Sportanlage Winkel in Aarau

Präsident zum geplanten Ausbau: «Der FC Rohr verlangt ihn nicht, uns reicht die Anlage»

Finanzchef Raphael Gloor (l.) und Präsident Benjamin Löffel auf dem Trainingsgelände des FC Rohr. Im Hintergrund: die Überbauung Fuchswinkel.

Finanzchef Raphael Gloor (l.) und Präsident Benjamin Löffel auf dem Trainingsgelände des FC Rohr. Im Hintergrund: die Überbauung Fuchswinkel.

Die Sportanlage Winkel soll erweitert werden. Der FC Rohr fürchtet Probleme mit den Nachbarn.

Über Rohr braut sich etwas zusammen. Unweigerlich. Am 23.November wird sich der Aarauer Einwohnerrat zum zweiten Mal mit dem Ausbau der Sportanlage Winkel befassen: ein zusätzliches Garderoben-Gebäude, neu zwei Kunstrasenfelder anstelle der Naturrasenfelder plus ein kleineres Naturrasenspielfeld für die Junioren. Künftig sollen im Winkel neben dem FC Rohr und HNK Adria Aarau neu auch die FC Aarau Frauen trainieren. Der Kreditantrag lautet auf 5,406 Mio. Franken. Doch das Projekt hat Gegner – ein Anwohnerkomitee hat sich bereits formiert und Flugblätter verteilt.

Das macht Benjamin Löffel und Raphael Gloor Sorgen. Der Präsident und der Finanzchef des FC Rohr haben Angst, dass ihr Verein zwischen den Fronten – Stadt gegen Anwohner – aufgerieben wird. «Der Super-GAU wäre, wenn wir eine tolle Anlage bekämen, die wir dann wegen des Konflikts mit der Nachbarschaft nicht brauchen dürfen», so Benjamin Löffel. «Es ist grundsätzlich sehr positiv, dass der Stadtrat bereit ist, zu investieren. Aber der FC Rohr verlangt diesen Ausbau nicht, uns reicht die Anlage so, wie sie ist. Wir haben lieber ein gutes Verhältnis mit den Nachbarn. Dafür haben wir in der Vergangenheit einiges getan: zum Beispiel an Schäden an Fensterstoren beteiligt, von denen wir nicht mal wissen, ob wirklich wir sie verursacht haben.»

Stadtrat betont, er höre auf die Anwohner

Der Ausbau der Anlage bringt mehr Emissionen mit sich, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Erstens, weil mindestens ein weiterer Verein dort trainieren und spielen wird; zweitens, weil die Kapazität der Sportanlage Winkel stark ausgebaut wird – in der Einwohnerratsbotschaft ist sogar von einem «künftigen Ausbau zum Leistungszentrum» die Rede; drittens, weil die zwei Kunstrasenfelder einen ganzjährigen Betrieb ermöglichen.

Der zuständige Stadtrat Daniel Siegenthaler betont, die Bedenken der Anwohner seien in die Planung eingeflossen, etwa durch ein Parkkonzept, bessere Busverbindungen, klaren Lärmschutz-Auflagen. Aus den Reihen der «IG Winkel» ist allerdings zu hören, dass die Anwohner wenig Entgegenkommen des Stadtrats sehen.

Auch bei Löffel und Gloor bestehen Zweifel diesbezüglich. Massnahmen wie Gebühren fürs Parkieren und ein ausgedehnter Viertelstundentakt für den Bus hält Benjamin Löffel für untauglich: «Viele kommen direkt von der Arbeit. Da reicht es nicht, nach Hause zu gehen und dann mit den ÖV anzureisen.» Der Vereinspräsident war in der Projektdelegation, die der Stadtrat für den Ausbau der Sportanlage einberufen hat. «Zum mithören», betont Löffel, und will ausdrücken: Mitreden konnte er nicht. «Wir sind meilenweit davon entfernt, uns ernst genommen zu fühlen.»

Oben finden die Anliegen kein Gehör

Finanzchef Gloor sagt, er finde es schade, dass die Stadt nicht auf jene hört, die die Anlage tagtäglich benützen: «Wir wüssten ja, wie es hier läuft. Man kann sich zum Beispiel fragen, ob das neue Garderobengebäude wirklich genau dort stehen muss, wo es geplant ist – direkt bei den Häusern – oder ob es auf der anderen Seite der Anlage nicht besser platziert wäre.» Präsident Löffel ergänzt: «Von Anfang an sagten wir: Ein Kunstrasen reicht, der Rest kann Naturrasen bleiben. Das gäbe schon eine hundertprozentige Steigerung der Nutzungskapazität», sagt Löffel. «Für den FC Rohr und den Breitensport braucht es keine zwei Kunstrasenfelder und auch keine neue Garderobe.»

Im Verein besteht eine gewisse Angst, dass sich der FC Rohr – 4. Liga, mit Ambitionen auf die 3. – künftig den erfolgreichen FC- Aarau-Frauen unterordnen muss; dass diese Vorrechte in der Nutzung haben. «Niemand gibt gern Pfründe auf», gesteht auch Löffel ein. «Wir stehen hinterher definitiv schlechter da. Aber wir wollen nicht die Totengräber des Projekts sein. Es gibt einfach Punkte, die uns Sorgen machen.»

Was wollen die FC-Rohr-Vertreter anstelle des vorliegenden Projekts? «Ein Mittelding», sagt Raphael Gloor. Ein Ausbau, wenns sein müsse, aber nutzer- und anwohnerorientiert. Die neue Garderobe in einer anderen Ecke, und nur ein Kunstrasenfeld. Dass der Bedarf grösser sei, glauben die beiden entgegen den Berechnungen der Stadt nicht.

«Ich würde nicht mehr Ja sagen zur Fusion»

Den beiden Vertretern des FC Rohr merkt man ihren Frust an. Frust, der über die Jahre gewachsen ist. Löffel und Gloor sind Ur-Rohrer. Ihre Väter waren schon im Vorstand des 1928 gegründeten FC, ihre Grossväter haben die Anlage mit aufgebaut. Gloor hatte Nein gesagt zur Fusion Rohrs mit Aarau per 2010, Löffel Ja – «Der tiefere Steuerfuss und das Versprechen der Besitzstandswahrung für Vereine haben mich gelockt», sagt er heute. «Ich würde es nicht mehr machen.»

Die Vereine hätten verloren durch die Fusion. «Der FC Rohr ist heute gefangen im starren Reglement der Stadt. Es reduziert Vereine auf Nutzer der Anlagen, die sich nicht mehr einbringen dürfen und denen Möglichkeiten fehlen, finanzielle Mittel zu generieren oder durch Eigenleistungen Ausgaben einzusparen. Ein Beispiel: Wenn der Siphon in der Garderobe verstopft ist, können wir ihn nicht wie früher durch einen der Sanitäre im Verein unkompliziert und gratis reparieren, sondern müssen über die Stadt gehen und dann die Rechnung zahlen.» Auch der Finanzchef kritisiert den aus Sicht des FC Rohr überspitzten Formalismus, dem sich der Verein seit der Fusion zu fügen hat, etwa wenn ein Vereinsanlass organisiert werden soll. «Das Einholen aller Bewilligungen, die wir seit der Fusion brauchen, ist so mühsam, dass man die Lust daran verliert.»

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