Buchs/Aarau
Rappenspalter müllen Rastplatz zu – Gemeinden reagieren bisher nicht

Zwei Abstellplätze an der Kantonsstrasse im Wald zwischen Aarau und Rupperswil locken Abfallsünder an. Heinz Steinmann hat dies schon mehrmals den Behörden gemeldet, doch es tut sich nichts.

Sabine Kuster
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Heinz Steinmann vor dem Abfallhaufen gestern an der Hauptstrasse von Rupperswil nach Aarau.

Heinz Steinmann vor dem Abfallhaufen gestern an der Hauptstrasse von Rupperswil nach Aarau.

Sabine Kuster

Heinz Steinmann kann es nicht länger mitansehen. Oft, wenn er von Niederlenz nach Aarau in die Hundeschule fährt, türmt sich auf den Rastplätzen hinter Rupperswil der Abfall. Die beiden Abstellplätze im Wald entlang der Kantonsstrasse sind für Lastwagen-Chauffeure gedacht, die hier ihre vorgeschriebene Ruhezeit verbringen oder einen Anhänger abstellen um für eine Lieferung die schmalen Quartierstrassen befahren zu können.

Je ein Abfallkübel steht dort. Meist überfüllt, oft von einem Berg Abfall umgeben. Heinz Steinmann (71) sagt es deutsch und deutlich: «Es ist eine verdammte Sauerei. Ich verstehe nicht, wie jemand so etwas machen kann.» Steinmann ärgert sich über die regelmässige Unordnung. Schon lange liegt er den Behörden damit in den Ohren, genützt hat es noch nichts.

Denn anders als mitten in den Gemeinden, wo vielerorts aktiv gegen Littering vorgegangen wird, wird hier nur aufgeräumt: Einmal in der Woche leeren Mitarbeiter der Abteilung Verkehr beim Kanton die Kübel und säubern den Platz. Ausserorts entlang der Kantonsstrassen sind sie dafür zuständig. «Natürlich ärgert mich der Abfall und der damit verbundene grosse Aufwand», sagt Strassenmeister Roger Bütikofer. Aber das Aufräumen ist normal geworden.

Keine Busse im letzten Jahr

Kreisingenieur Manuel Baldi sagt: «Littering hat deutlich zugenommen.» Ab und zu machen die Arbeiter Stichproben, suchen im Abfall nach Hinweisen zu den Tätern. Finde man eine eindeutige Adresse, werde das der zuständigen Regionalpolizei gemeldet, sagt Baldi. Gebüsst werden kann dann entweder nach dem Umweltschutzgesetz des Bundes oder auf der Grundlage des Abfallreglements der Gemeinde.

Doch geschehen tut meist nichts. Laut der Buchser Gemeindeschreiberin Cornelia Byland wurde im letzten Jahr niemand gebüsst. «Die Abfallsünder sind meist clever genug und hinterlassen keine Couverts mit Adressen», sagt Byland.

Letzte Woche jedoch fand Heinz Steinmann eine Visitenkarte mit einem Arzttermin im Kehricht auf einem Abstellplatz. Zuerst war aber nicht klar, welche Polizei dafür zuständig ist, denn die Gemeindegrenze zwischen Aarau und Buchs verläuft genau auf der Hauptstrasse. Ein Grenzstein schuf Klarheit und Steinmann ging zum Polizeiposten in Buchs.

Der Fall wurde aufgenommen, doch Polizist Ronny Fricker sagt: «Wir sind noch nicht weiter.» Was das Dorfzentrum betrifft, ist Fricker gegen Littering sehr aktiv: Der Polizist hatte 2011 eigens eine Plakatkampagne lanciert. Und bei der Multisammelstelle beim Werkhof wird die Gemeinde noch dieses Jahr eine Überwachungskamera installieren.

«Warum nicht auch beim Rastplatz an der Hauptstrasse?», fragt Steinmann. Eine Fotofalle wie für den Luchs, schlägt er vor. Oder zumindest Kameraattrappen. Steinmann hat dem Kanton schon Briefe geschrieben, geschehen ist nichts.

Polizist: «Einfach abmontieren»

Handeln müssten aber ohnehin die Gemeinden Buchs und Aarau, auf deren Grund die beiden Plätze liegen. «Bis jetzt war es kein Thema», sagt Cornelia Byland. Und weiter: «Wir würden die Installation einer Kamera prüfen.» Eine einfachere Lösung sieht Regionalpolizist Ronny Fricker: «Man könnte den Abfallkübel abmontieren», sagt er, «dann wäre das Problem gelöst.»

Tatsächlich sagt Strassenmeister Roger Bütikofer vom Kanton, man habe einmal einen beschädigten Kübel an einem anderen Ort abmontiert und erst nach zwei Wochen ersetzt: «In dieser Zeit gab es kein Littering.» Doch er gibt zu bedenken, dass die Kübel für die Chauffeure seien, die dort zum Beispiel ihre Aschenbecher leeren. Büttikofer ruft die Bevölkerung auf, sich die Autonummern von Leuten zu notieren, die Abfall deponieren und sie er Polizei zu melden.

Heinz Steinmann hat noch nie ein Abfallsünder auf frischer Tat ertappt. «Einmal lag plötzlich Güsel dort, als ich nach nur zehn Minuten die Strecke zurück fuhr», sagt er.

Gestern Abfall auf Rastplatz Aarau

Gestern Morgen stand er nach einem Spaziergang mit seinem Hund wieder vor einem Abfallberg. Diesmal auf jenem im Aarauer Stadtgebiet. PET-Flaschen, Verpackungen, Windeln, ein Spielzeugauto – von allen Detailhändlern war etwas dabei, von den beiden grössten ausschliesslich die Budget-Marken.

Zwei Franken bis zwei Franken fünfzig. So viel kostet ein Kehrichtsack mit 35 l Inhalt in den Gemeinden der Region. Ein Kafi bekommt man für diesen Preis heute nicht mehr. Und doch ist es offenbar genug Geld, dass Leute ihren Hauskehricht zu den Abstellplätzen fahren.