Erlinsbach
Reservat für grossherzige Bäume: Im Buchwald haben jetzt Eichen Priorität

Auf 220 Hektaren haben im Buchwald jetzt Eichen Priorität. Die Gemeinden Küttigen und Erlinsbach haben mit Vertretern vom Kanton zwei entsprechende Verträge unterzeichnet.

Sabine kuster
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Vertragsunterzeichnung vor der grossen Eiche: Marcel Murri, Abteilung Wald, mit den Erlinsbachern Markus Lüthi, Gemeindeammann, und Bruno Vogel, Gemeindeschreiber (v.l.). Rechts: Initiant Kurt Roth. kus

Vertragsunterzeichnung vor der grossen Eiche: Marcel Murri, Abteilung Wald, mit den Erlinsbachern Markus Lüthi, Gemeindeammann, und Bruno Vogel, Gemeindeschreiber (v.l.). Rechts: Initiant Kurt Roth. kus

So alt ist die Eiche, dass sie wohl Napoleon in der Ferne habe vorbeigaloppieren hören. Über 200 Jahre alt. Das sagt Kurt Roth, Revierförster im Forstbetrieb Jura. Von allen 1167 Eichen im Wald zwischen Erlinsbach und Küttigen ist der mächtige Baum Kurt Roths Lieblingseiche. Er kennt sie, seit er hier 1967 die Forstwartlehre gemacht hat.

Rund um «seine» Eiche liegt nun das Eichenwaldreservat Buchwald. Gestern haben die Gemeindeammänner und Gemeindeschreiber von Küttigen und Erlinsbach zusammen mit den Vertretern vom Kanton (Staatswald) dazu zwei Verträge unterzeichnet: Auf 220 Hektaren (2,2 km2) Waldgebiet werden Eichen speziell angepflanzt und gepflegt, pro Jahr dürfen nur acht gefällt werden.

Warum? «Diese Eiche kann gut 300 Jahre alt werden», sagt Kurt Roth, «man tut einen Menschen doch auch nicht im besten Alter ab.» Ausserdem schützten Eichen vor negativen Einflüssen. Wissenschaftlich belegen könne er das nicht, aber man spüre es, sagt er und klopft auf seine Brust.

Er sagt auch, die Eiche sei grossherzig und habe die Buche gleich daneben toleriert. Eher war es allerdings so, erklärt er später auf einem Streifzug durchs Reservat: Die Eiche ist trotz der Buche gross und stark geworden. Bis Eichen tief verwurzelt und mächtig verzweigt sind, müssen sich die Lichtbedürftigen erst gegen viele andere Waldbewohner behaupten – schneller wachsende Buchen eben oder gefrässige Rehe.

Dass Eichen nun in Reservaten besonderen Schutz geniessen, ist nicht nur wegen ihrem emotionalen Wert wichtig, sondern ganz nüchtern für die Zukunft: Der Klimawandel wird der Eiche wegen ihrer tiefen Wurzeln weniger anhaben können als anderen Bäumen. Gefördert werden muss sie auch, weil im letzten Jahrhundert laut Kreisförster Erwin Städler ein 50-jähriges «Loch» entstand: Für Eisenbahnschwellen brauchte man weniger Eichenholz und hörte auf, sie anzupflanzen und zu pflegen.