Aarau

«Repair Café»: Hier kann man flicken lassen, was man sich selber nicht getraut

Rund 40 Personen kommen jeweils ins «Repair Café» von Benjamin Pfeuti.

Rund 40 Personen kommen jeweils ins «Repair Café» von Benjamin Pfeuti.

Benjamin Pfeuti hat 2016 das erste Aarauer «Repair Café» organisiert. Am Samstag findet es zum zehnten Mal statt.

Beim ersten Mal wurden sie überrannt. Die Leute kamen im Dutzend, mit Fotokameras, Radios, Bügeleisen, ferngesteuerten Autos. Sie alle wollten ihr mitgebrachtes Stück von den freiwilligen Helfern des ersten «Repair Café» im September 2016 reparieren lassen.

«Die Premiere war unglaublich, einen besseren Start hätten wir kaum hinlegen können», sagt Benjamin Pfeuti, Kopf hinter dem Aarauer «Repair Café». Ein bisschen chaotisch sei es damals abgelaufen, kein Wunder bei so viel Besuchern auf einmal.

Inzwischen ist Routine eingekehrt. Diesen Samstag findet das 10. «Repair Café» statt. Das mit der Routine gilt nicht nur im Ablauf; das Einschreiben vor der Freizeitwerkstatt laufe prima. Sondern auch im Organisieren der Helfer: Rund 20 Personen mit «Chnübli-Flair», vom unterforderten Informatik-Studenten bis hin zur pensionierten Näherin. Ein Dutzend Helfer steht pro Anlass im Einsatz.

Mitflicken ist gut fürs Selbstwertgefühl

Um die 40 Personen kommen jedes Mal mit ihren Gegenständen ins «Repair Café». Pfeuti führt eine Liste mit den geflickten Gegenständen; da finden sich Dinge wie eine Kuckucksuhr, ein Haarglätter, Hosen, ein Drucker, Ohrringe, Nähmaschinen, eine Espresso-Maschine, ein Apfelpflücker, ein Dreirad, eine Brille, Wanderschuhe oder ein Stewi; allesamt geflickt mit etwas Leim, ein paar Schrauben, einem neuen Kabel oder einem Spritzer WD40.

Doch das Spektrum klingt breiter, als es ist. «Bei rund 80 Prozent aller geflickten Dinge geht es um die Elektronik», sagt Pfeuti. «Das ist eindeutig das, was sich die Leute am wenigsten selber zutrauen, zu reparieren.»

Wobei, zuschauen gilt nicht. Wer zum Flicken kommt, hilft mit. «So kann jeder etwas lernen und das ist gut fürs Selbstwertgefühl», sagt Pfeuti. Über die bisher neun Veranstaltungen betrachtet, liegt die Erfolgsquote bei gegen 60 Prozent.

«Auch wir können nicht alles reparieren, aber mehr als die Hälfte bringen wir wieder zum Laufen. Lauter Gegenstände, die nicht auf dem Müll landen, sondern wieder Freude machen.»

Auffallend sei, dass die Kunden des «Repair Café» in der Mehrheit älteren Semesters sind. Das hat Pfeuti überrascht. «Vermutlich liegt es daran, dass ältere Generationen ein anderes Bewusstsein für Gegenstände haben und eher noch flicken. Und vor allem: Sie haben noch Dinge, die sich flicken lassen.»

Das sei bei modernen Geräten häufig die grösste Knacknuss: «Viele sind vom Hersteller so konzipiert, dass ein Flicken praktisch unmöglich ist.»

Sie wollen künftig mehr Computer reparieren

Beni Pfeuti freut sich nicht nur, dass er und sein Team so viele Leute zufrieden machen konnten. «Ich freue mich insbesondere über die Begeisterung, mit der meine Helfer arbeiten. Mit welchem Ehrgeiz sie tüfteln, wie sie die Köpfe zusammenstecken und einander helfen.»

Das ursprüngliche Konzept hat sich bewährt. Inzwischen bietet Netzwerk Asyl im Hof vor der Freizeitwerkstatt auch einen Velo-Reparatur-Service an. Und manchmal findet zeitgleich auch der beliebte Kleidertausch «Share the Schrank» statt. Dieser läuft aber unabhängig vom «Repair Café».

«Wir für uns möchten die Sparte Computer noch mehr ausbauen», so Pfeuti. «Wir merken, dass viele Leute froh um Hilfe wären.»

Aktuell findet das Café viermal pro Jahr statt. Das soll weiterhin so bleiben, sagt Pfeuti. «Mehr ist vom Aufwand her nicht zu machen.» Finanziert wird das Projekt durch die Kollekten der Besucher sowie einen Sponsorenbeitrag der Mobiliar.

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