Analyse
Referendum in Küttigen: Das Schreckgespenst ist die Fusion – mit Aarau

Am 18. Mai steht in Küttigen die Abstimmung über das Projekt «Zukunftsraum Aarau» bevor. Die SP hatte das Referendum gegen den Nein-Entscheid der Gmeind erfolgreich ergriffen.

Hubert Keller
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Blick von der Wasserfluh auf Küttigen und Aarau. Nach Meinung der SP soll auch Küttigen den Zukunfsraum Aarau mitgestalten.

Blick von der Wasserfluh auf Küttigen und Aarau. Nach Meinung der SP soll auch Küttigen den Zukunfsraum Aarau mitgestalten.

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Am 18. Mai stimmen die Küttigerinnen und Küttiger darüber ab, ob sie am Projekt «Zukunftsraum Aarau» weiter mitmachen wollen oder nicht. Es geht um den Gemeindebeitrag von 13 000 Franken, der an der Dezembergmeind mit 109 gegen 86 Stimmen bachab geschickt worden ist. Das Projekt «Zukunftsraum Aarau» sieht vor, dass in der dritten Phase die Optionen «Verstärkte Kooperation» und «Fusion» detailliert geprüft werden. Für diese Abklärungen sollen die Gemeindebeiträge inklusive die 13 000 Franken von Küttigen eingesetzt werden.

Hubert Keller

Hubert Keller

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«Wehret den Anfängen, ja keine Fusion, erst recht nicht mit Aarau!» Die Reaktionen waren laut und aggressiv, als die SP Küttigen-Rombach sich erdreistete, das Referendum gegen den Gemeindeversammlungsbeschluss zu ergreifen. Viele Menschen, ob sie nun in Buchs, Gränichen, Suhr oder in Küttigen wohnen, verbinden mit Fusion Verlust an Identität, Heimat, Zugehörigkeit und Zusammenhalt. «Als ich eine Bekannte in Rohr anrufen wollte, musste ich im Telefonbuch unter Aarau suchen. Rohr gibt es nicht mehr», empörte sich eine Küttigerin an besagter Gemeindeversammlung im Dezember.

Dem Projekt «Zukunftsraum» liegt eine Absichtserklärung zugrunde, mit der die Gemeinden Aarau, Biberstein, Densbüren, Erlinsbach AG, Küttigen, Muhen, Niedergösgen, Oberentfelden, Schönenwerd und Unterentfelden ihren Willen dokumentieren, ein Projekt zur Stärkung der Region um Aarau, eben des Zukunftsraums, zu lancieren und gemeinsam nach neuen, weiterführenden Lösungen zu suchen. Suhr arbeitet ebenfalls mit, hat aber das Dokument nicht unterzeichnet. Buchs und Gränichen sind nicht dabei.

Die beteiligten Gemeinden haben ihre Beiträge für die dritte Projektphase über das Budget bewilligt, ausser die Gemeinde Küttigen, deren Gemeinderat bei diesem Schritt das Okay der Gemeindeversammlung wollte. Suhr stellt die nötigen finanziellen Mittel ebenfalls zur Verfügung, möchte jedoch einen anderen Weg gehen, einen Weg, der die Bevölkerung stärker beteiligt.

Die Verflechtungen in der Region sind derart vielfältig, dass eine gute Zusammenarbeit unabdingbar geworden ist. Um das zu belegen, kann jede Gemeinde als Beispiel dienen. Also auch Buchs, das in insgesamt 23 Organisationen und Verbänden über die Gemeindegrenze hinaus mitmacht: Alterszentrum Suhrhard, Regionale Informationsstelle Alter, Gemeindeverband Kehrichtbeseitigung, Grundwasserverband, Forstbetrieb, Sanitätshilfsstelle, Schule, Kunsteisbahn, Mütter- und Väterberatung, Regionalplanung, Verkehr, usw.

Dass die Kooperation verbessert werden kann, dieser Meinung sind wohl alle Entscheidungsträger in den Nachbargemeinden von Aarau. Wohl auch in Buchs und Gränichen. Und in Küttigen. Was die ganze Sache aber unberechenbar macht, ist der emotionale Abwehrreflex, der in Teilen der Bevölkerung unweigerlich geweckt wird, sobald das Wort «Fusion» ins Spiel kommt. Rationale Argumente haben es da schwer.

Die Vision des Stadtrats Aarau war und ist es, die bereits heute intensiv verflochtenen und baulich zusammengewachsenen Gemeinden im Raum Aarau zu einer «lebenswerten und wettbewerbsfähigen Stadt mit schweizerischer Ausstrahlungskraft» zusammenzuschweissen. So steht es im Leitbild der Stadt. Ob die Nachbarn diesen Weg mit Aarau gehen wollen, das entscheiden allerdings nicht die Aarauer, sondern jede Gemeinde einzeln für sich. Und so ist auch der Ausstieg (aber auch der Beitritt) aus dem Projekt «Zukunftsraum» jederzeit möglich. Ein späteres Nein zu einer allfälligen Fusion sowieso. Die vorsorgliche Abwehr ist also gar nicht nötig.

Wer mitbestimmen will, wie es in der Region und mit der Region weitergeht, der ist für das Projekt «Zukunftsraum Aarau». Ein Verrat an der eigenen Gemeinde ist das nicht. Ob der eingeleitete Prozess ohne Buchs, Gränichen und Küttigen aber noch Sinn macht, diese Frage stellt sich erst recht, wenn Küttigen auch aussteigt.

Die Gemeinde Suhr hat, wie erwähnt, einen anderen Weg aufgezeigt, einen Weg, den vielleicht auch die Gränicher, Buchser und Küttiger zusammen mit ihren Nachbarn gehen könnten? Ohne den grossen Bruder Aarau geht es aber nicht. Zu gross sind die gegenseitigen Abhängigkeiten.