An einer eritreischen Hochzeit mit rund 300 Gästen in der Auenhalle in Rohr prügelten sich rund 50 Personen. Die Folge: 25 Polizeipatrouillen aus dem ganzen Kanton Aargau mussten aufgeboten werden, um die Situation am Samstagabend zu beruhigen. Die Bilanz: zwei Verletzte, eine Person in Gewahrsam und ein unschönes Ende einer Hochzeit.

Es ist nicht die erste Massenschlägerei unter Eritreern. Schon in der Vergangenheit fiel die eritreische Diaspora in der Schweiz durch politische Auseinandersetzungen auf.

Szenen nach der eritreeischen Hochzeit in Aarau, die in eine Massenschlägerei ausartete

Szenen nach der eritreeischen Hochzeit in Aarau, die in eine Massenschlägerei ausartete

Der Honorarkonsul von Eritrea in der Schweiz, der Wettinger Arzt Toni Locher, sieht im Fall Rohr Alkohol als Ursache. Locher: "Es gibt keinen politischen Hintergrund. Auch die Botschaft in Genf weiss nichts davon." 

Auch Hochzeitsteilnehmer sprechen von Alkohol als Ursache für die Auseinandersetzung, wie sie gegenüber Tele M1 sagten.

Dennoch ist die Prügelei von Rohr für Honorarkonsul Toni Locher symptomatisch. In der jüngeren Vergangenheit seien eritreische Jugendliche und Männer durch Schlägereien oder sexuelle Belästigungen aufgefallen. "Das schadet dem Ruf der hier seit längerem lebenden Eritreer", so Locher. Meistens seien in die Schweiz gekommene unbegleitete Minderjährige involviert. Der Honorarkonsul: "Das ist ein zunehmendes Problem." 

Die Jungen seien frustriert, dass sie ihre Träume nicht verwirklichen könnten. Da sei der Griff nach dem Alkohol schnell ausgeführt, weil aber die ordnende Hand der Familie fehle, könne dies schnell einmal ausarten.

Zu viele unbeaufsichtigte Junge

Weder die alte Diaspora noch die Schweizer Gesellschaft könnten diese in der aktuell grossen Zahl aufnehmen. Er plädiert dafür, die Jugendlichen zurück nach Eritrea zu schicken, zurück in die Obhut von deren Eltern. Auch denen könne nicht gefallen, dass ihre Kinder in der Schweiz im Alkohol ertränken oder in der Prostitution landeten.

Das ist aktuell nicht so einfach. Die Schweiz und Eritrea sind sich in dieser Frage uneins. Eritrea verweigert die Rückübernahme seiner Landleute. Während die Schweiz prüft, ob Flüchtlinge aus Eritrea im Heimatland tatsächlich an Leib und Leben bedroht sind, glaubt Locher dies nicht.

Von Äthiopien finanzierte Schläger

Damit unterscheidet sich der aktuelle Fall Rohr von früheren.

Anfang Juni 2013 war es in der Stadthalle Dietikon und im Ortszentrum zu Auseinandersetzungen unter Eritreern mit Verletzten gekommen. Hunderte waren damals ins Limmattal gereist, um das 22. Jahr der Unabhängigkeit des Landes zu feiern, die 1993 nach einem dreissigjährigen Krieg gegen Äthiopien eintrat. Die Kantonspolizei Zürich musste damals wie die Aargauer Kollegen nun mit einem Grossaufgebot intervenieren. Zwei Personen wurden verhaftet.

Honorarkonsul Toni Locher zeigte sich 2013 überzeugt, dass es sich im Falle von Dietikon um eine Schlägerbande handelte, die aus Äthiopien finanziert wurde, um Unruhe zu stiften. Seit 2008 habe diese Gruppe immer wieder versucht, Events zu stören.

2011 hatte die Kantonspolizei Zürich einen Demonstrationszug von rund 120 Personen in Winterthur gestoppt. Er war unterwegs zur City Halle gewesen, wo Eritreer den Unabhängigkeitstag ihres Landes gefeiert hatten. Die Polizeikräfte hatten den Demonstrationszug eingekesselt und so Schlimmeres zu verhindern vermocht.