Oberentfelden

Raumplanung: Wird das Einfamilienhaus zum Auslaufmodell?

Damit bis 2040 die geforderte Mindestdichte von 70 Personen pro Hektare erreicht wird, müssen in Neubauten 90 Personen/ha untergebracht werden. Im Römerpark (Bild), wo auf 4,4 ha rund 500 Menschen leben (über 100 Personen/ha), ist das Ziel erreicht.

Das Mitwirkungsverfahren zum Entwurf des räumlichen Entwicklungsleitbilds läuft noch bis zum 15. Mai.

Im November 2017 hat die Wintergmeind einen Gesamtkredit von 271'000 Franken für eine Gesamtrevision der allgemeinen Nutzungsplanung bewilligt. Im Wesentlichen geht es darum, Anpassungen an den gültigen kantonalen Richtplan sowie ans kantonale Baugesetz und die Bauverordnung vorzunehmen. An Änderungen auf kantonaler Ebene also, die ihrerseits dem seit dem 1. Mai 2014 in Kraft befindlichen revidierten Raumplanungsgesetz des Bundes (2014) Rechnung tragen. Die letzte umfassende Revision der Oberentfelder Ortsplanung geht zurück aufs Jahr 2000. Anpassungen ans übergeordnete Recht sind daher überfällig.

Am Montagabend haben nun die Vertreter des Gemeinderates in der Planungskommission (Gemeindeammann Markus Bircher und Gemeinderat Kevin Friker) und des beauftragten Planungsbüros, der Planar AG für Raumentwicklung, über den aktuellen Stand der Revision informiert. Zu der öffentlichen Veranstaltung erschienen rund 40 Interessierte. Derzeit befindet sich die Revision noch in der ersten Phase. Konkret liegt der Entwurf des Räumlichen Entwicklungsleitbildes vor. Bis zum 15. Mai läuft das Mitwirkungsverfahren. Noch in Bearbeitung ist der Gesamtplan Verkehr. Die Mitwirkung hierzu ist für den kommenden Sommer geplant. Auch die Aktualisierung des Landschaftsinventars ist noch im Gang. Strategiepapiere wie das Räumliche Entwicklungsleitbild sind behördenverbindlich. Das bedeutet auch, dass der Gemeinderat abschliessend entscheidet.

Planung 2020/21 abgeschlossen

In einer zweiten Phase geht es aufgrund der Grundlagendokumente und gestützt auf die Vorgaben von Bund und Kanton an die eigentliche Umsetzung der Revision. Ergebnisse dieser Phase sind unter anderem die Entwürfe des Bauzonen- und des Kulturlandplans. Die Entwürfe werden dem Kanton unterbreitet und der Bevölkerung vorgestellt. Sie werden öffentlich aufgelegt und durchlaufen ein Einwendungsverfahren. Gegen die Beschlüsse kann Beschwerde geführt werden. Haben die Gemeindeversammlung und der Regierungsrat den Entwürfen zugestimmt, kann die neue Nutzungsplanung in Kraft treten. Wie Gemeinderat Kevin Friker ausführte, wird erwartet, dass der Planungsprozess 2020 oder 2021 abgeschlossen werden kann.

Gemäss dem kantonalen Raumkonzept, auf das sich der kantonale Richtplan abstützt, zählt Oberentfelden zum urbanen Entwicklungsraum des Kantons. Urbane Entwicklungsräume sind, so steht es im Raumkonzept, «Standorte für urbanes Wohnen und bieten dem umliegenden ländlichen Raum Arbeitsplätze, Absatzmärkte, Dienstleistungen und wichtige Infrastrukturen. Ein grosser Teil des Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstums findet in diesem gut erschlossenen Raum statt. Die urbanen Entwicklungsräume sind stark durch den Verkehr belastet und sollen städtebaulich aufgewertet werden.»

In 20 Jahren 11 000 Einwohner?

Klar ist damit, wie sich die Planar-Vertreter ausdrückten, dass Oberentfelden wachsen soll. Zählte die Gemeinde 2017 noch 8109 Einwohner, sollen es gemäss den Erwartungen des Kantons 2030 schon 10'240 und 2040 gar 11'050 sein. Da mit dem neuen Raumplanungsgesetz des Bundes ein Kulturwandel erfolgt ist und die Siedlungsentwicklung künftig nach innen erfolgen soll, heisst das Schlüsselwort auch für Oberentfelden «Verdichtung». In einer Gemeinde wie Oberentfelden mit ausgedehnten Einfamilienhäuserquartieren orten die Planer ein erhebliches Verdichtungspotenzial. Manuel Peer von der Planar AG für Raumentwicklung äusserte die Erwartung, dass Pensionierte künftig vermehrt ihr Einfamilienhaus verlassen und in eine zentral gelegene Wohnung umziehen. Die neuen Eigentümer würden dann das Einfamilienhaus abbrechen und auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus errichten. Peer wie Andrea Gammeter (ebenfalls Planar AG) sprachen auch die Möglichkeit an, dass sich zwei Grundeigentümer zusammen tun und gemeinsam ein grösseres Mehrfamilienhaus bauen.

Das Problem in Oberentfelden besteht darin, die Vorgabe von Bundesgesetz und Richtplan (70 Personen pro Hektare) einzuhalten. Die Entwicklung, so Peer, habe eine falsche Richtung genommen. Die jüngste Statistik (2010) zeige für Oberentfelden einen Wert von 56 Personen/ha. Damit bis 2040 die geforderte Mindestdichte von 70 Personen/ha erreicht werden könne, sagte Peer, müssten in Neubauten 90 Personen/ha untergebracht werden können.

Fragebogen für die Mitwirkung

Die Schwerpunkte und Leitsätze des Räumlichen Entwicklungsleitbilds lauten: Innenentwicklung mit Qualität, Stärkung des Ortskerns, Förderung der Arbeitsplatzgebiete, Bewahrung der Freiraumqualitäten und Naturwerte, Sicherstellung einer attraktiven Infrastruktur sowie Abstimmung von Siedlung und Verkehr aufeinander. Wer sich dazu sowie zum räumlichen Zielbild und den sogenannten Handlungsgebieten mit Potenzial für eine Umstrukturierung (zum Beispiel ein Teil des Bürsti-Areals und das WEZ-Areal) im Rahmen der Mitwirkung äussern möchte, findet auf der Gemeindehomepage einen Fragebogen, der elektronisch oder handschriftlich ausgefüllt werden kann. Bis zum 15. Mai muss er bei der Gemeinde eingereicht werden. Für die Mitwirkung muss das Räumliche Entwicklungsleitbild natürlich eingesehen werden können. Es werde so schnell wie möglich auf der Gemeindehomepage zur Verfügung gestellt, hiess es gestern. Einstweilen kann es über kanzlei@oberentfelden.ch angefordert werden.

Autor

Ueli Wild

Ueli Wild

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