Der heute 36-jährige Serbe kam vor vier Jahren beim «Apfelrechner»-Prozess zu zweifelhafter Bekanntheit. Der Name erklärt sich über seinen damaligen Internetshop Apfelrechner GmbH. Auf der Auktionsplattform Ricardo hatte er für den bis dahin grössten Betrugsfall in der Ricardo-Geschichte gesorgt.

642 Personen hatte der Betrüger von Juni 2005 bis zu seiner Verhaftung im Januar 2007 übers Ohr gehauen. Die Geschädigten verloren insgesamt 1,265 Millionen Franken. Mehrere Dutzend von ihnen nahmen am Prozess am 3. März 2010 teil. Das Interesse an der Verhandlung war so gross, dass das Aarauer Bezirksgericht in den Grossratssaal zügelte. Auch das hatte es bis dahin noch nicht gegeben.

Der Betrüger hatte den Geschädigten via Internet-Auktionsplattform Ricardo.ch Apple-Computer zu unschlagbaren Konditionen verkauft, wie die az damals berichtete. Seine Verkaufspreise lagen im Schnitt um 25 Prozent unter dem Einkaufspreis. Mit den Vorauszahlungen der Kunden kaufte er jeweils weitere Computer – so hielt er sein Schneeballsystem am Leben.

Das Minus wollte er langfristig mit einem gewinnträchtigen Service-Abo wettmachen. Doch dafür interessierten sich seine Kunden nicht. Nach anderthalb Jahren ging ihm das Geld für neue Geräte aus. Bis dahin hatte er bei seinen Lieferanten Waren im Wert von über 3 Millionen Franken bezogen.

Der Betrüger leistete sich einiges

Und er brauchte die Einnahmen keineswegs nur, um neue Ware zu kaufen, sondern auch für private Zwecke. So besass er fünf Autos, ein 1.-Klass-Generalabo und ein Ladenlokal in Aarau, das er erst noch einer Kollegin gratis zur Verfügung stellte. «Ich hatte den Wunsch, gross herauszukommen», sagte er an der damaligen Verhandlung. Und: «Ich bin einer Versuchung erlegen.»

Das Bezirksgericht sprach ihn schuldig, das Obergericht als nächste Instanz ebenso: 32 Monaten Gefängnis erhielt er, 20 Monate davon bedingt. Ab Januar 2011 verbüsste er seine Strafe in einem Schweizer Gefängnis. 

Sieben Jahre zuvor war er schon einmal verurteilt worden. Auch damals hatte er schon viaInternet-Auktionen Mobiltelefone verkauft, die er dann nicht lieferte. Er erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Tagen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Es folgte eine ausländerrechtliche Verwarnung. Das war quasi die letzte Verwarnung.

An Heiligabend in die Schweiz

Wegen des folgenden Millionenbetrugs wies ihn das Aargauer Amt für Migration und Integration anschliessend aus der Schweiz weg. Seine Beschwerde dagegen wies das kantonale Verwaltungsgericht im August 2013 ab. Das Bundesgericht hat nun die darauf folgende Beschwerde ebenfalls abgeschmettert und die Ausweisung bestätigt.

Der 36-jährige Serbe muss damit die Schweiz nach 23 Jahren verlassen. An Heiligabend 1991 war er eingereist und hatte im Rahmen eines Familiennachzugs seiner Mutter die Aufenthaltsbewilligung erhalten. Das Bundesgericht weist in entsprechenden Urteilsbegründungen jeweils darauf hin, dass eine Ausweisung bei einem solch langen und ununterbrochenen Aufenthalt eines Ausländers gute Gründe vorliegen müssten. In diesem konkreten Fall begründet es das Urteil damit, dass die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden kann, wenn der Ausländer zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr verurteilt worden ist.

In diesem Fall überwiege das öffentliche Interesse angesichts der Schwere des Delikts und des gravierenden Verschuldens gegenüber den privaten Interessen und den Nachteilen für die Familie. Der 36-Jährige sei aber auch nicht überdurchschnittlich integriert und verfüge über keine berufliche Ausbildung. Und ihn drücke – wegen seiner Betrügereien – eine Schuldenlast. Weiter sind bei der Rückkehr nach Serbien, so das Bundesgericht, auch keine unüberwindbaren Probleme für den kinderlosen Beschwerdeführer, der eine Schweizer Freundin hat, zu erwarten. Zumal er die Heimatregion aus der Kindheits- und Jugendzeit kennt. Die Rückkehr sei also «nicht unzumutbar».