Aarau
Rasenmähen im Aarauer Schachen: Sisyphusarbeit auf 6,5 Hektaren

Mitte August und nirgends dürre Flecken: Das Gras wächst und wächst. In diesem Sommer ist die Arbeit für den Sportplatzwart im Schachen nie zu Ende.

Sabine Kuster
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Werkhofmitarbeiter Roland Senn sorgt mit seinem Holder-Rasenmäher dafür, dass der Ball am Samstag im Schachen gut rollt.

Werkhofmitarbeiter Roland Senn sorgt mit seinem Holder-Rasenmäher dafür, dass der Ball am Samstag im Schachen gut rollt.

KUS

Die Gärtner kommen mit Zurückschneiden nicht nach und die Schnecken sind feiss. Das Sommer-2014-Wetter ist ein englisches. Bloss führt englisches Wetter leider nicht automatisch zu englischem Rasen.

Wir stehen auf Aaraus grösster Wiese: dem Schachen. 20 Hektaren Grasland, das entspricht 28 Fussballplätzen. Es ist der einzige Ort in der Stadt, der ein Gefühl von Weite vermittelt. In luftiger Distanz sind der Gösger Kübel, der Eppenberg, der Alpenzeiger und die Stadt zu sehen. Ein herrlicher Arbeitsplatz! Werkhofmitarbeiter Roland Senn verzieht keine Miene. «Wenn ich mit Mähen fertig werden muss, ist der Schachen immer zu gross», sagt er.

Aber morgens, wenn Tau liegt, ist es dann nicht besonders schön hier zu mähen? «Wenn Tau liegt, ist es besonders mühsam», sagt Senn, «dann muss ich langsamer fahren, damit das geschnittene Gras nicht verklumpt.» Aber man sehe hier keine Hausmauern, sagt er dann doch, das sei schön, und Hindernisse zu umfahren gebe es auch wenige.

20 Hektaren

So gross ist die Schachenwiese. 6,4 ha davon ist Sportgelände mit sechs Fussballfeldern.

Greenkeeper-Vokabular

mulchen: den Rasen so fein schneiden, dass die Halme liegen bleiben können

aerifizieren: dem Boden Luft zufügen

tiefenlockern: feine Löcher in den Boden drücken und mit Sand auffüllen

«Aber am Ende ist es einfach Arbeit. Wenn das Gras so enorm wächst wie jetzt, muss man durchbeissen und das schöne Wetter nutzen.» Dann steigt Senn morgens auf seine Maschine, einen Holder, zwei Tonnen schwer, rund 150 000 Franken teuer, und fährt sieben Stunden lang durch. «Weil», sagt Platzchef David Schaller, «am nächsten Tag ist das Gras bloss noch länger.»

Schaller arbeitet seit fünf Jahren im Schachen. Er erinnert sich: «Früher hat man hier bloss einmal pro Woche gemäht.» Klar sei am Mittwoch das Fussballspielen dann schwieriger gewesen. Heute sind die Ansprüche grösser: Dreieinhalb Zentimeter hoch darf das Gras nur noch stehen – immerhin 7 Millimeter höher als der Fifa-Standard.

Mähen, mähen, mähen

Um die Höhe zu halten, müssen Senn und Schaller bei diesem Wetter dreimal in der Woche drüber. Und weil die Stadt noch mehr Rasenflächen hat, tut Roland Senn im Moment nichts anderes als mähen. Sisyphusarbeit auf 6,5 Hektaren.

Manchmal, sagt er, wenn es trotz der Klimaanlage in der Fahrkabine heiss wird und das Gras vor seinen Augen vom langen Starren verschwimmt, muss er aussteigen und im Schatten eines Baumes den Kopf auslüften.

«Während des Fahrens ein SMS schreiben, das geht nicht», sagt Platzwart Schaller, dann sei es meinst schon passiert und die Spur krumm. Es muss nicht perfekt sein, wie oben im Brügglifeld, aber Berufsstolz haben die beiden auch.

Schaller absolviert momentan eine Ausbildung als Greenkeeper von Sportplätzen in Deutschland. Stadionrasen werden gehegt und gepflegt, gedüngt, gelöchert, gelockert, besandet – und geschnitten. Die Sortenmischung der Gräser ist ausgeklügelt.

Raygras und Wiesenrispe, das eine hat robuste Wurzeln, das andere vermehrt sich gut. Die am stärksten beanspruchte Fläche, die Linie zwischen den Goals, muss immer wieder neu eingesät werden. Schaller macht es von Hand. «Am besten vor einem Spiel, dann drücken die Spieler mit ihren Schuhen die Samen in die Erde.»

Weniger Federlesen für die Kühe

Da geht es im restlichen Teil des Schachens schneller und unkomplizierter zu und her: Die Familie Knörr hat die gut 13 Hektaren gepachtet und schneidet die Fläche meist dreimal im Jahr mit einem Mäher, der es auf drei Hektaren pro Stunde bringt. Häufiger mäht Peter Knörr auch dieses Jahr nicht – es gibt pro Schnitt bloss etwas mehr Gras. Allerdings war der zweite Schnitt im Frühling so mager, dass es keine 2014-Rekord-Heuernte gibt.

Der viele Regen macht auch den Knörrs zu schaffen: «Es ist immer ein Rennen gegen das Wetter», sagt Susanne Knörr, «und gegen die Anlässe.» Dieses Jahr habe der Circus Knie mässig Schäden hinterlassen, aber nach einem Schützenfest im Schachen müssen die Knörrs erst mal neu ansähen.

Immerhin: Der Schachen ist gegen Regen relativ robust. Es ist altes Schwemmland mit viel Sand und Geröll und einer nur dünnen Humusschicht. «So schnell versinkt hier kein Spiel im Wasser», sagt Schaller. Für die Arbeiter ist ein Regensommer mühsam, für die Wiese wäre Dürre schlimmer. Es gibt im Schachen nämlich keine Bewässerungsinfrastruktur.