Aarau
Regenschirm und Schlammpfützen am «Chrutwäje»-Festival

Das Musikfestival «Chrutwäje» mit freiem Eintritt fand dieses Jahr im Rahmen des Aarauers Maienzugs bereits zum 28. Mal statt. Das Festival wurde aber gehörig verregnet.

Miriam Suter
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Ausgelassene «Chrutwäje»-Stimmung bei der Pferderennbahn.

Ausgelassene «Chrutwäje»-Stimmung bei der Pferderennbahn.

André Albrecht

Dies hielt die Besucher allerdings nicht davon ab, auch dieses Jahr in Massen zur Pferderennbahn im Schachen zu pilgern. Der Boden auf der Wiese nebenan wurde zu einer riesigen Schlammpfütze und der Regenschirm gehörte neben dem Bier in der Hand zum obligatorischen Accessoire. Doch das Publikum liess sich die Stimmung nicht verderben.

Am «Chrutwäje» trifft man, wen man schon länger nicht mehr gesehen hat. Und man hat dabei mehr Platz als am Maienzug-Vorabend, wenn Tausende Menschen die Gassen der Altstadt verstopfen und man für einen kleinen Schwatz fast keine Zeit hat — weil man von den Massen weitergedrängt wird. Da bildet das «Chrutwäje» einen gemütlichen Gegenpol, fast wie ein kleines Dorf mit den verschiedenen Ess-Ständen lokaler Beizen wie der Crêperie, die die Partygäste mit einer kleinen, aber sehr feinen Auswahl ihres Angebots verwöhnte.

Wild tanzender Pferde-Fan

Den musikalischen Auftakt bildeten am frühen Abend «Chameleonic» aus Aarau mit einem Mix aus Hip-Hop, Funk und Soul, der beim Publikum gut ankam. Doch das absolute Highlight war die Trash-Elektro-Band «Das Pferd»: Die beiden Musiker aus dem Aargau betraten die Bühne, nachdem das «Baywatch»-Intro gespielt worden war, stilecht in roter Badehose und Badeanzug – inklusive ausgestopftem Dekolleté. Hinter «Das Pferd» stehen Felix Hohler und Andreas Mattmann, die sich von Bands und Musikern wie The Prodigy und Peaches, aber auch Mani Matter inspirieren lassen. Und auf der Bühne geben die beiden jungen Herren hinter den Keyboards richtig Gas: Wer bis anhin nur leicht wippend am Rand gestanden hatte, wurde plötzlich zum wild mittanzenden Pferde-Fan. Und spätestens bei der punkigen Eigeninterpretation von «Im Aargau sind zwöi Liebi» hatte das Duo das Publikum auf seiner Seite. Vollends die Bühne gerockt haben Palko!Muski mit ihrem wilden Sänger, mit Disko, Polka-Punk, östlicher Zigeunermusik und einer geballten Ladung Balkan-Charme.

Auch abseits der Bühne war die Stimmung gut. Céleste Urech und Valentin Ismail von Aarauer Partylabel «Je t’aime» stehen diesen Abend hinter dem Tresen ihres mobilen Barstands: «Die Leute sind trotz Regen gut drauf. Und vor allem trinken sie viel Bier», lacht Valentin. Dass die Aarauer nicht nur heftig feiern können, sondern auch schnell aufräumen und putzen, meldet Céleste am frühen Samstagmorgen per E-Mail: «Die Pferderennbahn ist bereits wieder aufgeräumt und geputzt. Das ‹Chrutwäje› freut sich erneut über knapp 3000 Besucher!»

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