid gibt dem jungen Publikum Auskunft darüber, wie seine Installation entstanden ist, wie sie funktioniert und woher er seine Ideen nimmt. Für Schmid ist es das erste Mal, dass er seine Arbeiten Kindern und Jugendlichen näherbringen kann: «Es ist interessant, welche Fragen die Kinder stellen und was sie sich beim Betrachten überlegen.»

Vor seinem Werk, einem überdimensional grossen Burger mit Pommes frites aus Styropor , den er gemeinsam mit seinem Kollegen Philipp Hänger erschaffen hat, sitzt Marc Hartmann. Der gelernte Koch aus Aarau hat in den Gesprächen ähnliche Erfahrungen gemacht wie Schmid. «Die Kinder äussern ihre Meinung unverfälscht und entwickeln eigene Geschichten zu den Werken.

Das Interesse am Austausch beruht auf Gegenseitigkeit. Fast alle Anwesenden nutzen die Gelegenheit, sich mit den Künstlern zu unterhalten. «Es ist interessant zu hören, was hinter dem Bild steckt, wie es entsteht und welche Gedanken sich die Künstler gemacht haben», meint der 13-jährige Matthias Zinniker.

Hartmann und Hänger siegen

Nach gut einer Stunde sieht man immer mehr Kinder und Jugendliche mit goldenen Zetteln in der Hand durch die Ausstellungsräume laufen. Die Zeit ist gekommen, um dem Lieblingskunstwerk die Stimme zu geben. Den Künstlern werden die letzten Fragen gestellt, die Bilder werden noch einmal eingehend betrachtet und dann werfen die Mitglieder des Junior-Kunstvereins den ausgefüllten Wahlzettel in die Urne.

«Es ist spannend und überraschend zu sehen, was den Kindern und Jugendlichen gefällt», meint Franziska Dürr, Leiterin der Kunstvermittlung des Aargauer Kunsthauses und Verantwortliche des Junior-Kunstvereins. Letztes Jahr hätten die Kinder ein Schwarz-Weiss-Werk gewählt, von dem die Erwachsenen nicht erwartet hätten, dass es den Kindern gefällt, sagt Dürr. Die diesjährige Wahl kam weniger überraschend. Der «Riesenburger» von Marc Hartmann und Philipp Hänger, der von den Kindern und Jugendlichen oft betrachtet wurde, holte den ersten Platz.