Die Plastik von Willy Müller-Brittnau (1938 bis 2003) stand 25 Jahre vor der Hauptpost in nächster Nähe zum Bahnhof. Jetzt hat sie die Schweizerische Post weggeräumt. Dies weil sie hätte saniert werden müssen und sich auch kein Käufer fand. Seit Dienstag ist das farbenfrohe Kunstwerk weg.

Gegenüber Radio Argovia gab sich die Aargauer Kunstkritikerin Annelies Zwez empört. Es sei «jammerschade», dass die Plastik zerstört worden sei. «Müller-Brittnau hatte eindeutig eine nationale Bedeutung.» Kaum ein anderer Künstler hätte so eine breite Palette an Farben einsetzen und gleichzeitig die Balance halten können.

Grosses Bedauern

Auch bei Stadtrat Carlo Mettauer ist das Bedauern gross. Die Kunstkommission habe sich für den Erhalt der Plastik eingesetzt, sagt der für das Ressort Kultur verantwortliche Stadtrat, allerdings ohne Erfolg. Die Erben des Künstlers hätten auf die Rechte auf die Plastik verzichtet. Sie gleichsam an einen anderen Platz zu verpflanzen, wäre laut Mettauer aber schwer möglich gewesen.

Die einzige Möglichkeit, das Kunstwerk - es hätte sowieso restauriert werden müssen - zu erhalten, hätte darin bestanden, es abzubrechen, die Betonkerne am neuen Standort neu zu giessen und diese anschliessend mit den farbigen Plättli neu zu belegen. Mettauer schätzt, dass der Abbruch und Wiederaufbau des Kunstwerks einige Hundertausend Franken gekostet hätte. Er geht davon aus, dass Willy Müller-Brittnau für das Kunstwerk Pläne gezeichnet hatte und nach diesen die Plastik neu erstellt werden könnte.

Über die Schweiz hinaus beachtet

Willy Müller-Brittnau hatte eine geometrische Bildsprache entwickelt. Er war in den 60er- und 70er-Jahren über die Schweiz hinaus beachtet.

Übermalen oder erhalten, vor dieses Problem sah sich Mettauer auch bei der Sanierung des Pestalozzi-Schulhauses gestellt, wo im Eingangsbereich das Wandgemälde von Alfred Hofkunst aus dem Jahre 1983 gefährdet war. Der 2004 verstorbene Fotorealist Hofkunst war in den 70er- und 80er-Jahren ein Star der Schweizer Kunstszene. Mettauer ist glücklich, dass das Gemälde der Sanierung nicht zum Opfer fällt und gerettet ist.

Zwei Kunstwerke schmückten früher den Bahnhofplatz, das Schützendenkmal «Gelöbnis», eine Bronzeplastik von Julius Schwyzer (1922/24), und der «Träumer», eine Bronzeplastik von Ernst Suter (1977).

Das Schützendenkmal, ein Geschenk des Schweizerischen Schützenvereins an dessen Gründungsstadt, wurde restauriert und an den Rand des Kasernenareals gezügelt. Die ganze Übung kostete 675 000 Franken. Es verwundert deshalb nicht, dass sich die Stadt nicht nur mit der Standortwahl schwer tat.

Der «Träumer», laut Mettauer auch ein wichtiger Zeuge der Aarauer Kulturgeschichte, wartet im Werkhof beim Zeughaus auf einen neuen Standort. Gemäss Mettauer könnte sich die neue Kettenbrücke «Pont neuf» dafür anbieten.