Aarau
Reichen 72 Parkplätze für das Kino im neuen Aarauer Stadion aus?

Für ein Kino im Mantel des neuen Aarauer Stadionprojekts mit 900 Plätzen sind vorerst 72 mögliche Parkplätze errechnet worden. Die gute öffentliche Anbindung ist der Hauptgrund der kleinen Anzahl möglicher bzw. bewilligter Parkmöglichkeiten.

Sabine Kuster
Merken
Drucken
Teilen
Nicht mehr in der Baubewilligung vorgesehen ist ein Fitnessstudio. Hingegen ist das Multiplexkino aufgeführt: Auf 2000 Quadratmetern sollen 5 Kinosäle entstehen mit total 900 Sitzplätzen.

Nicht mehr in der Baubewilligung vorgesehen ist ein Fitnessstudio. Hingegen ist das Multiplexkino aufgeführt: Auf 2000 Quadratmetern sollen 5 Kinosäle entstehen mit total 900 Sitzplätzen.

zvg

Tag eins nach der Baubewilligung fürs neue Fussballstadion in Aarau. Es gilt die Einsprachefrist abzuwarten. Dennoch können all jene, die sich für die Nutzung des Stadionmantels interessieren, jetzt mit rechnen beginnen: Ist ihre Geschäftsidee mit den Bedingungen der Baubewilligung kompatibel?

Nicht mehr in der Baubewilligung vorgesehen ist ein Fitnessstudio. Hingegen ist das Multiplexkino aufgeführt: Auf 2000 Quadratmetern sollen 5 Kinosäle entstehen mit total 900 Sitzplätzen.

In Schöftland ist parkieren gratis

Der Aarauer Kinobetreiber Rolf Portmann interessiert sich schon lange für das Multiplexkino, denn ein neuer Betreiber in Aarau wäre eine harte Konkurrenz. Portmann konnte die Baubewilligung noch nicht studieren, er weiss aber: Fürs Kino sind nur 72 Parkplätze eingeplant und die Nutzung der übrigen Parkplätze ist verboten. Portmann findet: «72 Parkplätze für 900 Sitzplätze reichen nicht aus.»

Er sagt, er sei zwar kein Verkehrsplaner, aber er kenne die Konkurrenz: Im grossen Kino in Oftringen stehen den Besuchern 300 Gratisparkplätze zur Verfügung und im Schöftler Kinokomplex «Cinema 8», der momentan gebaut wird, werden die Parkplätze laut Portmann ebenfalls gratis sein. Er sagt deshalb: «Solange der Konsument eine andere Option hat, kann man ihn nicht umerziehen. Der VCS denkt da viel zu idealistisch.»

Rolf Portmann, Kinobesitzer «Solange der Konsument eine andere Option hat, kann man ihn nicht umerziehen.»

Rolf Portmann, Kinobesitzer «Solange der Konsument eine andere Option hat, kann man ihn nicht umerziehen.»

Zur Verfügung gestellt

Gemäss Norm

Die Zahl der 72 Parkplätze ist aber nicht aus der Luft gegriffen: Der von HRS Real Estate beauftragte Verkehrsplaner stützte sich auf die Schweizer Norm des VSS (Verband Strassen- und Verkehrsfachleute). Standardmässig sind darin 0,2 Parkplätze pro Kinosessel vorgesehen. Bei 900 Sitzplätzen wären dies also 180 Parkplätze. Je nach Anbindung an den öffentlichen Verkehr gibt es Reduktionen.

Im Fall Torfeld Süd mit einem knappen Kilometer bis zum Bahnhof, einem Bus im 10-Minuten-Takt und einer eigenen WSB-Haltestelle müssen die Parkplätze deshalb auf 90 halbiert werden. Weil es komplexer Fall ist, wurde zudem ein Verfahren angewendet, das den künftigen Verkehr detailliert berechnet.

Laut einer Studie des Bundesamtes für Strassen (Astra) von 2006 zu sogenannten «publikumsintensiven Einrichtungen» benutzen jeweils 57 Prozent das Auto. Dabei wurde auch das Kino Ideal mitten in der Aarauer Innenstadt untersucht. Der Verkehrsplaner rechnete im Torfeld Süd mit 56 Prozent. Zu diesem Ergebnis ist auch Rolf Portmann gekommen, als er vor fünf Jahren während sechs Monaten 20 000 Besucher in seinem Kino «Ideal» gefragt hat, wie sie zum Kino gelangen: 28 Prozent kamen mit dem öffentlichen Verkehr, 16 Prozent zu Fuss oder mit dem Velo und 56 Prozent mit dem Auto.

Die Vorgaben waren fix

Frei konnten die Planer die Anzahl Parkplätze auch deshalb nicht bestimmen, weil die Maximalzahl der Autofahrten in den Verhandlungen mit dem Verkehrclub Schweiz (VCS) fixiert wurde: Nicht mehr als 7700 Fahrten dürfen es im Gebiet Torfeld Süd laut den Sondernutzungsvorschriften täglich sein.

VCS-Geschäftsführer Micha Siegrist sagt: «Ich würde mir wünschen, dass die Auflagen restriktiv wären. Sie sind es aber keineswegs. Denn alles, was wir tun konnten, ist, die Bauherrschaft dazu zu bringen, sich an ihr eigenes Verkehrsgutachten und an den Umweltverträglichkeitsbericht zu halten.» Darin seien die Zahlen gemäss den gängigen Normen berechnet worden.

Das neue Stadion für den FC Aarau soll 10'000 Zuschauern Platz bieten.
9 Bilder
Blick hinein: So soll das Stadion innen aussehen.
Das geplante Aarauer Stadion im Quartier Torfeld-Süd – es wäre vom Bahnhof Aarau in nur fünf Minuten erreichbar.
Der Eingang ins Stadiongebäude heisst Stadtloggia
So sieht das neue Aarauer Fussballstadion aus
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Modell des geplanten Aarauer Fussballstadions im Torfeld Süd
Das alte Projekt lag 2009 öffentlich auf und wurde dann sistiert.

Das neue Stadion für den FC Aarau soll 10'000 Zuschauern Platz bieten.

ZVG