Ist die Liebegg ein Standort für ein Hexenmuseum oder ein Gebetsschloss mit europäischer Ausstrahlung? Fest steht: Am Donnerstag Abend findet die Vor-Eröffnung des Museums für geladene Gäste statt. Und am Sonntag (ab 14 Uhr) kann sich das breite Publikum erstmals die Ausstellung ansehen.

Fest steht weiter: Das Museum passt einigen fundamentalen Gläubigen nicht, wie die Inserate in amtlichen Anzeigern beweisen. 

Es ist nicht das erste Mal, dass das Hexenmuseum für Diskussionsstoff sorgt. 2009, das Hexenmuseum befand sich damals in Auenstein, musste der Regierungsrat eine Interpellation von Grossrat Samuel Schmid (EDU, Biberstein) beantworten.

Die Regierung schrieb damals: «Das kleine Privatmuseum ist detailreich ausgestattet und vermittelt einen anschaulich und sorgfältig präsentierten kurzen Überblick über Volksglauben, Aberglauben, Sagenwelt, magische Rituale und Heilkräuter, ergänzt um biografische Angaben und Zeittabellen.»

Weiter betonte der Regierungsrat: «Der Inhalt des Museums folgt subjektiven Auswahlkriterien, kann aber in keiner Weise als anstössig oder jugendgefährdend bezeichnet werden.»

Der Interpellant hatte vor allem Bedenken, dass Schulklassen das Hexenmuseum besuchen könnten. Der Regierungsrat betonte, «dass das Hexenmuseum Schweiz durchaus einen Beitrag leisten kann zur Auseinandersetzung mit Aspekten der regionalen Kulturgeschichte, die sonst eher im Schatten stehen, vergessen oder verdrängt werden».

Der Regierungsrat hielt den Besuch des Hexenmuseums Schweiz im Rahmen des Schulunterrichts für vertretbar. Allerdings verlangte er eine gute Einbettung und «eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit den im Museum präsentierten Themen».

In Auenstein befand sich das Hexenmuseum in einem Privathaus, in Gränchen ist es im kantonseigenen Schloss Liebegg. Die Sanierung von Letzterem wurde 2002 abgeschlossen. Für den Betrieb ist ein Verein zuständig.

Bis die Anti-Museums-Inserate auftauchten, war einer breiteren Öffentlichkeit nicht bekannt, dass fundamentale Christen im Schloss Liebegg etwas Spezielles sehen. Im Januar versammelte der Verein «Gebet für die Schweiz» 200 Personen auf dem Schloss.

Auch am Wochenende waren die Gläubigen wieder auf der Liebegg. «Es wurde gegen uns gebetet», erklärte der Ehemann der Museumsbetreiberin.