Aarau
Rapper mit albanischer Mentalität und Schweizer Prinzipien

Die Rap-Videos von Kreshnik Kryeziu aka Kre$h sind witzig und beliebt. 70 000 Klicks zeigt Youtube – viel für einen Aarauer. Der Schweizer mit albanischen Wurzeln macht seine Herkunft zum Thema.

Elia Diehl
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Der Rapper Kre$h (mit Brille) mit Freunden im Musikvideo «De Albaner»

Der Rapper Kre$h (mit Brille) mit Freunden im Musikvideo «De Albaner»

Aargauer Zeitung

Lässig, das blonde Haar nach hinten gegelt, in Jeansjacke und Lederschuhen gekleidet, wartet Kreshnik Kryeziu am vereinbarten Treffpunkt in der Aarauer Altstadt.

Die blauen Augen des 23-Jährigen suchen unsicher nach einem Fixpunkt. Rhythmisch bewegt er Handy und Zigarettenpäckchen zwischen seinen Fingern hin und her. Er wirkt anders als der selbstbewusste und überspitzt protzige Rapper aus den Musikvideos.

Auf Youtube hat es der Aarauer als Rapper Kre$h in den letzten zehn Monaten zu Bekanntheit gebracht. Der gelernte Logistiker hat mit dem Label «famestore» von Sebastian Den Hollander vier witzige und beindruckend professionelle Rap-Clips produziert.

Seine ersten Videos «Gott vo de Stross» und «De Albaner» wurden beide schon über 70'000-mal angeschaut.

Schauspielerei als Leidenschaft

«Es geht mir nicht um Geld oder Ruhm», sagt Kryeziu, der als Sechsjähriger aus dem Kosovo immigrierte. «Ich will einfach, dass die Leute mich gerne haben.» Zu Beginn des Musikprojektes stand die Frage im Raum, was denn die Leute hier interessiere.

«Der Albaner interessiert», sagte er sich, «Ausländer in der Schweiz» wurde zum zentralen Element seines Schaffens. «Das ist aber eben ein heikles Thema», räumt Kryeziu ein, denn viele glaubten, dass Ausländer sich grundsätzlich schlecht benehmen würden.

Je länger das Gespräch, desto mehr weicht seine Zurückhaltung einem Redeschwall. «Ich bin kein stiller, sitzender Denker», sagt Kryeziu, der als Wachmeister in der Schweizer Armee dient.

Er sei spontan, gehe raus und beobachte. «Ich sehe, wie Ausländer herumlaufen, was sie tun und die Reaktionen anderer.» So hole er sich die Ideen für Text und Musikvideo.

«Oft übertreibe ich», so Kre$h, doch er spiele bloss mit Fakten und Klischees. «Es geht aber nie ohne Ironie!» Sich selbst nimmt der Spassvogel dabei auch nicht so ernst, er begibt sich in eine Rolle.

«Eigentlich bin ich mehr Schauspieler als Musiker - ein Entertainer.» Die ironischen Kurzfilme zu Beginn seiner Musikvideos bestätigen dies.

Obwohl kein Denker, Gedanken scheint Kryeziu sich sehr wohl zu machen, denn er hat viel mitzuteilen. «Ich habe so viel Power in mir - ich will etwas bewegen», sagt er mit erhobener Stimme, ohne etwas von seiner Sanftmütigkeit einzubüssen.

«Ich will ein Vorbild für jeden Ausländer sein», sagt er mit durchdringendem Blick. Albaner sein sei nichts Schlechtes. Man solle sich aber auch anpassen. «Die Leute sollen sagen ‹Schau, das ist der Albaner› und es positiv meinen.»

Ein Ratschlag des Vaters

Die Integration ist es, wofür sich Kre$h starkmacht. «Das war ‹mein› Ort der Integration», sagt er vor dem Aarauer Jugendkulturhaus Flösserplatz, wo er als Teenager meist nur mit Schweizern verkehrte.

Deswegen sei er heute integriert, ein Mensch mit albanischer Mentalität und Schweizer Prinzipien - und wegen eines Rates seines Vaters: «Passe dich an, aber bleibe du selbst. Unterhalte die Leute!»

Dass er mit seinen Videos auch Kritiker auf den Plan ruft, sieht Kryeziu als Ansporn, es rege ihn zum Nachdenken an. «Haben sie vielleicht recht?» Aufhören kommt aber nicht infrage, er hält an seinem Plan fest.

«Ich denke immer, ich schulde der Schweiz etwas», sagt er ernst. Oft befürchte er, dass Schweizer eine falsche Meinung von ihm haben. Eines ist für Kreshnik Kryeziu sowieso klar: «Meine Zukunft ist die Schweiz.»

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