Reinach
Nach 34 Jahren ist für die Jugendorganisation Ten Sing Schluss – Schuld daran hat auch die Pandemie

Mitgliederschwund und dann auch noch die Pandemie. Die Jugendorganisation Ten Sing in Reinach löst sich auf. Ein Schritt, der Leiterin Caroline Bohác sichtlich schwer fiel.

Pascal Bruhin
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Die Jugendorganisation Ten Sing – hier bei einem Konzert 2012 – löst sich nach 34 Jahren auf.

Die Jugendorganisation Ten Sing – hier bei einem Konzert 2012 – löst sich nach 34 Jahren auf.

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«Die eine oder andere Träne ist definitiv geflossen», sagt Caroline Bohác. Die Leiterin des Jugendchors und -theaters Ten Sing in Reinach hatte einen schweren Gang zu gehen. Gemeinsam mit ihren vier Co-Leitern verkündete sie jetzt das Ende der 34-jährigen Institution.

«Eine schwierige Zeit bedarf schwerer Entscheidungen. Die noch anhaltende Lage mit der Covid-Pandemie hat uns lange über unsere Zukunft zittern lassen und nun sind wir zum Entschluss gekommen, dass die Ungewissheit uns in die Knie zwingt», teilte das Leiterteam in den Lokalmedien mit. Ten Sing in Reinach ist Geschichte.

Abschiedstour fiel der Pandemie zum Opfer

Entstanden ist das Ten Sing (Norwegisch für «Teenager singen») 1987 aus der Jugendarbeit der reformierten Kirche Reinach. Ziel war es, eine moderne Form des gemeinsamen Tuns zu finden, den Jugendlichen eine kreative und sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu bieten. Schnell fand das Projekt von und für die Jugend in Reinach Anklang. Zu Spitzenzeiten trafen bis zu 70 Jugendliche zu den Proben im Kirchgemeindehaus zusammen.

Bis zu 70 Jugendliche engagierten sich zeitweise in der Vereinigung. Hier ein Bild von Proben aus dem Jahr 1998.

Bis zu 70 Jugendliche engagierten sich zeitweise in der Vereinigung. Hier ein Bild von Proben aus dem Jahr 1998.

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Highlight war jeweils die alljährliche Show mit einer Tour durch das ganze Wynental. «Wir haben jedes Jahr den Saalbau in Reinach gefüllt», erinnert sich Bohác etwas wehmütig. Zuletzt fand die Show 2019 statt. 2020 und 2021 musste sie coronabedingt abgesagt werden. Besonders bitter, denn es hätte die letzte grosse Show werden sollen, eine Abschiedstournee. Denn: «Wir haben uns schon vor ein paar Jahren überlegt, ob es nicht an der Zeit wäre, aufzuhören», sagt Bohác.

Das Theater-Team bei einer Probe im Jahr 2019. Das Stück Alp(en)traum konnte coronabedingt nie aufgeführt werden.

Das Theater-Team bei einer Probe im Jahr 2019. Das Stück Alp(en)traum konnte coronabedingt nie aufgeführt werden.

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Man habe sich dann nochmals ein Herz gefasst und unter Führung des neuen Leiterquintetts weitergemacht. Die Bereiche Band und Tanz wurden gestrichen und der Fokus auf den Chor und das Theater gelegt. «Wir haben es probiert, doch wir haben gemerkt: Es geht einfach nicht mehr. Die Luft ist draussen.» Denn eine Vereinigung lebt von ihren Mitgliedern. Und die sind in den letzten Jahren stetig weniger geworden. «Uns ging es da leider wie vielen anderen Vereinen auch», so Bohác ernüchtert. Heute sind nebst dem Leiterteam gerade noch sieben Jugendliche in der Vereinigung aktiv. Die Pandemie war nun sozusagen der letzte Dolchstoss für Ten Sing.

Mitglieder wurden per Videocall informiert

«Für eine Show müssen wir ein Jahr lang wöchentlich proben», erklärt Bohác. Und das war und ist in der Pandemie nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Auch die jährlichen Auftritte am Slow-Up um den Hallwilersee oder auf Hochzeiten und Events fielen aus. «Doch viel schlimmer als die ausgefallen Shows war es, dass sich die Vereinsmitglieder, die sich sonst immer in guten wie auch in schlechten Zeiten helfen, nicht treffen und gemeinsam proben konnten», so Bohác. Sie fügt an: «Auch wenn man mal keine Lust auf die Proben hatte, man ging immer mit einem Lächeln wieder hinaus.» Besonders schwer fiel es Bohác und ihrem Team, den Mitgliedern von der Auflösung des Vereins zu berichten. Denn: «Pandemiebedingt ging auch das nur per Videocall.»

Caroline Bohác (links) und ihr Team von Ten Sing bei einem Konzert 2019.

Caroline Bohác (links) und ihr Team von Ten Sing bei einem Konzert 2019.

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Mit dem Ende von Ten Sing verliert Bohác selbst auch ein Stück ihrer Jugend. Seitdem sie 14 Jahre alt ist, ist sie Mitglied, seit fünf Jahren Co-Leiterin. Sie ist mit dem Ten Sing aufgewachsen. Mit ihren 24 Jahren wäre sie zwar ohnehin bald aus der Jugendorganisation herausgewachsen. Doch sie sagt: «So hätte ich mir den Abschied nicht gewünscht.»

Für sie und die anderen ehemaligen Mitglieder heisst es nun, eine neue Freizeitbeschäftigung zu finden. Oder wie der Verein so schön in seiner Mitteilung schrieb: «Es gibt kein wirkliches Ende, das ist nur der Punkt, an dem unsere Geschichte aufhört.»

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