Abbau
Post-Aus: Die Gemeinden sind kampfbereit – SP ruft zum Protest auf

Die neu veröffentlichte Liste der «zu überprüfenden» Postfilialen löst in der Region Unmut aus – in Rohr gibt es eine Protestaktion.

Nadja Rohner, Flurina dünki, Janine Gloor und Alice Sager
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An offiziellen Anlässen begrüsst Ammann Dieter Hauser stets die «lieben Küttiger» und die «lieben Rombächler». Man könnte meinen, die Gemeinden hätten einst fusioniert. Stimmt aber nicht – Küttigen hatte einfach immer zwei verschiedene Poststellen und Postleitzahlen.

Aber vor anderthalb Jahren wurde die Filiale Küttigen geschlossen, dafür gabs eine Postagentur in der Apotheke. Und nun ist auch die Poststelle Rombach akut gefährdet. «Filiale zu überprüfen», nennt die Post das. Insgesamt sind 32 Filialen im Aargau betroffen.

Die Gemeinde ist gar nicht glücklich: Ammann Dieter Hauser sagt, bei früheren Gesprächen mit der Post «stand vonseiten der Gemeinde stets im Vordergrund, eine der beiden Poststellen langfristig halten zu können. So ging der Gemeinderat mit der Installierung der Postagentur Küttigen davon aus, dass der Bestand der Poststelle Rombach langfristig sichergestellt ist». Eine Postagentur habe den Nachteil, dass «Dienstleistungen, insbesondere der Zahlungsverkehr, wesentlich eingeschränkt sind». Weder die Bevölkerung noch die Behörde oder das Gewerbe würden eine «weitere Veränderung der lokalen Postversorgung goutieren» und diese «mit aller Vehemenz bekämpfen». Der Gemeinderat werde umgehend bei der Post intervenieren.

Der Post einen Brief schicken

Auch fürs Erzbachtal sind die Neuigkeiten schlecht. Erlinsbach AG hat schon länger bloss noch eine Agentur. Wer in eine richtige Post will, geht nach Erlinsbach SO. Der dortige Poststellenhalter Willi Stadler wurde erst gerade für die SP in den Gemeinderat gewählt – mit einem Spitzenresultat. Doch auch diese Postfiliale steht jetzt auf der Kippe. «Wir rechnen noch nicht damit, dass sie wirklich zugeht», sagt Gemeindepräsident Markus von Arx. «Sicher werden wir der Post einen Brief schicken, in dem wir unseren Unmut sehr deutlich ausdrücken.» Vor allem für das Gewerbe, so der Gemeindepräsident weiter, wäre es ein Problem, «wenn sie für jedes Päckli nach Aarau müssten». Dort, in Aarau, hat die SP diese Woche 3500 Unterschriften für den Erhalt der Poststellen Telli und Rohr beim Stadtrat eingereicht. Nun teilt die Post mit, dass die Filiale Telli vorerst gesichert ist – die in Rohr aber nicht.

Die Post in der Aarauer Telli ist bis 2020 gesichert.

Die Post in der Aarauer Telli ist bis 2020 gesichert.

Ueli Wild

Für den Stadtteil, der nach der Fusion bereits die Verwaltung verloren hat, wäre die Schliessung ein weiterer Schlag. Stadtpräsidentin Jolanda Urech wurde am Donnerstagabend von der Post persönlich informiert. «Auch nach mehrmaligem Nachfragen konnte mir der Herr aber nicht sagen, was der Status ‹wird überprüft› konkret bedeutet», sagt sie der az. Man müsse also mit allem rechnen – Weiterbestand der Filiale, Agenturlösung, Schliessung. «Die Post hat zugesichert, dass die Gemeinden bei der Überprüfung mit einbezogen werden. Wir werden sie beim Wort nehmen.» Die SP-Petition helfe als Argument bei den Verhandlungen.

Die SP Aarau ruft derweil zur Kundgebung «gegen den drohenden Abbau des Service public» auf: «Die Rohrer Bevölkerung muss zeigen, dass ihr eine vollwertige Poststelle wichtig ist. Wir werden morgen Samstag um 9 Uhr eine Protestaktion vor der Rohrer Post durchführen.»

Wynen- und Suhrental

Die bestehenden Postfilialen im Wynental sind nicht in Gefahr. Im Suhrental ist die Poststelle Schöftland bis 2020 gesichert, Kölliken nicht. Gemeindeammann Fredy Gut überrascht dies: «Die Post hat uns zwar darüber informiert, dass die Poststelle überprüft wird, wir haben aber nicht damit gerechnet, dass sie ernsthaft in Gefahr ist.» Von den Safenwilern habe man erfahren, dass deren Poststelle mitsamt Paketlager geschlossen werde. «Weil die Post ja ein Paketlager braucht, hofften wir, sie würden dieses nach Kölliken zügeln», so Gut. Der aktuelle Status der Filiale Safenwil lautet ebenfalls «zu überprüfen».

Würde von der Post eine Schliessung der Kölliker Post kommuniziert, so werde man deswegen kaum auf die Barrikaden gehen, sagt Fredy Gut pragmatisch: «Ich glaube nicht, dass die Post einen solchen Entscheid rückgängig machen würde, da kann man noch so viele Unterschriften sammeln.»

Lenzburg-Seetal

Vor fünf Jahren zog die Seenger Post an die Unterdorfstrasse, vor drei Jahren wurde die Personalkapazität erweitert – nun ist die Filiale gefährdet. «Wir haben diese Neuigkeit sehr überrascht zur Kenntnis genommen», sagt Ammann Jörg Bruder. «Seengen hat eine Zentrumsfunktion in der Region und wir hoffen, dass dies bei einer betriebswirtschaftlichen Analyse auch der Post ersichtlich wird.» Falls alle zu überprüfenden Filialen geschlossen würden, befände sich die nächste Post in Seon. «Das ist weit weg für uns.» Nach der Gemeinderatssitzung vom Montag wolle man sich mit der Post in Verbindung setzen.

Die Angestellten lächeln. Das war, bevor die Post bekannt gab, die Filiale in Seengen womöglich zu schliessen.

Die Angestellten lächeln. Das war, bevor die Post bekannt gab, die Filiale in Seengen womöglich zu schliessen.

Ramona Patt

Das Gleiche gilt für Beinwil. Auch diese Post steht auf dem Prüfstand. «Wir werden versuchen, die Poststelle zu erhalten», sagt Gemeindeammann Peter Lenzin. «Mit der BNO-Revision wollen wir eine neue Zentrumszone schaffen. Die Schliessung der Post würde diese Zone schwächen.»
Auch die Postfiliale Rupperswil wird überprüft. Im Falle einer Schliessung werde sich die Gemeinde wehren, sagt Ammann Ruedi Hediger. Als einwohnermässig zweitgrösste Gemeinde im Bezirk Lenzburg habe Rupperswil einen berechtigten Anspruch auf eine Poststelle. Ausserdem werde diese rege genutzt.

Rudolfstetten-Friedlisberg will von der Post Zahlen sehen

Der Gemeinderat von Rudolfstetten-Friedlisberg versteht nicht, wieso die Filiale in seiner Gemeinde geprüft werden soll. Die Poststelle liege an idealer Lage auf der Durchgangsachse von Bremgarten nach Dietikon und biete "hervorragende Zufahrts- und auch Parkiermöglichkeiten", schrieb er kurz nach Bekanntwerden der Abbaupläne in einer Mitteilung.

Der Gemeinderat will eine allfällige Schliessung nicht einfach so hinnehmen und fordert die Post auf, die Filiale zu erhalten. Ausserdem soll sie die Kosten für den Betrieb der Poststellen offenlegen, zumal sie als Staatsbetrieb regelmässig einen Gewinn einfahre.

Was dem Gemeinderat ebenfalls nicht passt: dass er nicht vorgängig von der Post informiert worden ist über die Pläne, die Poststelle zu überprüfen. Er befürchtet deshalb, dass er zur Zukunft der Poststelle nichts zu sagen haben wird.

Wie geht es weiter? Man habe die Post kontaktiert, schreibt der Gemeinderat. Er erwartet nun eine Stellungnahme dazu, warum der Service Public in Rudolfstetten-Friedlisberg überprüft werden soll. (mwa)