Aarau
Purzelnde Preise: Für Schnäppchenjäger ist jetzt Hochsaison

Obwohl die Menschen im Januar auf ihr Geld achten, können sich die Läden nicht über fehlende Kundschaft beklagen. Schuld daran sind die zahlreichen Ausverkäufe - Schnäppchenjäger stopfen das Januarloch.

Isabelle Schwab und Janine Müller
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Im Januar klafft bei vielen ein grosses Loch im Portemonnaie. Die Festtage haben Geld verschlungen, die Skiferien müssen bezahlt werden, auf dem Tisch stapeln sich die Rechnungen und die Steuern sollten auch noch beglichen werden. Für Konsumenten ist das Januarloch ein Graus. Für die Läden ist der Monat Januar nach dem verkaufsstarken Dezember jedoch eine gute Gelegenheit, die Lager zu räumen und Raum zu schaffen für neue Angebote. Dabei locken sie mit Winteraktionen.

«Der Ausverkauf im Coop City ist ein Bestandteil der Umsatzförderung», sagt Urs Meier, Mediensprecher von Coop. Der Abverkauf rentiert auch bei «Wir verzeichnen eine gute Frequenz», sagt Elle Steinbrecher von Manor. In der Manor-Filiale rückläufig seien die Warenumtausche; auch eine Folge des Anstiegs des Verkaufs von Geschenkkarten.

Die Konsumenten achten im Januar grundsätzlich auf Aktionen. Sie wenden sich eher wieder konventionelleren Produkten zu. Extravaganzen kämen weniger auf den Tisch, heisst es vonseiten der Migros.

Januaraktion bei den Metzgern

Das bekommen auch die Metzgereien in Aarau zu spüren. Von einem Januarloch will man jedoch nicht reden: «Es sind eher Lücken», erklärt Beat Huber, Filialleiter der Metzgerei Speck in Aarau. «Nach den Weihnachtstagen flaut der Verkauf zwar ab, die Kunden verlassen uns aber nicht gänzlich.» Wohl auch, weil es bei allen Metzgereien seit Jahren eine traditionelle Januaraktion gibt: Zum halben Kilo Hackfleisch gibt es in diesem Monat eine Packung Spaghetti umsonst.

In Aarau beklagt sich kaum jemand über die angebliche Konsum-Flaute im Januar. «Das schöne Wetter und der Ausverkauf kurbeln das Geschäft eher noch an», sagt etwa die Geschäftsführerin des Landbecks Aarau, Corina Weibel.

Tatsächlich trifft man in diesen Tagen einige Schnäppchenjäger in den Aarauer Strassen an. Nicht, weil sie möglichst günstig einkaufen müssten. Man will schlicht vom Ausverkauf profitieren. «Jetzt muss man noch zugreifen, bevor die neue Kollektion da ist», sagt etwa eine junge Frau, bevor sie weiter einen Berg herabgesetzter Kleider durchwühlt.

Valeria Callerame aus Dottikon «Ich bemerke das Januarloch vor allem durch die schlechte Laune meiner Mitmenschen. Einige sind fast schon depressiv. Die Regale sind halb leer, weil alles heruntergeschrieben ist und bald eine neue Kollektion kommt.»
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Susanna Ruggeri aus Hirschthal: «Ich achte immer auf Aktionen. Wer pensioniert ist, muss das fast. Weil wir zu Weihnachten keine Geschenke mehr machen, müssen wir im Januar nicht speziell auf unser Geld achten. Bei einer guten Aktion greife ich zu.»
Vera Kostadinovic aus Aarau: «Ich arbeite im Detailhandel und merke, dass die Leute weniger einkaufen. Ich selbst schaue auch ein bisschen mehr aufs Geld und achte auf Aktionen. Aber eigentlich könnte ich in jedem Monat von einem Januarloch reden.»
Corina Weibel, Geschäftsführerin des Landbecks in Aarau: «Im Januar ist unser bestverkauftes Produkt der Dreikönigskuchen. Bis jetzt haben wir also noch nicht viel vom Januarloch gemerkt. In den Sportferien stagniert der Verkauf aber oft, weil dann sehr viele Leute weg sind.»
Bryan Reck aus Safenwil (r.): «Ich kannte den Ausdruck ‹Januarloch› bis eben nicht. Bei mir und im Geschäft scheint es kaum etwas zu beeinflussen.» Patrick Reichmuth aus Luzern: «Ich habe zum Glück Weihnachtsgeschenke bekommen, das gleicht aus.»
Anna Weiersmüller aus Rohr: «Ich finde die Preispolitik der Läden verrückt: Vor Weihnachten bezahlt man für Spielzeug viel zu viel. Danach bekommt man es für den halben Preis. Wer aber für seine Kinder ein Geschenk braucht, hat keine Wahl.»
Michele Ricci, Besitzer Metzgerei Ricci in Aarau: «Weil wir dadurch, dass wir Bio-Fleisch verkaufen, fast schon ein Spezialitätengeschäft sind, macht uns das Januarloch kaum zu schaffen. Die Leute kommen von weit her in unser Geschäft.»

Valeria Callerame aus Dottikon «Ich bemerke das Januarloch vor allem durch die schlechte Laune meiner Mitmenschen. Einige sind fast schon depressiv. Die Regale sind halb leer, weil alles heruntergeschrieben ist und bald eine neue Kollektion kommt.»

Isabelle Schwab