Konzert
Präsidentin des Frauenchors: «Es gibt zu viele schöne Musikstile»

Zur Feier seines 90-jährigen Bestehens setzt der Frauenchor Aarau auf Ohrwürmer. Unter dem Motto «Let’s Sing» tritt der Chor, begleitet von der Aarauer Band «Cheeky Badgers», am nächsten Sonntag, 17 Uhr im Saal 2 des Kultur- und Kongresshauses auf.

Ueli Wild
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Vom Cäcilienverein zum dynamischen Frauenchor – die kecke Rock-Göre auf dem Plakat symbolisiert den Imagewandel.

Vom Cäcilienverein zum dynamischen Frauenchor – die kecke Rock-Göre auf dem Plakat symbolisiert den Imagewandel.

zvg

Das Plakat ist in Aarau allgegenwärtig: Ein kleines Mädchen, ganz in Pink, steht da in rockiger Pose in zu grossen Pumps. Zu gross sind auch die Sonnenbrille und die Gitarre, auf deren oberer E-Saite die Kleine eben herumzupft. Falsch erraten: Der Hingucker macht nicht auf ein Kinder-Karaoke aufmerksam, sondern auf das Jubiläumskonzert des Frauenchors Aarau, vor 90 Jahren als reiner Frauenchor gegründet und bis vor einem Jahr bekannt als Cäcilienverein Aarau. Der frühere Name war ein Bekenntnis zur Kirchenmusik, deren Patronin die Märtyrerin Cäcilia ist. Unter dem Motto «Let’s Sing» tritt der Chor nun, begleitet von der jungen, vierköpfigen Aarauer Band «Cheeky Badgers», am nächsten Sonntag, 17 Uhr im Saal 2 des Kultur- und Kongresshauses Aarau (KuK) auf – mit einem Programm, das laut Flyer populäre Felder wie Rock ’n’ Roll, Musical, Film, Pop und Schlager umfasst.

Zum 90. Geburtstag, sagt Präsidentin Susanne Heuberger, habe der Frauenchor etwas «Peppiges» machen wollen. Genau das solle das Plakat zum Ausdruck bringen. Wie schon beim Namenswechsel gehe es darum, das ein wenig angestaubte Image abzulegen. Man habe bewusst nicht die alten, klassischen Sachen aufwärmen wollen, die der Chor in den letzten Jahren zur Aufführung gebracht habe – zusammen mit dem Orchesterverein Niederamt, den Aarauer Stadtsängern und auch mit dem Reutlinger Liederkranz, dem Chor aus Aaraus deutscher Partnerstadt.

Was nicht heisse, dass sich der Chor künftig nicht mehr mit ernsterem Liedgut befassen wolle, betont Susanne Heuberger. Aber diesmal werde der Akzent nun auf altbekannte Melodien eher aus dem Unterhaltungssektor gelegt – sicher Songs «mit Wiedererkennungswert». Es sei, auch von den Tempi her, «ein wenig alles» dabei. «Es gibt zu viele schöne Musikstile», sagt Heuberger mit einem leichten Seufzer.

«Let’s Twist Again», «Imagine», «Ob-La-Di, Ob-La-Da», «Mambo Tonight», «You Are So Beautiful», «Capri Fischer», «Liebeskummer lohnt sich nicht», «Chanson d’Amour», «And All That Jazz», «I Say A Little Prayer», «The Rose» ... – die Bandbreite ist gross. Und es ist keineswegs so, dass Jugenderinnerungen der Sängerinnen das Programm bestimmt hätten. Das Durchschnittsalter des Chors schätzt Susanne Heuberger auf «zwischen 50 und 60». Unter den 27 aktiven Vereinsmitgliedern hat es auch solche unter oder um die dreissig – und wenige über siebzig. In den letzten Jahren sind viele neue Sängerinnen dazugekommen, darunter mehrere «hängengebliebene» Gastsängerinnen.

«Dynamisch unterwegs»

«Wir sind gut aufgestellt – dynamisch unterwegs», sagt Heuberger. «Wir waren schon mehr, aber auch schon weniger.» Die Konkurrenz im Kulturbereich sei gross, räumt die Präsidentin ein. Und dass ganz allgemein ein Chorsterben im Gang sei, lasse sich nicht bestreiten. Aber, ja, der Frauenchor sei selbstständig absolut lebensfähig, sagt Susanne Heuberger, angesprochen auf die 2016 geplatzte Fusion mit den Stadtsängern. Damals hatten diese dem Cäcilienverein Avancen gemacht – und am Ende kalte Füsse bekommen.

«Frechdachse» als Begleitung

Die Begleitband «Cheeky Badgers», als Schülerband entstanden, wurde dem Frauenchor von der Musikschule Aarau, genauer von Peter Roschi, empfohlen. «Ganz talentierte junge Männer», lautet Susanne Heubergers Befund. Ihre eigene Musik bezeichnen die vier Aarauer als «Creative Rock». Ihre erste EP haben die «Frechdachse» letztes Jahr im KiFF präsentiert. Bisher hat der Chor jeweils mit Emanuel Steffen, dem Pianisten der Band, geprobt. Am Samstag sind nun auch Bass, Gitarre und Schlagzeug dazugekommen.

Regina Domjan sprang ein

Lief der Countdown mit der Band ganz nach Wunsch ab, ergab sich drei Wochen vor dem Konzert ein ernsthaftes Chor-internes Problem. «Jelena Bulavko, unsere Leiterin, ist krank geworden», sagt Susanne Heuberger. «Wir mussten plötzlich jemanden finden, der sich zutraut, kurzfristig zu übernehmen.» Die Suche war von Erfolg gekrönt: Die ursprünglich aus Budapest stammende Opernsängerin Regina Domjan hat sich bereit erklärt, einzuspringen. In der Region leitet die renommierte Sopranistin seit letztem Jahr die Entfelder Sänger. Regina Domjan, sagt Susanne Heuberger nach zwei Proben mit ihr, sei nicht nur kompetent, sondern auch sehr motiviert – und vom Chor bestens akzeptiert.

«Wir sind guten Mutes», fasst Präsidentin Heuberger die Vorfreude zusammen. Das KuK, fügt sie an, sei auch die Top Location für den Chor. Von der Infrastruktur und vom Service her sei das KuK perfekt. Gesungen und gespielt wird zwar «nur» im Saal 2. Dies aber nach der Devise: Lieber vor vollem Haus im kleinen Saal als vor gelichteten Reihen im grossen.

«Let’s Sing» 90 Jahre Frauenchor Aarau, KuK, Saal 2, Sonntag, 24. Februar, 17 Uhr; www.frauenchor-aarau.ch