Aarauer Bahnhofsdrama

Retter: «Ich bin kein Held. Ich habe nur mein Bestmögliches getan»

Nach dem Zugunglück von Aarau hat sich erstmals der Mann, der Christian H. aus Schinznach retten wollte, zu Wort gemeldet. Dass es ihm nicht gelang, das Opfer von den Gleisen zu ziehen, trifft ihn schwer.

Er riskierte für Christian, der am vergangenen Samstagabend auf dem Gleis vier in Aarau unter den Zug kam, sein Leben. Mit viel Mut hatte er versucht, den 17-jährigen Christian H. aus Schinznach-Dorf von den Gleisen zu ziehen. Doch es gelang ihm nicht. «Das trifft mich sehr», sagt der Mann gegenüber «Blick».

Gemeinsam mit seiner Freundin wollte der aus Biel stammende Retter am Samstagabend in Aarau umsteigen, um aus Baden nach Hause zu kommen, als die beiden den laut Kantonspolizei betrunkenen Christian H. am Boden liegen sahen. Er fragte ihn, ob alles gut sei. Doch Christian wollte nach Hause, schüttelte den Retter immer wieder ab und lief auf die Gleise. Der Retter versuchte ihn wegzuzerren. Doch es war zu spät: Aus der Dunkelheit kam ein Intercity angebraust und erwischte den 17-Jährigen frontal.

Seinen Mut, den 17-Jährigen retten zu wollen, bezahlte der Retter mit einem mehrfachen Schädelbruch, wie der Regionalsender Tele M1 am Montag berichtete. Der Retter wurde vom herannahenden Zug selbst nicht erfasst. Doch die Druckwelle des Zuges hat ihn weggeschleudert.

«Ich musste alles mitansehen, der Unfall, und wie mein Freund durch die Luft geflogen ist. Es ist das Schlimmste, was ich je erlebt habe», sagt die Freundin des Retters. Diese Szenen dürften die beiden nie vergessen können. «Ich hielt Christians Arm, als ihn der Zug erfasste», erinnert sich der Mutige. Er sieht sich selbst nicht als Held. «Ich habe einfach mein Bestmögliches getan.»

Die Familie des Getöteten weiss dies offenbar zu schätzen: Der Vater von Christian H. besuchte den Bieler in den vergangenen Tagen im Spital und bedankte sich für seinen Mut. (sha)

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