Aarau

Regulärer und besonderer Kindergarten Tür an Tür

Clown Susi aus Suhr bringt die Kinder des Kooperativen Kindergartens zum Lachen.

Clown Susi aus Suhr bringt die Kinder des Kooperativen Kindergartens zum Lachen.

Im Aarauer Stadtteil Rohr ist am Montag der Kooperative Kindergarten eröffnet worden. Kinder mit oder ohne Behinderung spielen hier gemeinsam.

Für Marius aus Buchs war gestern ein besonderer Tag. Er durfte zum ersten Mal in den Kindergarten. «Ganz stolz berichtete er allen, dass er bald in den Kindergarten kommt», erzählten seine Eltern. Ein spezieller Tag war es ebenfalls für die Pädagoginnen: ihr erster offizielle Arbeitstag in der Überbauung Quellpark. Sie durften den Kooperativen Kindergarten im Stadtteil Rohr eröffnen. Kinder und Eltern warteten gleichermassen gespannt, bis es endlich losging. Die Eltern auf Stühlen, die Kinder am Boden.

In einer Ecke stapeln sich bunte Kissen und Plüschtiere, in der anderen stehen Holzküche, Waschmaschine und Ladentheke bereit zum Spielen. Alles ist neu. Vor zwei Wochen hatte mit dem Einrichten begonnen werden können. «Am Freitag haben wir die letzten Arbeiten durchgeführt», sagte Gisela Roth, Bereichsleiterin der Stiftung Schürmatt. Zuletzt hätten sie bei den Toiletten noch Keramikplatten mit Giraffen angebracht – damit es nicht zu eintönig aussehe.

Nun lacht in den Toiletten, beim Lavabo und beim Wickeltisch je eine grosse Giraffe von der Wand. Dass es in dem Kooperativen Kindergarten noch einen Wickeltisch gäbe, sei nicht ungewöhnlich, sagt Gisela Roth. Hier sollen sich Kinder mit den verschiedensten Defiziten wohlfühlen; solche, die in der Entwicklung noch zurückliegen, und auch solche mit einer Behinderung. Für jedes der acht Kinder gibt es einen eigenen Förderplan. Es sei wichtig, auf die individuellen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen, sagte Gisela Roth.

Mit dem Schiff nach Panama

Im Quellenpark liegen nun ein regulärer und ein heilpädagogischer Kindergarten Tür an Tür. Doch wo bleibt dabei die Kooperation? Um halb neun wurde eine breite Schiebetür geöffnet, die beiden Räume waren nun vereint. Kinder und Eltern des regulären Kindergartens kamen herüber. So wird es auch künftig ablaufen: Für bestimmte Spiele, zum Turnen, Kochen und für themenbezogene Tätigkeiten werden beide Kindergärten zusammengeführt.

Als vor dem Fenster im Regen plötzlich ein Clown auftauchte und Kapriolen vollführte, lachten alle Kinder gemeinsam. Und als Clown Susi hereinkam und eine Folie ausbreitete, spielten alle mit. Sie wolle mit ihrem Schiff nach Panama, weil es da so viele Bananen für ihren Affen gäbe, sagte Susi. Die Kinder johlten und schüttelten die Folie, damit für Susis Kartonschiff auch genügend Wellen entstanden. Das Thema «Panama» wollen die beiden Kindergärten in nächster Zeit auch gemeinsam behandeln, sagt Gisela Roth. Etwa mit Geschichten, Basteleien und Zeichnungen. Und wenn sich ein Kind überfordert fühle, könne es sich jederzeit zurückziehen. Für solche Fälle hätten sie genügend Personal.

Auch er soll in die Regelklasse

Die Eltern von Marius sind froh, dass ihr Sohn hier einerseits heilpädagogisch gefördert wird und andererseits mit Kindern aus dem regulären Kindergarten spielen kann. Denn Marius reagiere momentan noch sehr schüchtern, sobald mehrere Kinder zusammenkommen, sagen sie. Doch die Eltern hoffen, dass ihr Sohn dank des Kooperativen Kindergartens problemlos in die reguläre Schule überführt werden kann.

Davon ist Gisela Roth überzeugt: «Dank der Kooperation können einige Kinder optimal gefördert und in die Regelklasse integriert werden.» Marius schien es an seinem ersten Tag zu gefallen. Auch er schüttelte mit aller Kraft an der Folie des Clowns. Fürs Znüni zog er sich dann doch lieber zurück. Gisela Roth geht allerdings davon aus, dass sich seine Schüchternheit nach und nach legen werde.

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