Es ist das Verdienst eines privaten Vereins, dass es auch dieses Jahr ein Zelt gibt. Das Zelt ist nämlich dem allgegenwärtigen städtischen Sparstift zum Opfer gefallen. Ohne dass eine private Trägerschaft die Finanzierung sicherstellt, geht nichts mehr. Neun Personen haben deshalb die Initiative ergriffen und den Verein «Das Maienzugzelt» gegründet. Aktuell gehören ihm über 160 Mitglieder an, die sich mit einem Jahresbeitrag von 200 Franken für das Weiterbestehen der Festzelt-Tradition stark machen.

Neuer Standort für das Zelt

Trotzdem: Es bleibt nicht alles beim Alten. Danièle Zatti Kuhn, Präsidentin des Vereins, und Vizepräsident Dieter Felber erklären vor Ort, was am kommenden 1. Juli anders sein wird. Die augenfälligste Neuerung: Das Zelt soll auf der Westseite des Maienzugplatzes, in der Verlängerung des bestehenden Festplatzes zu stehen kommen, sprich auf der Wiese zwischen der Riviera und dem Allmendweg. Der Besucherstrom in Richtung Rummelplatz jenseits des Allmendwegs wird auf der Nordseite am Zelt vorbeigeleitet. Für das Catering ist neu die Thommen Gastronomie AG zuständig. Für den Sound wird hingegen wiederum das Tanzorchester «This Masquerade» mit der Sängerin Claudine Weber-Hilty sorgen.

Schlagerabend nicht bewilligt

Das Zelt ist auf der Wiese einfacher zu platzieren als am früheren Standort mit seinem dreieckigen Grundriss. Die Kosten würden schon deshalb künftig sinken – und damit auch die Jahresbeiträge der Vereinsmitglieder –, versprechen Zatti und Felber. Die Bilanz hätte der Verein dieses Jahr gerne mit einem besonderen Event aufgebessert, doch daraus wurde nichts: Am Maienzugvorabend, um 17 Uhr, findet die erste Generalversammlung statt. Im Zelt, versteht sich. An die GV, dachten sich die initiativen «Festfreunde», liesse sich doch leicht ein Schlagerabend anhängen. Beim Verein Maienzug-Vorabend habe sich die Begeisterung freilich in Grenzen gehalten. Zatti und Felber zeigen dafür Verständnis: Schliesslich wäre das Zelt eine Konkurrenz zu den beim Vorabend engagierten Beizen oben in der Stadt. «80 Dezibel haben sie uns zugebilligt, das ist so gut wie nichts», sagt Felber. Eigentlich liegt die Wiese ohnehin ausserhalb des Vorabend-Perimeters und damit gar nicht im Kompetenzbereich des Vereins Maienzug-Vorabend. Also wandte man sich an den Stadtrat. Mit dem gleichen Erfolg wie das Jugendkulturhaus Flösserplatz mit seiner Afterparty. Die Bewilligung wurde nicht erteilt.

Von der Wiese aus sieht man übrigens hinüber zum Zelt, wo das EM-Public-Viewing des Gasthofs «zum Schützen» stattfindet. Am Maienzug-Vorabend, ab 21 Uhr, werden die Viertelfinals ausgetragen. 93 Dezibel seien zugelassen, weiss Dieter Felber. Für den Schlagerabend hätte man die auch gebraucht. Wenn er erlaubt worden wäre.

Ein mögliches Missverständnis möchten die Spitzen des Vereins «Das Maienzugzelt» vermeiden. «Das Zelt steht natürlich der ganzen Bevölkerung offen, nicht etwa bloss den Vereinsmitgliedern.» Und auf www.dasmaienzugzelt.ch kann man seinen Tisch reservieren. Das empfehle sich für den Fall, dass es am Abend des 1. Juli regnen sollte. Dann könnte es im Zelt nämlich eng werden.