Aarau

Rapper Chilli Mari über seine Musik: «Plumper Rap verleidet dem Publikum»

Chilli Mari spielt gerne mit dem Klischee des bösen Rappers. Doch dahinter steckt mehr.Chris Iseli

Chilli Mari spielt gerne mit dem Klischee des bösen Rappers. Doch dahinter steckt mehr.Chris Iseli

Am Freitag erscheint sein erstes Album. Er musst erst erwachsen werden.

Auch böse Buben haben schlaflose Nächte. Sascha Minder alias Chilli Mari drückt eine Zigarette aus und nimmt einen letzten Schluck Kaffee. «Ich habe Herzrasen», sagt er, die Aufregung lasse ihn kaum schlafen. Es ist der Tag vor seinem grossen Moment: Heute Freitag bringt der Aarauer Rapper nach einem Jahr Arbeit sein erstes professionelles Album heraus: «Kaligula», das auf einschlägigen Foren schon vor der Veröffentlichung in höchsten Tönen gelobt wird. Und von dem die erste Auflage von 300 Stück dank der Vorbestellungen schon fast vollständig ausverkauft ist.

So klingt das neue Album: Chilli Mari mit «Blibe för immer»

So klingt das neue Album: Chilli Mari mit «Blibe för immer»

Lange hat es gedauert. Im Februar wird Chilli Mari 33 Jahre alt, ein halbes Leben lang rappt er schon. Es ist auch nicht der erste Anlauf. 2008 brachte er sein erstes Mixtape raus. Den Durchbruch sollte es bringen, Auftritte, einen Plattenvertrag, Geld. Von der Musik leben wolle er, sagte er damals. Und für 2009 kündigte er das erste Album an.

In eine Krise gestürzt

Es kam anders. Kein Album innert Jahresfrist. Nicht die ganz grossen Bühnen, nicht das grosse Geld. Mal liefen andere Projekte mit seinen Crew-Kollegen von «Dopehawks», mal fehlte es an Zeit, dann an Inspiration. An Mut. Und dann kam die Krise, das Hinterfragen, die Antriebslosigkeit. Er war sich nicht gut genug, scheiterte an seinen eigenen Ansprüchen. «Ich musste mich erst selber finden, einen Reifeprozess durchlaufen», sagt Chilli Mari. «Und mir darüber klar werden, weshalb ich das tue.» Und? Er lächelt. «Ich tue es, weil ich es gern tue. Für mich. Ich liebe Rap, das Reimen, gute Beats, die man in der Magengrube spürt.» Und er liebe es, auf der Bühne zu stehen, die Sau rauszulassen.

Chilli Mari mit «Kaligula»

Die Rampensau, das sei aber bloss seine Künstlerseite, sagt er. Er wolle die Grenze zwischen Privatperson und Rapper wahren. «Ich bin ein Anständiger», sagt er und zählt grinsend die Beweise auf: Er habe eine schöne Kindheit gehabt, führe ein unaufgeregtes Leben in der Telli und sei ab und zu in Kunstausstellungen anzutreffen. Aber er spielt auch gerne mit dem Klischee des dumpfen Rappers, flucht gerne, guckt böse, zieht eine Schnute und zeigt sich in den Clips mit seiner Crew im Rücken. Diese Spielereien gehören dazu, sagt er. «Hip Hop kommt prollig daher.

«Fiire die Nacht»: Chilli Mari feat. Didi, zu hören auf dem neuen Album «Kaligula»

«Fiire die Nacht»: Chilli Mari feat. Didi, zu hören auf dem neuen Album «Kaligula»

Aber es braucht intelligente Texte, um Erfolg zu haben.» Gefragt seien Wortakrobaten, Texte mit Tiefgang. «Plumper Rap besteht nicht lange, das verleidet dem Publikum.»
Chilli Mari kehrt in seinen Texten nicht sein Innerstes nach aussen, das ist nicht seins. Er will mit ihnen auch nicht die Welt verbessern. «Gesellschaftskritik zu üben, erachte ich nicht als meine Aufgabe, sonst würde ich in die Politik. Ich will die Leute unterhalten.» Ja, sagt er und nickt. Unterhaltung mit Niveau, das sei seine Absicht.


Und wo will Chilli Mari hin? Will er von der Musik leben können, wie es ihm noch 2008 vorgeschwebt hatte? Er schüttelt den Kopf und lächelt milde. «Ich bin erwachsen geworden. Ich weiss heute, was möglich ist und was nicht», sagt er. Er wolle nachhaltig in Erinnerung bleiben, sich einen Namen in der Schweizer Musikszene verschaffen. Doch bei aller Bescheidenheit, ein Platz in den Schweizer Albumcharts ist erklärtes Ziel. Und eines, das in greifbare Nähe gerückt ist. Eine neue Pressung von «Kaligula» ist bereits in Arbeit.

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