Reinach
Repol-Chef Dieter Holliger fasst zum letzten Mal ein Polizeijahr zusammen – im Mai tritt er in den Ruhestand

Die Bussen-Statistik des Jahresberichts der Regionalpolizei aargauSüd lässt auch darauf schliessen, wie schön der Badi-Sommer war.

Flurina Dünki
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Dieter Holliger Repol-Chef AargauSüd, Reinach, 29. Januar 2021.

Dieter Holliger Repol-Chef AargauSüd, Reinach, 29. Januar 2021.

Alex Spichale / WYS

Aus dem Jahresbericht der Repol aargauSüd lässt sich nicht nur die Anzahl Polizeiaufgebote oder Geschwindigkeitsübertretungen herauslesen. Man kann auch abschätzen, wie viele schöne Sommertage das Jahr 2020 hatte. Als Parkplatz-Kontrolleurin büsst die Repol in ihrem Einsatzgebiet (von Teufenthal bis Burg plus Birrwil und Beinwil am See) Personen, die kein Ticket am Parkautomaten gelöst hatten.

Und die Repol ist auch auf Parkplätzen der Badis anzutreffen. Die grösste Beute macht sie jeweils im Hochsommer bei der Badi Beinwil am See mit ihren etwa 1000 Parkplätzen. Und hier zeigt der Jahresbericht: Der Sommer 2020 war deutlich ertragsreicher als jener zuvor. 1587 Ordnungsbussen wegen Parkier-Übertretungen wurden vergangenes Jahr ausgesprochen. Knapp ein Drittel mehr als die 1165 Bussen von 2019.

«Wegen Covid sind letztes Jahr viele schon an warmen Frühlingstagen nach draussen gegangen», sagt Dieter Holliger, Chef der Repol aargauSüd, als er die AZ am Sitz in Reinach empfängt. Einen Dienst, der nicht von Covid geprägt ist, wird es für ihn kaum noch geben. Holliger (63) geht Ende Mai nach 40 Jahren Polizeidienst in Pension. Einen Nachfolger gibt es, sein Name wurde aber erst intern verbreitet.

Für Gruppen-Treffs wurden neue Hotspots gesucht

Auch die Kontrolle der Hotspots, wo sich am Abend oft Jugendliche und junge Erwachsene aufhalten, hat durch die Pandemie eine neue Dimension erfahren. Auf den Schulanlagen und Plätzen vor Tankstellenshops, die von Patrouillen aufgesucht werden, um Lärm und Abfallansammlungen zu vermeiden, musste nun auch die jeweilig geltende Personenbeschränkung eingehalten werden. Gemäss Jahresbericht «wurden unzählige Belehrungen ausgesprochen» und 56 Ordnungsbussen verteilt. Dies hat jene, die sich trotz Obergrenze in grösseren Gruppen treffen wollten, kreativ gemacht. «Einige suchten sich neue Treffpunkte, die von uns dann in die Liste der aufzusuchenden Hotspots aufgenommen wurden», so der Polizeichef. Um die neu entdeckten Treffs niemandem schmackhaft zu machen, sagt er nicht, wo sie sind.

Mit fortschreitenden Coronamonaten hätten die Leute übrigens schneller zum Hörer gegriffen, wenn ihnen draussen eine zu grosse Gruppe aufgefallen sei, sagt Holliger. Die Nerven ertrugen weniger und andere, die sich nicht an die Regeln halten, bewirken eine grössere Wut als sonst. Diese versucht die Repol zu lindern:

«Durch verstärkte Präsenz an den Orten, auf die wir durch Anrufe oft hingewiesen wurden, zeigten wir, dass wir das Problem erkannt haben und die Hinweise der Bevölkerung ernst nehmen.»

Noch zu klein, um abends auszugehen, aber bereit, um aufs Zweirad zu steigen, wären die Wynentaler Viertklässler gewesen. Doch die Veloprüfung wurde nur in Oberkulm durchgeführt, für den Rest muss sie nachgeholt werden.

Wie aber schützen sich die Polizeibeamten – es sind derzeit 15 Polizisten und Polizistinnen, eine zivile Mitarbeiterin sowie ein Aspirant – selber vor Covid? «Indem sich möglichst wenige von uns gleichzeitig im Büro aufhalten», so Holliger. Die Polizeiautos seien nebst dem herkömmlichen Coronaschutz auch mit Schutzanzügen ausgerüstet.

Wegen Covid mehr Patrouillen, dafür weniger Verkehrskontrollen

Weil die Beamten letztes Jahr wegen Covid öfter patrouillierten, mussten woanders Abstriche gemacht werden. So wurden etwa weniger Verkehrskontrollen durchgeführt. Wie der Polizeichef sagt, auch, um Polizisten und Autofahrer vor Ansteckung zu schützen. Geschwindigkeitskontrollen wurden im üblichen Rahmen durchgeführt. Der grösste Sünder wurde mit 102 Stundenkilometern innerorts auf der Birrwiler Seetalstrasse geblitzt.

Nicht überrascht ist Holliger, dass das Wynental beim Thema häusliche Gewalt die meisten Einsätze des Kantons ausweist (verglichen mit der Bevölkerungszahl). Seit Jahren ist die Quote der häuslichen Gewalt hier hoch. 1631 Mal war die Repol aargauSüd 2020 insgesamt ausgerückt (1336 waren es im Vorjahr), davon 153 Mal wegen häuslicher Gewalt (bei 111 im Jahr 2019).

Grund dafür sei der hohe Anteil an finanziell schwachen Haushalten und Familien mit Migrationshintergrund. Ständig dem Geld nachlaufen oder sich in einer neuen Kultur, einem neuen Wertesystem zurechtfinden zu müssen, bedeute Stress. Und solcher Stress berge viel Konfliktpotenzial, wie Holliger weiss. Mehr Ausrücken heisst aber nicht mehr Gewalt als früher. Es werden heute erfreulicherweise mehr Situationen gemeldet. Holliger sagt:

«Die Schwelle zum Anrufen ist heute niedriger geworden. Wir haben auch schon Anrufe von der 13-jährigen Tochter erhalten, weil ihr der Streit der Eltern nicht mehr geheuer war.»

Die 242 Anzeigen nach Strafgesetzbuch (im Vorjahr 190) sind grösstenteils auf ein einziges Delikt zurückzuführen: Ungehorsam im Betreibungsverfahren. Diese Anzeige kassiert ein säumiger Zahler, wenn er von der Polizei dem Betreibungsamt zugeführt werden muss.