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Auch Eniwa und Wynagas müssen ihre Erdgaspreise massiv erhöhen

Im Vergleich zum September müssen die Kunden in der Region Aarau, Wynen- und Suhrental ab November fast 71 Prozent mehr für ihr Erdgas zahlen.

Nadja Rohner
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Ein Erdgasspeicher.

Ein Erdgasspeicher.

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Nun trifft die angespannte Lage auf dem Gas-Markt auch den Westaargau: Nachdem diverse Energielieferanten bereits massive Erhöhungen ihrer Erdgaspreise angekündigt hatten – die ibw in Wohlen um über 73 Prozent -, ziehen nun auch die Eniwa AG und die zugehörige Wynagas AG nach. Es komme zur Preiserhöhung per 1. November, teilen die Unternehmen mit: «Für ein Einfamilienhaus mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 20'000 Kilowattstunden pro Jahr steigen die monatlichen Kosten in der Heizperiode um 120 Franken. Der Grundpreis und die CO2-Abgabe bleiben unverändert.»

Betroffen sind die Gemeinden Unterkulm, Oberkulm, Gontenschwil, Reinach, Burg, Menziken (Wynagas AG) sowie Aarau, Erlinsbach AG und SO, Küttigen, Buchs, Suhr, Unterentfelden, Oberentfelden, Kölliken, Muhen, Gränichen, Teufenthal, Schöftland, Staffelbach, Kirchleerau und Moosleerau.

Eniwa und Wynagas schreiben, sie hätten den Preis für das Standard-Gasprodukt in den letzten Jahren zweimal gesenkt. Bis Ende 2019 lag er bei 8,46 Rappen pro Kilowattstunde, dann ein Jahr lang bei 7,59 Rappen. Ab Januar 2021 bis Ende September waren es 7,27 Rappen, obschon sich der Biogasanteil im Standardprodukt verdoppelt habe. Doch dann musste der Preis per Oktober auf 9,64 Rappen erhöht werden. Und nun steigt er per 1. November auf 13,19 Rappen. Das entspricht einem Anstieg von knapp 70,9 Prozent im Vergleich zum September.

Entspannung ist derzeit noch nicht in Sicht

«Der Gasmarkt ist derzeit in ganz Europa sehr angespannt und reagiert auf kleinste Veränderungen mit starken Ausschlägen», wird Stephan Koch, Leiter Vertrieb Energie bei Eniwa, in der Medienmitteilung zitiert. «Die jetzige Situation fordert von der Branche eine derart rasche und massive Erhöhung der Gaspreise, wie wir sie noch nie erlebt haben.»

Eine Entspannung der Situation zeichne sich derzeit noch nicht ab, heisst es in der Medienmitteilung. Auf Anfrage betont Hans-Kaspar Scherrer, CEO: «Es ist zurzeit nicht möglich, zu prognostizieren, ob die Hochpreisphase während der ganzen Heizperiode 21/22 anhalten wird. Nebst anderen Einflussfaktoren ist dies auch abhängig von der Witterung.»

Die sechs Gründe für den Preisanstieg

In der Mitteilung der Eniwa und der Wynagas werden sechs Gründe für die Preissituation angeführt. Erstens das kühle Wetter im ersten Halbjahr und die hohe Energienachfrage während der Erholung von der Pandemie («die Wirtschaft produziert wieder vermehrt»). Zweitens der Ausstieg aus Kohle- und Nuklearenergie: «In Deutschland stiegen die CO2-Preise an, weshalb man die Stromproduktion in Kohlekraftwerke minderte und vermehrt Gas verstromte.» Vierter Grund sind die leeren Gasspeicher in Westeuropa. Fünftens sei das Leitungsgas aus Russland knapper und der Transport über die Ukraine gedrosselt. «Die neue Transportleitung Nordstream ll, welche Erdgas aus arktischen Feldern über St.Petersburg durch die Ostsee nach Deutschland transportieren wird, sollte bald in Betrieb gehen können.» Fünftens hätten «zahlreiche westeuropäische Gasplattformen» ihre Revisionen nachgeholt, die wegen der Pandemie hatten ausfallen müssen. Und sechstens sei das Angebot an Flüssiggas vergleichsweise gering, weil die Nachfrage aus Asien zugenommen habe.

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