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Regen und nochmals Regen: Das sind die Gewinner

Das unüblich schlechte Juni-Wetter vermiest jegliche Freiluftaktivität – doch es gibt auch Gewinner.

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Indoor-Sportanlagen wie das Skatecenter Rolling Rock in Aarau profitieren.

Indoor-Sportanlagen wie das Skatecenter Rolling Rock in Aarau profitieren.

Chris Iseli

Es ist kalt, es regnet immer wieder, statt Hitzewelle herrscht Hochwassergefahr: Fünf Tage vor Sommerbeginn scheint es eher so, als habe der Frühling noch nicht richtig angefangen. Dabei wäre Juni der Monat der ersten Grillfeste oder Open Airs, der Sportausflüge oder Schulreisen. Es gibt aber auch Profiteure des aktuellen Schlechtwetters. Zum Beispiel:

Die Museen: Das Naturama in Aarau verzeichnet derzeit 900 Besucher mehr als letztes Jahr zur gleichen Zeit. «Bei diesem Wetter gehen viele lieber in unseren Museumswald statt in den echten», sagt Mediensprecherin Ka Marti. Und auch im Stapferhaus Lenzburg spricht Leiterin Sibylle Lichtensteiger von fünfmal mehr Besuchern an regnerischen Sonntagen als an sonnigen. «Langanhaltend schönes Wetter wie im Sommer 2015 ist für uns schlecht», sagt sie. Das Stadtmuseum Aarau berichtet von leicht mehr Besuchern an den Wochenenden. Im Aargauer Kunsthaus hingegen sind die Zahlen in etwa gleich.

Die Theater und Kinos: Im Cinema 8 in Schöftland etwa habe sich die Frequenz der Kino-Besucher im Vergleich zum Vorjahr erhöht, sagt Marketing-Verantwortliche Tanja Schwaller. Zudem werden beim EM-Public-Viewing oder beim bevorstehenden Open-Air-Kino die Spiele respektive Filme sowohl draussen als auch drinnen gezeigt. «Der Gast kann je nach Wetterlage entscheiden, ob er sich den Film draussen oder drinnen ansehen möchte.»

Die Indoor-Sportanlagen: «Natürlich haben wir zurzeit mehr Besucher, als wenn das Wetter sehr schön wäre», sagt Thomas Georg, Geschäftsführer vom Kraftreaktor Klettereldorado Lenzburg. Einen grossen finanziellen Gewinn sieht er aber nicht. «Für uns zählen die Jahreseintritte, und da kann sich einiges wieder ausgleichen.» Timon Eichenberger, Mitinhaber des Skate- und Sportcenters Rolling Rock in Aarau, berichtet von 20 Prozent mehr Besuchern als sonst. «Dafür verkaufen wir derzeit weniger Rollschuhe.»

Die Grosshändler: Im Coop City Aarau seien Regenschütze und Regenschirme sehr gefragt, sagt Mediensprecher Ramón Gander. Dank der Fussball-EM verkauft die Migros weiterhin viele Grillprodukte. «Die EM-Fans sind offensichtlich hart im Nehmen und Grillieren auch bei Regen», sagt Mediensprecherin Andrea Bauer.

Alles, was draussen stattfindet, leidet unter dem anhaltenden Regen. Darunter:

Die Bauarbeiter: Wegen des aussergewöhnlich nassen Wetters sei die Situation für Arbeiten im Erdbaubereich besonders angespannt, sagt Philipp Bircher von der Baufirma Implenia. Auf einzelnen Baustellen werde mit leichten Verzögerungen gerechnet. Beim neuen Werkhof und Bürogebäude der IBAarau im Torfeld Süd seien die Tiefbauarbeiten aber zum Glück abgeschlossen, sagt Harriet Moser, Leiterin Kommunikation bei IBAarau. «Das Wetter ist für die Bauarbeiter aber eine Herausforderung und drückt auf die Stimmung.»

Die Frischluft-Beizen: Auch die Aufbauarbeiten für die Schwanbar seien unter Regen mühsam gewesen, sagt Fabio Mazzara. Die Sommerbeiz beim Aarauer Aareufer wird heute eröffnet, für den Auftakt ist die Wetterlage nicht optimal. Doch er sieht Positives: Weniger Besucher zu Beginn sei angenehm fürs Einarbeiten der neuen Barcrew. Und bis Saisonende am 28. August bleibe genügend Zeit für sonnige Tage. Schon länger offen hat das «Summertime» bei der Schifflände. «Der grosse Gäste-Ansturm fehlt noch», sagt Geschäftsführerin Carmen Jutzeler.

Freibäder wie dasjenige im Aarauer Schachen bleiben derzeit leer.

Freibäder wie dasjenige im Aarauer Schachen bleiben derzeit leer.

Michael Hunziker

Die Freibäder: Die Eintrittszahlen im Freibad Schachen in Aarau sprechen Bände: 34 200 waren es im Juni 2015, diesen Juni hingegen bisher knapp 3800. Im Freibad Rupperswil-Auenstein kämen laut Bademeister Mario Walter an einem schönen Tag bis zu 700 Personen, derzeit seien es um die 50. Dank verkauften Saisonabos sei man mit den Einnahmen aber zufrieden. Für Steve Radam vom Freibad Suhr-Buchs-Gränichen sei der Saisonauftakt nicht ausschlaggebend: «2014 liess das tolle Juni-Wetter auf einen super Sommer hoffen. Juli und August waren dann verregnet und 2014 das Jahr mit den wenigsten Besuchern seit Messbeginn 1989.» Für Angestellte im Stundenlohn aber sei das Wetter «eine Katastrophe». «Sie sitzen zu Hause und warten auf einen Einsatz.»

Rothirsche im Roggenhausen Bekommt er freilebende Nachbarn?: Rothirsch-Stier Prinz Eugen im Wildpark Roggenhausen. (Bild: Florenz Schaffner)

Rothirsche im Roggenhausen Bekommt er freilebende Nachbarn?: Rothirsch-Stier Prinz Eugen im Wildpark Roggenhausen. (Bild: Florenz Schaffner)

Aargauer Zeitung

Die Naturparks: Im Wildpark Roggenhausen kämen bei Regen zwar viel weniger Besucher, den Tieren mache das Wetter aber wenig aus. «Sie profitierten gar davon, weil das Gras wie wild wächst», sagt Präsident Peter Heuberger. Zudem sei den Tierpflegenden aufgefallen, dass die Minipigs bei Regen viel mehr schlafen.